Biertrinker

Düsseldorfer lassen Bier Alt aussehen

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Der Altbierdurst der Düsseldorfer lässt allmählich nach. Ingesamt trinken immer weniger Bier in der Landeshauptstadt.

Die Düsseldorfer trinken sehr gerne Bier. Schließlich leben sie in Deutschlands Bierland Nummer eins: NRW ist nämlich das Land mit dem höchsten Bierkonsum deutschlandweit. Allein im vergangenen Jahr haben die Düsseldorfer 637 000 Hektoliter Bier getrunken, teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erst kürzlich mit. Pro Kopf hat demnach ein Düsseldorfer – das sagt die Statistik des NGG ebenfalls aus – 104 Liter getrunken. Dennoch, wie das NRZ-Bürgerbarometer aufzeigt, trinken immer weniger Düsseldorfer Bier – darunter auch immer weniger Altbier. Heute trinken laut Bürgerbarometer nur noch 44 Prozent aller befragten Düsseldorfer Altbier.

Rückgang um fünf Prozentpunkte

Das ist ein Rückgang um fünf Prozentpunkte zum Jahr 2011. „Das kann an einem gesellschaftlichen Wandel liegen. Die Menschen sind womöglich gesundheitsbewusster und achten darauf, wann und wie viel sie trinken“, sagt Sascha Brunow, Braumeister der Schumacher Brauerei. Wie die Befragung weiter offenlegt, trinkt ein Viertel der Befragten kein Bier, dafür genießen sie immer öfter andere Biersorten wie Weizen oder Biermischgetränke.

„Bei vielen passt das Bierchen nicht mehr in den Alltag, weil viele das nicht mehr mit der Arbeit vereinbaren oder es sich nicht mehr leisten können. Das ist schade, denn so geht auch rheinische Kultur verloren“, sagt Brunow. Der Braumeister denkt aber, dass der generelle Rückgang an Biertrinkern sich bald wieder abschwächt. Seit zehn Jahren hat sich nicht nur der Pro-Kopf-Verbrauch deutlich reduziert, sondern auch die Absatzmengen, teilt der deutsche Brauer-Bund mit.

Zu Lasten der Beschäftigten

Auch die NGG, die sich für gerechte Löhne und Preise in der Bierbranche einsetzt, hofft, dass der Rückgang an Biertrinkern und vor allem an abgesetztem Gerstensaft sich bald wieder normalisiert. „Allein im Regierungsbezirk Düsseldorf haben wir 35 Brauereien. Wenn immer weniger Bier abgesetzt wird und die Bierpreise für die großen Marken weiter fallen, hat das langfristig auch Folgen für die Beschäftigten“, sagt NGG-Geschäftsführer Torsten Gebehart.

Das dürfte aber den gemeinen Düsseldorfer Biertrinker nicht weiter stören. Für den Angermunder Frank Borgmann, ein leidenschaftlicher Altbiertrinker, ist wichtig, dass der Altpreis in seiner Brauerei des Vertrauens nicht weiter steigt. „Ich trinke gerne süffiges Altbier, es muss aber bezahlbar bleiben. Wenn die Hausbrauereien zu teuer werden, muss ich auf andere Sorten oder Marken umsteigen.“

Frauen trinken deutlich weniger Bier als Männer

Obwohl im Norden die ein oder andere Kneipe (Schlüssel in Angermund) geschlossen hat, trinken laut Bürgerbarometer die Befragten aus dem Norden noch am meisten Altbier. Ähnlich sieht es im Osten der Stadt aus. Die meisten Nicht-Biertrinker und die wenigsten Altbiertrinker stammen von der linken Rheinseite. Das könnte daran liegen, dass linksrheinisch viele (zugezogene) Reiche wohnen, die eher Wein oder Champagne trinken.

Auffällig ist auch, dass die Altersgruppe 30 bis 39 am wenigsten Altbierdurst hat, hingegen die große Altersgruppe 40 bis 69 und die 20 bis 29-Jährigen am meisten Alt trinken. Weniger auffällig ist, dass Frauen deutlich weniger Bier und auch deutlich weniger Altbier trinken als Männer.

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