Gastronomie

Das Csikos kommt wieder

Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

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Am „offenen Herzen“ der Altstadt wird zurzeit kräftig gebuddelt, Straßen wieder mal eingezäunt und aufgerissen, Kneipen-Fassaden verändert. Auch um St. Andreas. Benders Marie, eine der letzten gutbürgerlichen Adressen, schließt am Sonntag, 30. Januar. Zwei Häuser weiter macht das Csikos wieder auf, und zwar nach überliefertem Konzept. Und mit dem Rezept der Gulaschsuppe, über die mal ein Gast schrieb: „Nach dem Genuss dieser feurigen Suppe schlugen mir die Flammen aus allen Körperöffnungen und ich musste feststellen, dass ich wochenlang keinerlei Probleme mit lästigen Nasen und Ohrhärchen mehr hatte. Meine Brille war beschlagen, die Augen tränten und meine Stimmlage war ein bis zwei Stunden danach etwas höher.“ So soll es wieder sein.

Die Melancholie
der Vorkriegszeit

Nandor Eröss, Chefkoch in den letzten fünf Jahren des Csikos, will den Suppenkessel wieder aufsetzen und „die schöne nostalgische Stimmung, die Melancholie der Vorkriegszeit“ wieder aufleben lassen, in den verschachtelten Räumen, in denen in den vergangenen Jahren einige umpassende Konzepte missglückten. Eine Animier-Bar nach dem „Coyote Ugly“-Vorbild, konnte erst gar nicht Fuß fassen, ein indisches Lokal war und blieb von Anfang an ein Fremdkörper in der unter Ensemble-Denkmalschutz stehenden, über 300 Jahre alten Häuserzeile gegenüber dem ehemaligen Stadthaus, wo die die Umwandlung in ein Nobelhotel und Boardinghaus bereits begonnen hat.

Von einer eleganteren Zukunft des so genannten Andreas-Quartiers hofft auch Nandor Eröss zu profitieren. Er hat die Räume bereits in einem behutsam plüschigen K.u.K-Stil . renovieren lassen und aus Ungarn einen Konditormeister engagiert. Zwischen 15 und 18 Uhr soll es künftig zum Kaffee hausgemachte Kuchenspezialitäten geben, abends die überlieferte Speisekarte ungarischer Spezialitäten. Dazu wie ehedem Pilsner Urquell. Die Eröffnung ist für den 11. Februar geplant. Eröss: „Das hängt aber noch von einigen Terminen ab.“ Dann kann der alte Gulaschsuppentopf wieder auf- und eine 60-jährige Tradition fortgesetzt werden.

Der bitterkalte
Winter 1950

Die begründeten Otto und Trude, genannt Trudchen Schuster, deren Lebenslauf in Holz geschnitzt eine Wand schmückt. Sie eröffneten ihr Lokal 1950 zwei Tage vor Weihnachten bei bitterer Kälte. Geheizt wurde mit Konservendosen voller Holzkohle unterm Tisch. Doch es war einfach urgemütlich in dem mit Petroleumfunzeln schummrig gehaltenen uralten Fachwerkhaus, das sich rasch zu einem beliebten Künstlertreff entwickelte. Das Wort Erlebnisgastronomie hätte hier erfunden werden können. Aus dem Kom(m)ödchen, nur wenige Häuser weiter, kamen Kay und Lore Lorentz, Beuys-Gefährte Anatol, der erst am vergangenen Freitag seinen 80. Geburtstag feierte, fühlte sich hier ebenso wohl wie die Kabarettistin Ursula Herking und Filmstars wie Gert Fröbe, Hanne Wieder und Elisabeth Flickenschildt, Theater-Größen wie Gustaf Gründgens und Karl-Heinz Stroux feierten hier nach ihren Vorstellungen. „Es soll wieder ein Treff nach dem Theater werden“, wünscht sich Eröss.

Dazu gibt es Klaviermusik live und Überlegungen, die inzwischen spärlich gewordene Düsseldorfer Jazzszene an dieser Stelle wieder aufzumischen. Schließlich schrubbte hier schon Günter Grass auf dem Waschbrett während seines Studiums der Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. In seiner Blechtrommel setzte Grass dem dann Csikos ein literarisches Denkmal als „Zwiebelkeller“. Die werden hier wahrscheinlich bald wieder mit Freudentränen in den Augen geschnibbelt werden. Die Legende lebt wieder auf.

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