Jugendhilfe

Anonymes Mädchenhaus eröffnet in Düsseldorf

Im anonymen Mädchenhaus können Betroffene Abstand von ihren Traumata gewinnen.

Im anonymen Mädchenhaus können Betroffene Abstand von ihren Traumata gewinnen.

Foto: Maja Hitij (Symbolbild)

Düsseldorf.   Die neue Zufluchtsstätte hilft Opfern von Gewaltverbrechen und Missbrauch

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gestern feierte der Verein „ProMädchen“ im Bilker Stadtteilhaus die Eröffnung ihrer anonymen Zufluchtsstätte in der Landeshauptstadt. Mädchen und junge Frauen zwischen zwölf- und 21 Jahren, die von häuslicher Gewalt, Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung bedroht oder betroffen sind, finden im neuen Düsseldorfer Mädchenhaus Schutz. Der Aufenthaltsort der Zufluchtsstätte bleibt geheim, damit ist sie die zweite Einrichtung ihrer Art in Nordrhein-Westfalen.

Ab dem 1. November eröffnet das Haus und gewährleistet 24-stündige Betreuung durch Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen. „Das Personal ist top ausgebildet. Erzieherinnen sind auf Traumata vorbereitet“, versichert Projektkoordinatorin Sarah Pastor.

Mädchen kommen aus ganz Deutschland

Nach Angaben der Betreiber werden Mädchen aus ganz NRW und darüber hinaus ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Auch, um Distanz zum persönlichen Umfeld zu schaffen. „Die Eltern bekommen nur vom Jugendamt mitgeteilt, dass ihre Kinder in Gewahrsam genommen wurden“, erklärt Pastor. „Das Amt schickt das Mädchen dann im Bedarfsfall zu uns. Die Anonymität ist der große Unterschied zu anderen Einrichtungen.“

Patricia Baum, Geschäftsführerin von „ProMädchen“, betont, dass die Betreuung in einem rein weiblichen Umfeld wichtig ist: „Oft ist sexualisierte Gewalt im Spiel. Wenn dann Jungen und Mädchen in einem Haus leben, das fliegt einem um die Ohren.“

Auf 350 Quadratmetern mit Einzelzimmern für insgesamt sieben Mädchen sind so Schutz und Ruhe sichergestellt. „Ein Rohbau wurde kernsaniert. Die Zimmer haben unsere Mitarbeiterinnen mit viel Liebe selbst gestaltet“, schwärmt Baum vom zentral gelegenen Gebäude.

Die Zukunft des Mädchenhauses ist ungeklärt

Anonyme Zufluchtsstätten sind in Deutschland rar gesät, die Versorgung dementsprechend knapp. „Die kann ich an einer Hand abzählen“, erklärt Projektkoordinatorin Pastor: „Die Betreuung ist intensiv, die Kosten dementsprechend hoch. Es braucht die finanziellen Mittel, um sich sowas leisten zu können.“

Gerade erst eröffnet, ist die Zukunft des Mädchenhauses schon ungewiss. Die Startfinanzierung kam vom Land NRW, darüber hinaus bleibt die Lage unklar. Durch den Regierungswechsel muss „ProMädchen“ neu verhandeln. Die Landesregierung war für eine Stellungnahme bis zum Redaktionsschluss nicht zu erreichen. „Wir hatten bereits Kontakt und man ist uns auch zugetan. Wir müssen aber auf die neue Haushaltsplanung warten“, berichtet Sarah Pastor. Bis dahin bleibt die Zukunft des Mädchenhauses.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben