Forschung

Dem Virus auf der Spur

Das Foto zeigt die jüngste Professorin an der Heinrich Heine Universität, Aice Mc Hardy. Sie erforscht Grippe Viren. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Das Foto zeigt die jüngste Professorin an der Heinrich Heine Universität, Aice Mc Hardy. Sie erforscht Grippe Viren. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

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Düsseldorf.   Alice McHardy ist Bioinformatikerin: Sie forscht, damit künftig wirksamere Impfstoffe gegen Grippe entstehen können

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An der Grippe sterben jedes Jahr etwa doppelt so viele Menschen wie bei Verkehrsunfällen. Denn Influenza-Viren sind Verwandlungskünstler - diese Fähigkeit macht sie so gefährlich und ihre Bekämpfung schwierig. Alice McHardy, Bioinformatikerin und mit 33 Jahren jüngste Professorin an der Heine-Uni, hat eine Vision: Sie arbeitet mit ihrem Team daran, mit den Methoden der Statistik, Grippeviren zuverlässig vorherzusagen. „Mit dem Ziel, dass der Impfstoffe besser gegen die aktuellen Grippeviren schützt.“

Im Sommer in Richtung Australien

Überall auf dem Globus arbeiten Wissenschaftler an der Erforschung der Grippe-Erreger. Die wenigen Bioinformatiker unter ihnen, wie Alice McHardy, interessieren dabei Fragen auch jenseits der Medizin. Nach welchen Gesetzen reisen Viren um die Welt? „Wir wissen, dass die Erreger aus Asien stammen, dort ist ihr Reservoir, von dort bewegen sie sich im Sommer Richtung Australien, im Winter Richtung Europa.“ Dabei ist der weltweite Reiseverkehr ihr Transportmittel, wohin Menschen auch immer fliegen, Grippeviren reisen mit. Und: Immer nur ein bestimmter Virusstamm setzt sich in großen Wellen weltweit durch.

Alle paar Jahre aber verändern die Erreger ihre Oberfläche, sie werden dadurch immun gegen die Impfung. Also muss sich mit den Viren auch das Serum verändern. Die Weltgesundheitsorganisation aber warte erst die Veränderung ab, bevor sie sich für die neue Zusammensetzung des Impfstoffes entscheide. Bis die auf dem Markt sind, vergehen in der Regel neun Monate. Die Bioinformatikerin aber meint, dass mit zuverlässigen Vorhersagen, dieses Verfahren verbessert werden kann.

Spezielle Grafiken

Auf ihrem Computer hat sie die Daten von allen bekannten Grippeviren gespeichert. Mit Hilfe spezieller Grafiken analysiert sie die Entwicklung der Viren-Stammbäume, rekonstruiert ihre Verwandtschaft und ihre genetischen Veränderungen. „Dadurch können wir früh prognostizieren, welche Erreger die nächste Grippewelle auslösen.“ Jedenfalls hätte ihre Software den Impfstoff einiger zurückliegender Epidemien anders zusammengestellt als die Experten der WHO. Die sind wohl auch deshalb so vorsichtig, weil eine falsche Prognose und damit ein unwirksames Serum Millionen kosten würden. Jetzt hofft Alice McHardy, dass die WHO Bereitschaft signalisiert, ihr Verfahren zu testen. „Aktuell ist es so, dass die Organisation etwa alle vier Jahre daneben liegt.“ Ein besserer Impfstoff, da ist sie sicher, würde bedeuten: weniger Grippekranke, weniger Todesfälle. So klingt Fortschritt.

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