Wirtschaft

Bäckereien suchen nach Verkaufspersonal

Symbolbild. Im Bäckereigewerbe fehlt Verkaufspersonal.

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Symbolbild. Im Bäckereigewerbe fehlt Verkaufspersonal.

Bäckereien spüren einen Fachkräftemangel: Immer seltener findet sich in der Branche Personal für die Theke. Jetzt wirbt sie um Quereinsteiger.

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Hilden. Das Werbeplakat der Firma Kamps ist nicht zu übersehen. Der Hinweis steht vor dem Itter-Karree in Hilden. „Verkaufspersonal gesucht“, ist dort in weißen Lettern auf rotem Grund zu lesen. Und auch die in Hilden ansässige Kette „Ihr Bäcker Schüren“ sucht Personal – „vor allem in Haan und Mettmann“, erzählt Inhaber Roland Schüren.

Damit sind die beiden Betriebe nicht die einzigen: In der gesamten Branche herrscht zurzeit ein Fachkräftemangel an der Verkaufstheke. „Bäckereifachverkäufer sind ganz schwer zu bekommen“, bestätigt Frank Köster, Geschäftsführer der Bäckerinnung Rhein-Ruhr, die auch für den Kreis Mettmann zuständig ist. „Das ist ein komplettes Branchenproblem.“ Und auch noch offene Lehrstellen können zurzeit kaum besetzt werden, berichtet Köster.

Auszubildende fehlen

Das deckt sich mit den Zahlen der Arbeitsagentur: „Sowohl im Ausbildungsbereich, als auch im Stellenbereich gibt es viele offene Plätze“, berichtet Kerstin Dette von der Regionalpressestelle. Zurzeit seien 15 Ausbildungsstellen zu Bäckereifachverkäufern im Kreis Mettmann nicht besetzt. Darüber hinaus sind bei der Arbeitsagentur aktuell weitere zehn offene Stellen für bereits ausgebildete Bäckereifachverkäufer gemeldet. Ein Job in Bäckereien scheint für junge Menschen nicht sonderlich attraktiv zu sein. „Im vergangenen Berufsausbildungsjahr kam im Berufsbereich ,Verkauf von Lebensmitteln’ – darunter fällt auch das Bäckereihandwerk – auf zehn Ausbildungsstellen nur ein Bewerber. In der Gastronomie ist das Verhältnis sehr ähnlich“, schildert Dette das Problem.

Woran liegt das? „Das Ansehen des Berufes ist ein Thema“, überlegt Innungsgeschäftsführer Frank Köster. Werbedesigner oder EDV-Spezialisten seien anerkannter als Bäckereifachverkäufer. Und wenn sich Jugendliche dennoch für einen Job im Verkauf entscheiden, „dann verdienen sie bei Aldi und anderswo einiges mehr“, sagt Köster. Das Defizit der Bewerber schätzt er für den Kreis auf bis zu 100. Die Branche geht daher neue Wege. „Quereinsteiger sind herzlich willkommen“, wirbt die Firma Kamps auf ihrem Plakat um Studienabbrecher oder Berufswechsler. Der Vorteil: Damit erhalten auch ältere Arbeitnehmer über 50 noch einmal eine Chance.

Mehr als Brötchen verkaufen

Der Hildener Unternehmer Roland Schüren hat damit gute Erfahrungen gemacht: „Wir haben bei uns viele Quereinsteiger“, berichtet er – darunter ehemalige Arbeitnehmer aus dem Bankensektor oder Erzieherinnen. Dazu gehört auch Daniel Ende, der zuvor eine Altenpflege-Ausbildung absolvierte und dann Psychologie studierte. Dass er nun bei Schüren hinter der Verkaufstheke steht, sieht er positiv: „Ich habe gerne Kontakt mit Kunden und stehe für mein Produkt, denn ich esse selber gerne Brot“, erzählt er. Offenbar ist er sehr zufrieden in seinem Job.

Tatsächlich habe der Beruf mehr zu bieten als nur Brötchen zu verkaufen. Moderne Warenkunde gehört genauso dazu wie die Fähigkeit, ein Café zu managen oder eine Filiale zu leiten – Aufstiegschancen inbegriffen. „Wir haben zwar keine Gehälter wie in der Chemieindustrie“, sagt Schüren. „Doch wir können einen sinnstiftenden Beruf mit guten Perspektiven bieten.“ Innungs-Geschäftsführer Frank Köster betont: „Für diesen Beruf muss man kein Abitur haben – und kann trotzdem nach oben kommen.“

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