Religiöser Austausch

Dialog zwischen den Religionen in Düsseldorf wird gestärkt

Kunstfotograf Carsten Sander hat die verschiedenen Düsseldorfer Gotteshäuser abgelichtet.

Kunstfotograf Carsten Sander hat die verschiedenen Düsseldorfer Gotteshäuser abgelichtet.

Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.  Düsseldorf wird Vorzeigestadt: Karneval-Toleranzwagen, Religions-Rat und gemeinsame Projekte sorgen für ein religionsübergreifendes Miteinander.

Düsseldorf ist eine vielfältige und tolerante Stadt.

Religiöser Rat will politisches und gesellschaftliches Geschehen kommentieren

Deutschlandweit fährt in der Rheinmetropole der erste und einzige Toleranzwagen mit allen drei westlichen großen Religionen im Rosenmontagszug mit. Zudem soll bis zum Sommer der „Rat der Religionen“ in Düsseldorf an den Start gehen. „Der Rat ist eine zusätzliche moralischen Instanz in Düsseldorf, die sich am politischen und gesellschaftlichen Diskurs in der Stadt beteiligen wird“, so Michael Szentei-Heise, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Gestern wurde der Dialog zwischen den Religionen in Düsseldorf weiter gestärkt – mit einem Fotokalender des mehrfach ausgezeichneten Künstlers Carsten Sander, der mit seinen Motiven die Vielfalt und Gemeinsamkeiten der Gotteshäuser in der Landeshauptstadt hervorhebt.

Viele Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen

Der Kalender mit dem Titel „In Ewigkeit“ zeigt 13 Motive, darunter die Andreaskirche, die VIKZ-Moschee und die Jüdische Gemeinde Düsseldorf. Aber auch weniger bekannte Gemeinde sind vertreten: etwa die New Life Church in Flingern, der Buddhistische EK-Tempel in Niederkassel und die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Reisholz. „Es geht nicht um Architektur-Fotos. Immer sind auf den Motiven Menschen zu sehen, die sich gemeinsam versammelt haben“, so Pater Elias Füllenbach vom Dominikanerkloster St.Josef. Auf den Fotografien werden dadurch auch die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen deutlich: „Menschen treffen sich, um den Trubel der Stadt hinter sich zu lassen“, ist Füllenbach überzeugt. Auch Fotograf und Künstler Carsten Sander sieht Gemeinsamkeiten: „Während der Arbeiten ist mir aufgefallen, dass alle dargestellten Religionen dasselbe möchten und auch denselben Sinn im Blick haben“.

Steigende Diskriminierung beobachtet

Die Idee zu dem interreligiösen Projekt kam Dalinc Dereköy, Vorsitzender des Kreises der Düsseldorfer Muslime. Religionen erfüllen seiner Meinung nach eine wichtige Aufgabe: „Religionen können eine Antwort auf die Frage geben, warum wir hier sind. Der darin gefundene Sinn ist eine individuelle Sache und das sollte von anderen auch akzeptiert werden.“ Dieser Grundsatz gelte nicht nur für die Akzeptanz zwischen den verschiedenen Religionsmitgliedern, sondern sollte auch von politischen Minderheiten eingefordert werden. „Wir beobachten einen zunehmenden Antisemitismus“, erklärt Szentei-Heise und verweist gleichzeitig auch auf eine zunehmende Islamophobie in der Gesellschaft. Deshalb seien interreligiöse Projekte wie der Kalender oder auch der geplante interreligiöse Staffellauf beim Düsseldorfer Marathon so wichtig. Denn sie zeigten, dass es viele Gemeinsamkeiten gäbe und der Diskurs „meist von Minderheiten gestört werde, die die Mehrheit in keiner Weise repräsentierten“, so Dereköy.

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