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Der Ur-Vater des Düsseldorfer Krimis

Foto: UWE SCHAFFMEISTER

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Aufregung in der Landeshauptstadt: Morde in der größten japanischen Gemeinde Deutschlands – das könnte schließlich das Image der Stadt beschädigen. Kommissar Vitus H. Benedict fährt im alten Jaguar aus seiner Garage gegenüber vom Polizeipräsidium zum Einsatz.

Aber Benedict kann den Mord vor einem Hotel an der Immermannstraße nur mit Hilfe eines geheimnisvollen japanischen Kollegen klären. Das war 1988 – da erscheint mit „Ein fremder Tod“ der Urvater aller Düsseldorf-Krimis. Autor Peter Schrenk hat seinen eigenwilligen Kommissar mittlerweile in sechs Krimis entwickelt, alle spielen in Düsseldorf. Der heute 65-jährige Schrenk hängt mit seinen jetzt neu aufgelegten Romanen locker alle eckigen Heimat-Krimis ab.

Im neuesten Werk „Fetter Sand“ hilft Kollege Gernot Ganser von Düsseldorf aus seinem Chef aus der Ferne - denn Benedict ist in Kuba, kommt dabei auch in die Nähe des berüchtigten Straflagers der USA, Guantanamo. „Fetter Sand” mit fast 600 Seiten erregte Aufsehen – schließlich hatte Schrenk zehn Jahre lang kein Buch mehr vorgelegt.

Er ist aber keineswegs müde geworden. Auch wenn er auf ein sehr turbulentes Leben zurückschaut: Er hat in Frankfurt gelebt, „da hat mich immer der Gegensatz von Geist und Geld fasziniert.“ Am Main hat er auch eine Schauspielausbildung abgeschlossen. „Frankfurt habe ich mir dann als junger Mann bei Demos erlaufen, und mit Daniel Cohn-Bendit in einer Zelle gesessen.“ Schrenk landete schließlich bei der Wirtschaftsforschung: „Erbsenzählerei. Aber ich konnte trockene Zahlen zu einem lebendigen Wirtschaftsbericht verarbeiten“ - und so geriet er ins Marketing. Hat aber auch 1993 Frank Sinatra als Chauffeur bei dessen Abschiedstournee in Deutschland von Konzert zu Konzert gefahren. Und dabei Sinatras Gesang auf dem Rücksitz genossen, meint er lachend. Und wirkt dabei mit rotem Pullunder und karierten Jackett eher wie ein netter älterer Angestellter. Und nicht der Erfinder von Mord und Totschlag und Verrat.

In „Ein fremder Tod“ blickt der Leser ein wenig hinter die Kulissen der japanischen Lokale und Vereine, hinter deren Fassade vieles für Europäer rätselhaft bleibt. „Das Buch hatte eine Startauflage von 30 000, das war sensationell für einen Krimi“, erinnert sich der Wahl-Düsseldorfer. Sein zweiter Roman „Ohne Obligo“ ist heute hoch aktuell – wenn auch 1989 erstmals erschienen: Banken, fragwürdige Provisionspraktiken, Pleiten, Betrug ...

Sein Kommissar entwickelt sich von Buch zu Buch mehr zu einer Figur, Schrenk kann Charaktere zeichnen, wie es sich für einen Roman gehört. „Sind das etwa keine Romane?“ fragt Schrenk und stöhnt wie alle Kenner darüber, das gute Kriminalromane hierzulande keine Literatur sind, auf Schicki-Micki Partys, auf denen von Bestseller-Listen geredet wird, nicht en vogue sind.

„Der Eintritt in die Verlagswelt geht nur über Kinderbücher oder Krimis“, blickt er leicht verbittert zurück. Ab seinem fünften Buch „Sangers Tod“, das in Düsseldorf und in Berlin kurz vor der Wende spielt, suchte er einen anderen Verlag. Und Verlage schätzen keine Aufmüpfigkeit, soviel ist aus seinen Worten deutlich herauszuhören. Es folgte eine lange Schreib-Pause.

Wenn Schrenk einmal angestoßen wird, dann sprudeln die Anekdoten aus einem reichen Leben. Er hat Pressetexte verfasst für die Toilettenfrau, die sogar einen Teil ihres Gehalts für eine Schule in Ghana sammelt (die NRZ stellte Harriet Bruce-Annan vor), der Erfinder von Geschichten menschlicher Abgründe arbeitete für den Bund katholischer Unternehmer, und war allein dreimal zur Recherche in Kuba für sein Buch „Fetter Sand”.

Dessen Umschläge und die Titelgrafiken hat übrigens Thomas Bernhard gestaltet, bekannt von der „Geschichtswerkstatt”. Inzwischen sind mit dieser Aufmachung alle sechs Bücher noch einmal erschienen – im kleinen Verlag Shaker-Media in Aachen. Leider mit einigen Druckfehlern. „Ich musste die 600 Seiten ganz allein auf Fehler lesen“, stöhnt Schrenk heute noch, entschuldigend, über die Arbeit.

Sein nächster Roman wird in die Vergangenheit Düsseldorfs führen, sagt er mit listig zusammengekniffenen Augen und deutet auf einen dicken Ordner mit Material: Es geht um die Enteignung von jüdischen Geschäften nach 1933, um jene, die sich bei angeblichen Versteigerungen Vermögen aneigneten. „Dann werde ich wieder krank werden beim Schreiben, alle Kontakte abbrechen,“ beschreibt er die aufreibende Arbeit des Schriftstellers. Auch wenn er Krimis schreibt.

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