Wohnungslosigkeit

Diakonie fordert mehr Hilfe für wohnungslose Frauen

Isa Dickers, eine von vielen wohnungslosen Frauen, schaut aus dem "Kreativ-Bauwagen" der Diakonie in Düsseldorf.

Isa Dickers, eine von vielen wohnungslosen Frauen, schaut aus dem "Kreativ-Bauwagen" der Diakonie in Düsseldorf.

Foto: Roland Weihrauch

Düsseldorf.  Die Zahl an Hilfsbedürftigen stieg zuletzt stark an. Fast die Hälfte der Frauen ist Gewalt und sexuellen Übergriffen ausgesetzt.

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Nicht nur an Plätzen in Frauenhäusern fehlt es in Düsseldorf, auch Unterkünfte und Angebote für wohnungslose Frauen sind bis auf Ausnahmen Mangelware. „Und das, obwohl wir es hier mit besonders schutzbedürftigen Menschen zu tun haben“, erklärt Christian Heine-Göttelmann, Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe. Denn laut einer Studie der Hochschule Düsseldorf, die frauenspezifische Angebote der Wohnungslosenhilfe Diakonie in NRW untersuchte, haben rund 42 Prozent der wohnungslosen Frauen Gewalt und sexuellen Missbrauch erfahren. Beim Kirchenverband wird deshalb gefordert: „Wir brauchen dringend mehr Notübernachtungsstellen, Wohnhilfen und Beratungsangebote, die sich gezielt an Frauen richten“, so der Vorsitzende.

Tragische Schicksalsschläge sind oft der Auslöser

Insgesamt lebten im vergangenen Jahr in Düsseldorf 4933 Wohnungslose – mehr als doppelt soviel als im Jahr 2016. Davon werden 3601 Personen durch kommunale Angebote in Düsseldorf betreut, 1332 leben in Einrichtungen der freien Träger wie der Diakonie. Ein Drittel der Wohnungslosen in NRW sind laut Diakonie Frauen. Alleine im Zeitraum von 2016 auf 2017 gab es eine „explosionsartige Steigerung bei der Zahl wohnungsloser Frauen um 30 Prozent“, so Heine-Göttelmann.

Während gerade im ländlichen Raum spezifische Angebote fehlen, hat die Diakonie ihre Hilfen in Düsseldorf schon seit über 40 Jahren entsprechend gestaltet. Es gibt eine Beratungsstelle, eine Notübernachtungsstelle für 20 Frauen sowie eine stationäre Unterkunft mit 31 Plätzen An der Icklack 26. Demnächst kommen 20 weitere Plätze dort hinzu. „Frauen finden bei uns eine dauerhafte Unterkunft. Im Gegensatz zu Notfallsschlafstellen müssen sie tagsüber nicht ihr Zimmer verlassen, die Frauen können hier rund 24 Monate bleiben, in Notfällen auch länger. In der Zeit bieten wir ihnen Beratung und helfen bei der Wohnungssuche“, sagt Stefanie Volkenandt, Leiterin der Stelle „Icklack – Wohnen für Frauen“.

In Düsseldorf sind kaum günstige Wohnungen zu finden

Dass Wohnungslosigkeit oft das Ergebnis tragischer Schicksalsschlägen ist, liegt auf der Hand: „Wohnungslosigkeit ist keine selbstgewählte Lebensform, hinter jedem Fall steckt eine persönliche Geschichte“, sagt Roland Meier, Vorstand des Evangelischen Fachverbands bei der Diakonie-Wohnungshilfe.

Psychische Erkrankungen, Gewalt und der Verlust des Lebensmittelpunkts zeichnen die Biografie vieler notleidender Frauen. Die Düsseldorferin Isa Dickers ist eine von ihnen. Früh verheiratet hat die 61-Jährige viel Gewalt und sexuelle Übergriffe in ihrem Leben erfahren: „Ich habe bei meinem Mann mehr Prügel als Essen gekriegt. Danach war jede Beziehung für mich erstmal gestört.“ Nach dem Tod ihrer Schwester kamen Depressionen, kurz darauf verlor sie ihre Wohnung, weil sie nicht mehr in der Lage war, fristgerecht Miete zu zahlen. „Ich landete direkt auf der Straße, aus der Wohnung konnte ich nichts mitnehmen“, sagt sie. In einer Notfallunterkunft mit Männern habe sie wegen ihrer Vergangenheit nicht schlafen wollen. Nach einem Suizidversuch landete sie dann in der Klinik – und dann zum Glück bei der Diakonie.

Seitdem wohnt Isa Dickers in einer Frauen-WG des Kirchenverbandes: „Ich habe wieder Stabilität in meinem Leben gefunden“, sagt sie. Doch die Wohnungssuche läuft schlecht – keine Besichtigungen, nur Absagen. „Sobald ich erwähne , dass ich in einer Einrichtung wohne, wird der Hörer aufgelegt“, so Dickers.

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