Unterbach/Eller.

Den Wald würde es nicht mehr geben

Auch mit einer Fahrradrallye hat der Verein gegen den Container-Bahnhof protestiert.

Foto: OH

Auch mit einer Fahrradrallye hat der Verein gegen den Container-Bahnhof protestiert. Foto: OH

Unterbach/Eller.   Mit Engagement verhinderte der Verein „Rettet unser Naherholungsgebiet Eller Forst/ Unterbacher See“ vor 30 Jahren einen Container-Bahnhof im Naherholungsgebiet.

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Wenn Wolf Jenkner in der neu entstandenen Saunalandschaft am Elbsee Ruhe sucht, dann geht sein Blick Richtung Unterbacher See in die unberührte Natur und sein Herz auf. Vom Ruheraum schaut er aufs Grüne: Bäume, Vogelgezwitscher. Den Wald, so weiß er, würde es nicht mehr geben, wenn sie vor 30 Jahren nicht für die Natur gekämpft hätten. Keine Bäume, nur eine große Fläche mit Containern, ein Umschlagplatz für eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. „Das war eine Riesenbedrohung“ erinnert sich der Düsseldorfer.

Lärm und Dreck statt Naherholung

Mehr als 30 Jahre ist es her, da gab es Gerüchte, die sich schnell in Realität verwandelten: Der Flächennutzungsplan für das Gebiet am Kleinforst auf der Höhe des Südstrands am Unterbacher See sei von Landschaftsschutz in Nutzfläche für die Bahn umgewandelt worden. Klammheimlich, so Jenkner. Der Plan: An der Schnittstelle zwischen der Bahngüterstrecke und der A 46 sollte ein riesiger Güterumschlagplatz gebaut werden. Das Naherholungsgebiet um den Unterbacher See herum umfasst viele Stadtteile und ruhige Wohnlagen, die betroffen waren. Zu den „sensibelsten Zeiten“ wären tausende LKWs durchgebrettert. Frühmorgens und spätabends wäre Ware umgeladen worden – Lärm und Dreck statt Naherholung. Eine Schreckensvision für Jenkner, die ihn nicht schlafen ließ.

„Wir haben 1000 Unterschriften gesammelt, trotzdem hat die Mehrheit im Rat damals für den Container-Umschlagplatz gestimmt“, erinnert er sich. Nach einigem Hin und Her und zusätzlichem Druck der Bahn wurde klar, „das wird ein längerer Protest“, und so gründeten die Anwohner 1987 den Verein. „Rettet unser Naherholungsgebiet Eller Forst/Unterbacher See“. Noch heute ist Wolf Jenkner der Vorsitzende. Es gab großen Zuspruch: „Wir hatten ein ganz breites Bündnis aus allen Fraktionen“, erinnert sich der Vorsitzende, das habe die Initiative stark gemacht.

Ihre Stärke zeigten sie mittels Taten: Bevor die Bahngesellschaft das Projekt im Rathaus vorstellen konnte, organisierte der Verein einen eigenen Container-Umschlagplatz auf dem Marktplatz. Riesige Kästen aus Sperrholz präsentierte man mit lautstarkem Protest vor dem Rathaus. „Das hat beeindruckt“, sagt Jenkner. Aktionen wie solche hätten zwar nicht die Meinung im Rat kippen können, aber die städtischen Vertreter dazu bewegt, vorab ein umwelterträgliches Gutachten erstellen zu lassen. Jenkner: „Damit hatten wir die Oberhand.“ Das Gutachten ergab: Die Lärmbelästigung sei unerträglich für das Gebiet, die Gefahrgüter ein zu hohes Risiko für die Natur. 1994, Jahre später, verkündete die Bahngesellschaft überraschend den Verzicht auf den Platz im Rat.

Aber auch andere Projekte gefährdeten die Natur: So sollte Anfang der 90er eine Transrapid-Strecke zwischen Bonn und Essen durch das Gebiet gehen. Erneuter Protest: Der Verein bastelte einen großen Lindwurm und zog durch die Stadt. Auch der ehemalige Oberbürgermeister Joachim Erwin beschäftigte den Verein, denn der Elbsee sollte „plötzlich“ entgegen der Pläne auf einem größeren Stück ausgekiest und eben nicht renaturiert werden. „Wir waren fürs Grobe da, da mussten wir ran“. Jenkner und sein Verein organisierten wieder Veranstaltungen und drohten damit, mit allen Mitteln bis zur letzten gerichtlichen Instanz zu gehen. „Das hat Erwin abgeschreckt“, davon ist Jenkner überzeugt.

Die Drohung hätte der Verein mit dem Geld umgesetzt, das über die zahlreichen Veranstaltungen gesammelt wurde. Wie der Baumpflanzaktion: Für zehn Mark konnten die Anwohner an der Böschung, wo der Umschlagplatz entstehen sollte, einen Sprössling pflanzen. Jenkner resümiert: „Wir haben alles erreicht, was wir wollten“. Er blickt gerne zurück und sieht, wenn er aus dem Ruheraum auf die Bäume schaut, dass es sich gelohnt hat. Mittlerweile sind die Bäume richtig groß geworden.

Der Verein feiert sein 30-jähriges Bestehen mit einem großen Fest am Nachmittag des 17. Junis, Peters Biergarten, Am Kleinforst 275 (Südseite, erreichbar über Eller).

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