Stadtteilserie

Das Standesamt war einst Ort von Hauskonzerten

Das Standesamt an der Inselstraße in Düsseldorf. Flur, Kronleuchter, Sicht von ersten in zweiten Stock. Bis auf Fenster und Granatsplitter in der Außenwand des Gebäudes gab es keine Zerstörungen, auch während des Krieges nicht.

Foto: Nele Elson

Das Standesamt an der Inselstraße in Düsseldorf. Flur, Kronleuchter, Sicht von ersten in zweiten Stock. Bis auf Fenster und Granatsplitter in der Außenwand des Gebäudes gab es keine Zerstörungen, auch während des Krieges nicht.

Düsseldorf.   Im Düsseldorfer Standesamt an der Inselstraße wird alles dokumentiert. Früher war es mal ein repräsentatives Wohnhaus.

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Von der Wiege bis zur Bahre: am Standesamt führt in Deutschland kein Weg vorbei. In Düsseldorf befindet sich das Gebäude in Pempelfort. Es ist eine Art Fusion: Die Standesämter Düsseldorf-Nord, Düsseldorf-Mitte und Düsseldorf-Ost sind Mitte der 1930er Jahre in das Gebäude an der Inselstraße 17 gezogen.

Gebäude wurde 1898 fertig gestellt

Das Gebäude im Stil der Neugotik wurde von dem Architekten Professor Kleesattel im Jahre 1898 fertig gestellt. Das Haus zählt zu den wenigen erhaltenen Bauten aus der Zeit um die Jahrhundertwende an der Inselstraße. Diese Straße zeigte bis in den Zweiten Weltkrieg hinein eine sehr repräsentative Wohnbebauung. Bauherr war der damalige Amtsrichter Hugo Lenzberg, später Senatspräsident am Oberlandesgericht. Im Haus veranstaltete er kleinere Konzerte und arrangierte Treffen mit bedeutenden Künstlern seiner Zeit.

Heute arbeiten im Standesamt 44 Personen. Die Mitarbeiter sind gleichmäßig über alle drei Sachgebiete verteilt. Dazu zählen Urkundenservice und Fortführungsbeurkundungen, Geburten- und Sterberegister sowie das Heiratsregister. Die Zahl der Eheschließungen lag in den vergangenen Jahren immer knapp unter 3000. Im Jahre 2017 waren es mit 3003 Eheschließungen erstmals seit vielen Jahren wieder über 3000. „Welcher Religion Ehepaare angehören, wird dabei nicht erfasst“, sagt Stadtsprecherin Anne Braun.

Trauung als Live-Übertragung per Webcam

Für alle gilt aber: Es können Hochzeitsfotografen des Standesamtes engagiert werden und auch eine Live-Übertragung per Webcam. Wer sich die Hochzeit etwas mehr kosten lassen will, kann beim Standesamt auch Schloss Benrath, Schloss Eller und verschiedene Rathäuser mieten. Seit dem 1. Oktober können dort wie im Standesamt selbst auch offiziell gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Es wurden seitdem 44 Ehen mit dem selben Geschlecht geschlossen (Stand: 22. März 2018). Ihre Lebenspartnerschaft umgewandelt haben 141 Paare. „Es gab dabei keinerlei Schwierigkeiten“, so Braun. Unsere Zeitung hat aber bereits über Fälle berichtet, in denen das die Betroffenen anders sehen.

Geburten, Eheschließungen, Sterbefälle und Fortführungsbeurkundungen werden chronologisch bearbeitet, wie sie anfallen. Dabei ist insbesondere die Zahl der Geburtsbeurkundungen jährlich steigend und liegt für 2017 bei 9023. Die Zahl der Vaterschaftsanerkennungen bei unverheirateten Paaren lag für 2017 bei 1485 und ist damit in den letzten Jahren ziemlich konstant. In Düsseldorf wurden im Jahre 2017 insgesamt 6863 Sterbefälle beurkundet. „Die Mitarbeiter haben zu den trauernden Angehörigen keinen Kontakt“, sagt Braun. „Die Bestatter regeln alle Formalien bis hin zum Abholen der Sterbeurkunden. Sollte ein Angehöriger doch einmal persönlich vorbeikommen, gelten die allgemeinen Höflichkeitsregeln.“

Zwei größere Baumaßnahmen in den letzten Jahren

In dem Gebäude Inselstraße 17 wurden in den letzten Jahren über den üblichen Bauunterhalt hinaus zwei größere Baumaßnahmen durchgeführt. In den Jahren 2006 und 2007 wurden die Anlagen der Haustechnik (Heizung, Wasser- und Abwasser, Sanitärbereiche, Elektro- und IT-Netz) modernisiert und eine Brandmeldeanlage eingebaut. „Im Rahmen dieser Modernisierung wurden die repräsentativen Bereiche in Abstimmung mit der Denkmalpflege hochwertig saniert“, sagt Braun. Bei Bauunterhaltungsarbeiten im Dachstuhl wurde im Jahr 2011 ein Befall mit Hausschwamm festgestellt. Nach umfangreicher Sanierungsplanung konnten die erforderlichen Instandsetzungsarbeiten zum Schutz des Baudenkmals im Jahre 2013 erfolgreich umgesetzt werden.

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