Ordnungsamt

Ausgezockt! Vielen Düsseldorfer Spielhallen droht das Aus

Ausgezockt: Wegen einer Regelung des Glückspielstaatsvertrags aus dem Jahr 2012 droht nun in ganz NRW hunderten Casinos die Schließung.

Foto: Tim Schulz

Ausgezockt: Wegen einer Regelung des Glückspielstaatsvertrags aus dem Jahr 2012 droht nun in ganz NRW hunderten Casinos die Schließung. Foto: Tim Schulz

Düsseldorf.   Ab 1. Dezember 2017 müssen Spielotheken die 350-Meter-Abstandsregelung zu anderen Spielhallen einhalten. Das betrifft in Düsseldorf 80 Casinos.

Nur einen Euro Einsatz und 100-facher Gewinn – Glücksspielautomaten versprechen immer noch den großen Reibach in Sekundenschnelle. 80 von 94 genehmigten Spielhallen in Düsseldorf dürften aber bald womöglich dicht gemacht werden.

Denn wegen einer Regelung des Glückspielstaatsvertrags aus dem Jahr 2012 droht nun in ganz NRW hunderten Casinos die Schließung. Grund dafür: Ab 1. Dezember 2017 müssen Spielotheken die 350-Meter-Abstandsregelung zu anderen Spielhallen einhalten. Betreiber müssen ab dem Zeitpunkt dann neue Anträge stellen, die nach der neuen Gesetzeslage zu prüfen sind.

„Gaststätten mit Geldspielautomaten sind von der Regelung aber nicht betroffen“, sagt Sebastian Veelken vom Ordnungsamt. Dort dürfen dann immer noch drei Geldspielgeräte aufgestellt werden – ein genauer Kriterienkatalog für die Erteilung glücksspielrechtlicher Erlaubnis wird derzeit vom Landesgesetzgeber vorbereitet.

Einnahmequelle für Stadt versiegt

Für die Stadt versiegt durch die umfassende Schließung auch eine Einnahmequelle. Dem Vernehmen nach fließen durch die Vergnügungssteuer jährlich acht Millionen Euro in die Stadtkasse – also genug, um einen weiteren Grand Départ zu finanzieren.

Obwohl Glücksspielsucht gesellschaftlich bei weitem nicht so stark verurteilt wird wie der Konsum von Substanzen, sollte das Thema nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das von der Werbung vermittelte Bild des lachenden Millionärs am einarmigen Banditen sieht in der Realität ganz anders aus – denn viele Menschen gleiten schnell in eine Suchtspirale ab.

Die Zahl der Spielsüchtigen hat zugenommen

„Es handelt sich dabei um eine Verhaltenssucht, bei der die Betroffenen im Laufe der Zeit den Bezug zum Geld vollkommen verlieren“, sagt Alexander Heine, Bezugstherapeut für Glücksspieler bei der Diakonie Düsseldorf. Oftmals verzocken sich die Menschen so stark, dass die Ambulanz der Diakonie direkt zur Schuldenberatungsstelle weitervermitteln muss.

Ebenso wie die Zahl der Glücksspielhallen hat auch die Zahl der Spielsüchtigen zugenommen. „Die Nachfrage nach unserer Therapie steigt kontinuierlich“, so Heine. In regelmäßigen Einzel- und Gruppengesprächen werde versucht, das Suchtverhalten unter Kontrolle zu bringen und neue Perspektiven für eine spielerfreie Lebensweise erarbeitet – die ambulante Therapie der Sucht kann über eineinhalb Jahre dauern. Die Schließung der Spielhallen bereitet den Betroffenen zwar das Risiko in andere Süchte abzugleiten, doch „hilft die Reduzierung der Spielstätten vor allem dabei, die Verfügbarkeit zu verringern und bereits Betroffene vor einem Rückfall zu schützen“, so Heine.

Casino-Betreiber werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen

Das Ordnungsamt geht allerdings nicht davon aus, die lange Liste zu schließender Glücksspielbetriebe einfach abarbeiten zu können: „Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung für den jeweiligen Gewerbebetrieb liegt nahe, dass die betroffenen Gewerbetreibenden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen werden, um ihren Betrieb auch weiterhin zu betreiben und eine Schließung zu vermeiden“, sagt Veelken. Es sei jedoch selbstverständlich, dass belastende Entscheidungen einer verwaltungsgerichtlichen Überprüfung standhalten müssten, sagt Veelken abschließend.

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