Soziales

Awo Düsseldorf fordert mehr Hilfe für Alleinerziehende

Die Düsseldorferin Mariana Aurora Rosza führt Haushalt, Erziehung und Ausbildungssuche alleine. Früher als Altenpflegerin tätig, muss sie jetzt notgedrungen in einen anderen Bereich wechseln.

Foto: Niklas Tröschel

Die Düsseldorferin Mariana Aurora Rosza führt Haushalt, Erziehung und Ausbildungssuche alleine. Früher als Altenpflegerin tätig, muss sie jetzt notgedrungen in einen anderen Bereich wechseln. Foto: Niklas Tröschel

Düsseldorf.   Die Awo fordert bessere Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt. Viele Arbeitgeber haben kein Interesse, Alleinerziehenden Job oder Ausbildung zu geben.

Mariana Aurora Rosza hat viel zu tun. Die Düsseldorferin ist alleinerziehende Mutter und versucht gleichzeitig, im deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Keine einfache Aufgabe, denn ihr Sohn geht noch in den Kindergarten. Am Dienstag erzählte sie im Gespräch mit Presse und Arbeiterwohlfahrt (Awo) von ihrer kleinen Odyssee.

Keine Perspektive in Rumänien

Ihr Heimatland Rumänien bot ihr keine Perspektive, deswegen ging sie nach Italien und machte dort eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Die 36-Jährige zog schließlich weiter nach Deutschland. Doch ihre italienische Ausbildung wurde nicht voll anerkannt. Schlecht bezahlten Teilzeit- und Minijobs reichten nicht aus, um den Lebensunterhalt alleine zu bestreiten. „Ich war auf so unendlich vielen Terminen beim Arbeitsamt und Jobcenter, aber es ist ewig nichts herausgekommen“, berichtete Rosza.

Viele Arbeitgeber haben kein Interesse, Alleinerziehende in ihre Job- und Ausbildungsprogramme aufzunehmen. Zu unflexibel, zu hohe Ansprüche, nicht zuverlässig – das sind einige Vorurteile mit denen Ein-Personen-Familien zu kämpfen haben. Alleinerziehende seien damit von der Armutsfalle besonders bedroht, behauptet die Awo und startete gestern in Düsseldorf ihre Kampagne, um Alleinerziehende am Arbeitsmarkt zu stärken. Wieviel Energie Betroffene bei der Jobsuche aufwenden, beeindruckt Ilka Hahn, Koordinatorin des Awo-Förderprogramms zur Teilzeitausbildung: „Eine Mutter wollte ein Praktikum in einem Betrieb starten. Einen Tag vorher wurde ihr Kind krank. Um das Praktikum trotzdem beginnen zu können, hat sie ihre Mutter extra aus Polen kommen lassen.“

Solche Geschichten seien keine Einzelfälle. Awo-Abteilungsleiterin Gabriele Schmitz sieht aber noch Luft nach oben. Bisher zeigte sich nur ein Prozent der Unternehmen am Projekt interessiert. „Dabei machen wir die Erfahrung, dass viele Alleinerziehende gut organisiert sind und selten fehlen“, berichtete Schmitz: „Man darf dabei nicht vergessen, das sind die Vollzeitkräfte von Morgen, wenn die Kinder erwachsen sind.“

Nur geringes Interesse bei den Unternehmen

Die Awo fordert grundsätzlich höhere Gehälter für Alleinerziehende in Arbeit und Ausbildung. Dazu eine Kindergrundsicherung von monatlich 572 Euro, die sonstige Leistungen zusammenfasse. Auch die staatliche Förderung von Unternehmen lasse zu wünschen übrig. „Ich ärgere mich immer wieder, dass Arbeitsamt und Jobcenter diese Aufgabe nicht geregelt kriegen, nur weil es etwas komplizierter ist“, sagte Michael Kipshagen, Geschäftsführer der Düsseldorfer Awo. Eine Mitfinanzierung von Kita-Plätzen in Unternehmen wäre zum Beispiel denkbar. Die Kosten dafür seien „nicht so dramatisch“.

Mariana Rosza ist derweil umgeschwenkt und will eine kürzere Ausbildung im Bereich Sicherheit starten, „denn ohne Ausbildung verdient man ja nichts.“ Beim Termin machte sie der Presse Druck. Sie müsse bald nach Hause. Denn neben Ausbildungssuche und Kinderbetreuung habe sie ja auch noch den Haushalt in Schuss halten.

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