Düsseldorf. Seit einigen Wochen müssen Fahrgäste in Rheinbahn-Bussen wieder vorne einsteigen. Ein Unding, finden manche Kunden.

Als Dorothea Düsedau, SPD-Ortsvorsitzende im Düsseldorfer Stadtbezirk 6, am Sonntag nach Weihnachten in einen Bus der Linie 730 einstieg, erlebte sie eine unangenehme Überraschung. Ausschließlich die vordere Tür wurde den Fahrgästen geöffnet -- so, wie es vor der Pandemie gewesen war. Fahrgäste legten ihre Tickets der Reihe nach auf den Scanner. Neu: Eine Scheibe trennt Fahrer von eintretenden Fahrgästen.

„Was ist mit dem Infektionsschutz der Fahrgäste?“

„Ja, es gibt einen Spuckschutz für die Fahrer, das ist auch gut so“, schreibt Düsedau in einem offenen Brief an den Vorstand der Rheinbahn. „Aber was ist mit dem Infektionsschutz für die Fahrgäste?“ Diese Praxis habe sie mehr als irritiert, schreibt Düsedau. „Entsetzt“ sei die SPD-Ortsvorsitzende gewesen. Besonders, dass gleichzeitig in den U- und Straßenbahnen der Rheinbahn die Kontrollen nicht über einen zentralen Einstieg beim Fahrer geregelt sind, kann Düsedau nicht verstehen. So fragt sie weiter „ob die Rheinbahn der Auffassung ist, dass Busnutzer unehrlicher sind als Bahnnutzer“. Düsedau beendet ihren Brief mit einer klaren Forderung für die belebtesten Geschäftszeiten im Busverkehr: „Ich erwarte, dass Sie dafür sorgen, dass die Busfahrer in diesen Zeiten angewiesen werden, auf die Prüfung der Fahrscheine zu verzichten, und alle Türen zu öffnen.“

Rheinbahn hält am eingeschlagenen Kurs fest

Bei der Rheinbahn will man am eingeschlagenen Kurs festhalten: „Wir hatten den Ausstieg ausgesetzt, da Busse keine Scheiben zum Schutz der Fahrer hatten“, sagt Pressesprecherin Katharina Natus. Nach der Installation der Scheiben auf allen Buslinien unternehme man mit der Rückkehr zum Einstieg vorne jetzt „einen wichtigen Schritt zurück zur Normalität“. Schon am 14. Dezember trat diese Regelung in Kraft. Das Infektionsrisiko für Fahrgäste sei dabei eher gering, gibt Natus an: „Damit nicht zwei Fahrgäste nebeneinander einsteigen können, öffnen Fahrer nur eine Hälfte der vorderen Türe.“ Und: „Der Aufenthalt vorne beim Fahrer ist kürzer als an einer Supermarktkasse.“ Das Auflegen der Tickets könne dabei hygienisch ohne Berührung der Apparatur erfolgen. Für den Fall, dass eine größere Menschenmenge - ab zehn Personen - an einer Haltestelle einsteigen will, seien Fahrer angewiesen worden, dort den Einstieg über alle Türen zu ermöglichen. Das gleiche gelte selbstverständlich jederzeit für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität.

Maskenpflicht soll bei Einstieg kontrolliert werden

Dass in Bahnen nicht bei einem zentralen Einstieg das Ticket kontrolliert werde, liege an der größeren Fahrgastkapazität der Bahnen, sagt die Rheinbahn-Sprecherin. Außerdem werde so sichergestellt, dass diese schneller verkehren können. Dass eigentlich auch in Bussen eine Kontrolle durch mobiles Personal möglich wäre, bestätigt Natus. Die zentrale Ticketkontrolle in Bussen diene jedoch ebenso dazu, die Einhaltung der Maskenpflicht zu kontrollieren.

Größere Probleme scheint es damit aber nicht gegeben zu haben. „Alle Fahrgäste halten sich in der Regel daran“, sagt die Rheinbahn-Sprecherin. Verstöße kämen „immer mal wieder“ vor. Dass gänzlich jeder Verstoß gegen die Maskenpflicht in den Transportmitteln der Rheinbahn verhindert werden könnte, hält Natus nicht für realistisch. Darüber, ob es durch den Wegfall der Ticket-Kontrolle beim Einstieg zu erhöhten Schwarzfahr-Delikten gekommen sei, liegen der Pressesprecherin keine Daten vor. Es könne vermutet werden, sagt sie.

Auf ihrer Webseite erklärt die Rheinbahn jedenfalls, durch die Maßnahme die Anzahl der „Schwarzfahrer“ deutlich reduzieren zu wollen. „Im Sinne aller ehrlichen Fahrgäste“, wie es das Unternehmen gern angibt.