Verkehr

Debatte um autofreie Kö in Düsseldorf geht weiter

Autos und Shoppen gehören auf der Kö zusammen – findet Peter Wienen von der Interessengemeinschaft der Kö-Anlieger.

Autos und Shoppen gehören auf der Kö zusammen – findet Peter Wienen von der Interessengemeinschaft der Kö-Anlieger.

Foto: Bretz

Düsseldorf.   Eine Kö ohne Autos funktioniert nicht, findet der Vorsitzende der IG Kö. SPD und ADFC können sich aber eine autofreie Königsallee gut vorstellen.

Für den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft der Kö-Anlieger, Peter Wienen, ist klar: Eine Kö ohne Autos funktioniert nicht. Das sagte er unlängst in einem Interview in unserer Zeitung. Dies begründete er unter anderem damit. dass ein Auto mit zum Shopping-Erlebnis gehöre und so die Einkäufe bequem nach Hause transportiert werden können.

Der Vorschlag für eine autofreie Kö ist nicht neu. Erst im vergangenen Jahr hatte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) dafür geworben, über eine Umwandlung der berühmten Straße in eine Fußgängerzone nachzudenken. Zuvor hatte schon der Grüne Bürgermeister Wolfgang Scheffler die Idee geäußert.

Volkenrath: Begründung gegen autofreie Kö „grotesk“

Wienens These gehe vollkommen an der Realität vorbei, findet indes der Vorsitzende des Ordnungs- und Verkehrsausschusses Martin Volkenrath (SPD). „Wenn ich meiner Frau Schmuck dort kaufen wollen würde, könnte ich das mit einem netten Spaziergang kombinieren und anschließend mit Fahrrad oder Bahn nach Hause fahren.“ Für seine Einkäufe benutze er oft das Rad, „dann hänge ich die Einkaufstasche über den Lenker, fahre etwas langsamer und komme auch an.“ Der Sozialdemokrat findet zwar, dass man gegen eine autofreie Kö sein kann, die Begründung sei aber „grotesk“.

Volkenrath merkt ebenso an, dass es immer wieder Stau und „Park-raumsuchverkehr“ auf der Kö gibt. „Das ist alles andere als schön.“ Mit Blick in die Zukunft kann er sich sehr gut vorstellen, dass eines Tages die Einsicht kommt, die Kö autofrei zu machen.

„Interessengemeinschaft hinkt Mobilität hinterher“

Volkenraths Parteikollegen äußerten sich auch in den sozialen Medien kritisch zu Wienens Äußerungen. Der Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus etwa formuliert es ironisch: „Au ja, ich freue mich jedesmal, wenn ich vom Graf-Adolf-Platz in die Kö abbiege und dann mit durchdrehenden Reifen und aufheulendem Motor meinen Smart zeigen kann.“ Nein, er pose nur einmal im Jahr auf der Kö – am Karnevalssonntag. Und das gehe ohne PS-Monster sehr gut. Und Matthias Herz schreibt bei Facebook, dass die „Interessengemeinschaft Kö weit hinter der Diskussion um Mobilität in den Städten hinterherhinkt. Wer meint, mit Konzepten aus den 80ern die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können, wird böse scheitern.“

Norbert Czerwinski, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, hegt „gar nicht so große Sympathien für eine autofreie Kö“. Das Auto gehöre da irgendwie dazu. Vielmehr kann sich Czerwinski aber vorstellen, „einen Radweg dort anzulegen“. Desweiteren wundert es den Grünen auch, dass etwa beim Straßenfest an der Lorettostraße/ Bilker Allee „Autos durchfahren durften“. Zudem plädiert er für „autofreie“ oder „autoarme“ Wohnviertel.

Radfahrer kaufen laut Studie häufiger ein

Lerke Tyra vom ADFC Düsseldorf sagt, dass es nur die „halbe Wahrheit“ ist, wenn man nur vom Einkauf mit Auto ausgeht. „Studien zeigen, dass Radfahrer im Schnitt weniger bei einem Einkauf ausgeben, dafür aber häufiger einkaufen“, so Tyra. Man habe ohne Auto die Möglichkeit, einfach an den Schaufenstern vorbei zu gehen und kann stoppen und reingehen, wenn einem was gefällt. „Man muss da nicht erst ewig einen Parkplatz suchen.“

Wienen hatte auch argumentiert, dass die Kö sonst zu breit wäre, wenn sie keine Autostraße mehr ist. Lyra findet: „Dann wäre genug Platz für andere Aktivitäten, für weitere Gastronomie, für einen breiten Radweg, für Ladestationen und E-Scooter.“

Autofreier Sonntag im September

Christdemokrat Thomas Jarzombek findet hingegen, dass man gemeinsam mit Anliegern und dem Handel eine Lösung finden sollte. „Es kann nicht sein, dass da vielleicht am Ende Läden dran kaputt gehen, wenn die Kö autofrei wird.“

FDP-Frau Marie-Agnes Strack-Zimmermann kann „nicht nachvollziehen“, warum man die Kö autofrei machen möchte. „Die Kö hat durchaus deswegen auch Charme, weil die Menschen dort hinfahren und sich zeigen können.“

Immerhin: Einen kleinen Erfolg gibt es. Am 15. September bleibt ein Teil der Düsseldorfer City für den Autoverkehr gesperrt (NRZ berichtete). Die Idee müsse auch erstmal wachsen, so Volkenrath. „Wir sehen dann mal, wie das an dem Sonntag wird. Autofreie Tage mit der Brechstange durchzusetzen ist schwierig“, findet der SPD-Mann. Düsseldorf versuche schon fahrradfreundlicher zu werden, die Rheinbahn werde optimiert. Das sei schon ein guter Weg.

Kirchturmdenken an der Kö – Ein Kommentar von Stephan Wappner 

Wie provinziell Düsseldorf doch immer wieder daher kommt, zeigen einmal mehr die Ausführungen des Kö-Interessenvertreters Peter Wienen. Eine autofreie Königsallee funktioniert nicht? Für wen nicht? Für diejenigen nicht, die zu faul sind, ihre prall gefüllten Einkaufstaschen vielleicht mal ein paar 100 Meter weiter zum nächsten Parkhaus tragen müssen? Es lebe der Kapitalismus, der sich um nichts anderes schert, als um Gewinnmaximierung! Das ist Kirchturmdenken in seiner schlimmsten Form.

Wienen stützte sich im Interview auch auf angebliche Experten-Meinungen, die da sagen, eine reine Fußgängerzone, die breiter ist als zehn Meter, wirke schnell leer. Da fehlt es wohl an Fantasie, wie man die Aufenthaltsqualität an einer so genannten Prachtmeile nachhaltig verbessern kann.

Wer potenzielle Freiflächen nur mit Autos füllen kann, der ist tatsächlich in den achtziger Jahren hängen geblieben.

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