Europäischer Jugendtag

Christliche Völkerverständigung

Foto: NRZ

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Die Neuapostolische Kirche feiert an diesem Wochenende - gestern kamen 35 000 Jugendliche in die Arena und aufs Messegelände.

Lächelnd beobachtet Helge Stenzel den südafrikanischen Chor, der zwischen LTU–Arena und Bahngleis 1 für Stimmung sorgt. Zwölf Stimmen vereinigen sich zum typischen afrikanischen Gesang, der seinen Rhythmus sofort in die Knochen der verschiedenen Gruppen fahren lässt.

Während die Menge im Takt klatscht, verformt sich Helge Stenzels Mund zum Halbmond, seine Augen verengen sich hinter seiner Brille zu freundlichen Schlitzen. Der Ordner ist zufrieden - Premiere geglückt. Rund 35 000 Jugendliche aus aller Welt haben an diesem Freitag den ersten Europäischen Jugendtag der Neuapostolischen Kirche eröffnet und strömen aus der Arena aufs Messegelände. Bis zum morgigen Sonntag werden sie sich mit anderen Kulturen austauschen und ihren Glauben zelebrieren. Mit Konzerten, Messen, Seminaren. Und zum ersten Mal werden sie es so öffentlich machen.

Logistischer

Kraftakt

Denn noch nie hat die Neuapostolische Kirche in Deutschland diesen Aufwand gestartet, um ihre Religion nach außen zu tragen. „Wenn du nicht gerade Protestant oder Katholik bist, haftet schnell der Stallgeruch einer Sekte an dir”, sagt Sprecher Uwe Behrendt, während er über das Gelände streift. Und der Jugendtag sei ein dankbares Forum, um diesen Eindruck zu widerlegen, sagt Behrendt, schließlich sei man nach der Orthodoxen Kirche die viertgrößte Glaubensgemeinschaft der Welt. „Aber dennoch haben wir das hier in erster Linie für die Jugendlichen gemacht.”

Mit „das hier” meint er ein Areal, das sich über 15 Messehallen erstreckt. Ein logistischer Kraftakt: 1500 Scouts, dazu rund 1000 Akteure – Musiker, Referenten, Jugendgruppen – sorgen für Hilfe und die Unterhaltung. Drei Jahre habe die gesamte Planung gedauert, erklärt Uwe Behrendt und nähert sich Halle 6.

Die internationale Jugend nimmt den Großeinsatz dankbar an. „Superb” schwärmt Claire aus Frankreich und strahlt. Mehr sagt sie nicht. Ohnehin scheint das Lächeln ebenso an den Eingängen verteilt zu werden wie die Akkreditierungskärtchen, die um jeden neuapostolischen Hals baumeln.

„Uns verbindet

alle dieser Glaube”

Die Jugendlichen zeigen sich indes kreativ, wenn es um die Präsentation ihrer Heimatgemeinden geht. In Halle 6 schraubt sich der Eiffelturm in die Höhe und aus der Almhütte der Schweizer ertönt eidgenössischer Hip-Hop. Eine Reaktion auf die zurückgehenden Kirchenmitgliederzahlen? Bei den Massen, die sich durch die Hallen schieben, könnte man den Schwund allerdings für ein Missverständnis halten...

Währenddessen geht es in den Hallen 11 bis 17 gemächlicher zu. Hier haben rund 20 000 Jugendliche ihr Nachtlager aufgeschlagen. Doch nur eine Handvoll liegen auf ihren Schlafsäcken. Eine Jugendgruppe aus Wilhelmshaven räkelt sich auf einer überdimensionalen Luftmatratze. „Wir wollen das alles auf uns wirken lassen”, sagt Jascha Kalinski, der vor allem auf interessante Gespräche hofft: „Uns verbindet ja alle dieser Glaube.” Irgendwann hat aber auch jede Völkerverständigung ihre Grenzen - auch unter Christen. Jascha lacht: „Gegen die Holländer haben wir beim Kickern schon gewonnen.”

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