Insolvenz

Aus nach 102 Jahren

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Aus nach 102 Jahren. Der Schleifmittelhersteller Carborundum an der Kappeler Straße in Reisholz schließt seine Tore. 210 Mitarbeiter stehen auf der Straße.

Bis gestern hatten die Mitarbeiter des Schleifmittelherstellers Carborundum aus Reisholz den Glauben an ein Wunder nicht ganz aufgeben wollen. Am 30. Januar hatte die Unternehmensleitung Insolvenz angemeldet. Zwei Monate lang hatte Insolvenzberater Frank Kebekus Zeit, einen Investor zu suchen für das Unternehmen, das vor vier Jahren vom US-Investor Springwater Capital übernommen worden war. Gestern Nachmittag stellte er die Belegschaft vor vollendete Tatsachen: Alle 210 Mitarbeiter des Düsseldorfer Werks der Carbo Group erhalten die Kündigung zum 1. Mai, die Hälfte von ihnen wird sofort freigestellt, die andere Hälfte wickelt noch einige Wochen lang die restlichen Aufträge ab. Bis zum Ablauf der Kündigungsfrist in drei Monaten zahlt das Arbeitsamt.

„Das Wunder hat nicht stattgefunden. Stattdessen kommen wir gerade von der Beerdigung”, gab sich Betriebratsvorsitzender Henry Mötter gestern geschlagen.

Firmenchef Karl-Josef Stallmann hatte sich bei der Betriebsversammlung nicht blicken lassen. „Es fehlte ihm an Anstand, sich seiner Belegschaft zu stellen”, beklagt Mötter und hält mit seiner Kritik an der Unternehmensleitung nicht hinterm Berg. „Nicht eine einzige müde Mark ist in den letzten Jahren hier investiert worden. Der Investor ist eine der klassischen Heuschrecken, die das Unternehmen nur ausgeschlachtet haben. Von der Geschäftsführung wurden zudem viele handwerkliche Fehler gemacht. Schon vor der Krise sind wir zurückgefallen, obwohl die Auftragslage zunächst in den ersten Jahren nach der drohenden Insolvenz im Jahr 2005 gut war”, zieht Mötter Bilanz.

Die Mitarbeiter haben indessen ihren Beitrag zum Überleben geleistet. Drei Jahre lang verzichteten sie nicht nur auf zehn Prozent ihres Lohns und auf das 13. Monatsgehalt. Sie machten auch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden mit.

Unterdessen regt sich auf dem Firmengelände neues Leben. Ein Teil des Grundstücks wurde bereits verkauft. Eine Waschstraße hat ihren Betrieb aufgenommen. „Es würde mich nicht wundern, wenn hier bald die Abrissbirne käme, um aus dem Grundstück Kapital zu schlagen”, sagt Mötter. Sein Chef sei übrigens Beauftragter der Immobilienfirma der Carbo Group.

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