Streit

Der Kampf um die Gaslaterne

Foto: WNM

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Das idyllische Blumenviertel in Stockum leuchtet jede Nacht im schummrigen Licht. Man fühlt sich fast Jahrzehnte zurückversetzt, wenn plötzlich die Glühstrümpfe in den historischen Altdüsseldorfer Gasleuchten brennen und gelbliche Lichtkegel aufs Pflaster werfen.

Die meisten Anwohner mögen es - die alten Laternen gehören einfach zu ihrem Viertel zwischen Amsterdamer-, Enzian- und Begonienstraße. Jetzt aber kommt Unruhe in dem sonst so stillen Quartier auf, drohen einige Bewohner gar, sich notfalls an eine Gaslaterne anzuketten.

Aufgeschreckt durch Bauarbeiter, die die Gehwege aufrissen, erfuhren sie, dass die Laternen mit sparsamen Leuchtstoffröhren ausgestattet werden. Das Gas wird abgestellt. Die Stadt rüstet nicht nur dort nach. An der Wildenbruchstraße in Oberkassel hat sie bereits auf Leuchtdioden umgestellt. Auch dort gab es Proteste. Und im Viertel rund um den Toni-Turek-Platz in Unterrath formiert sich gerade eine Gruppe, die für ihre Gaslaternen kämpfen will. Die stammen aus den 20-er Jahren, stehen nicht unter Denkmalschutz und sollen, so wird befürchtet, abgerissen werden.

„Die Bürger müssen

informiert werden”

Rund 10 000 Gaslaternen werden langfristig abgebaut, die meisten der über 4000 historischen Leuchten „nur” umgerüstet. Im städtischen Verkehrsmanagement sind jetzt 1500 Gaslaternen aufgelistet, die bis 2012 umgestellt werden. Es werden also wohl noch mehr Bürgerinitiativen entstehen, die sich schützend vor die Masten stellen wollen. Offenbar hat die Stadtverwaltung unterschätzt, wie sehr viele Düsseldorfer die alte Leuchte vor ihrer Haustür schätzen.

Dabei müssen die Ratsfraktionen, als sie im Vorjahr einmütig beschlossen, Gas- und Stromlaternen auf stromsparende Leuchten (vor allem LED) umzurüsten, schon geahnt haben, wie sensibel Anwohner auf dieses Thema reagieren könnten. Gerade „um Irritationen” zu verhindern, „sollten die Anwohner informiert werden”, betont CDU-Ratsherr Rüdiger Gutt. Günter-Karen Jungen (Grüne) erinnert daran, dass die Politik dafür votierte, „die Bürger im Prozess mit einzubeziehen.”

Doch auf der Amsterdamer Straße und Begonienstraße fühlt man sich regelrecht verschaukelt. „Das wird hier klammheimlich gemacht”, schimpft Anwohner Michael Wolter. „Ich möchte aber keine Flutlichtlampe vor meinem Fenster haben.” Erst auf Nachfrage im OB-Büro habe er von der Umrüstung erfahren. Jetzt sammeln die Nachbarn Unterschriften. „Wir schreiben einen offenen Brief an den OB. Und ich will vor der Kommunalwahl eine Antwort”, so Bärbel Schumacher.

Die Stadt muss mit den Anwohnern sprechen, findet FDP-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus. Bei Umrüstungen auf Straßen müsse stets darauf geachtet werden, „dass der typische Charakter erhalten bleibt.”Am „ehrgeizigen Ziel”, mit der Umstellung einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten „müssen wir aber weiter festhalten”, ergänzt der SPD-Ratsherr Peter Hansen.

Leuchtdioden

im Glühstrumpf

Für die Stadtwerke sind Ästhetik und Ökologie kein Widerspruch. Die Laternen auf der Amsterdamer Straße sollen in Zukunft in einem ähnlichen Farbton leuchten. „Darauf achten wir”, so Sprecher Juan Cava-Marin. Und auf der Lippestraße steht gar eine historische Laterne, wo die gelblich strahlenden Leuchtdioden unter dem Glühstrumpf versteckt sind. Ein Laie erkennt den Unterschied nicht mehr.

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