Dokumentarfilm

Doku über schwules Paar: Die Ehe der Herren Schultze

Von Antonius van Iersel (links) und Kurt Schultzes Leben handelt der Film

Foto: Katharina Gilles

Von Antonius van Iersel (links) und Kurt Schultzes Leben handelt der Film Foto: Katharina Gilles

Düsseldorf.   Fotograf Moritz Leick porträtiert mit einem Dokumentarfilm ein schwules Paar. Die beiden sind seit 42 Jahren zusammen.

Gemütlich mutet sie an, die Wohnung in Oberkassel. Gemälde zieren die Wände, an denen kaum ein freier Platz ist. An einem runden Kaffeetisch sitzen Kurt Schultze und Antonius van Iersel, genannt Toon, zufrieden zusammen. Die beiden Männer sind seit 1975 zusammen, seit 2007 verpartnert. Glücklich sind sie immer noch wie am ersten Tag. Und beide sind nun doch auch irgendwie kleine Filmstars. Das Leben der beiden wird im 45-minütigen Dokumentarfilm „Die Ehe der Herren Schultze“ von Moritz Leick porträtiert.

Der 30-jährige Düsseldorfer ist ausgebildeter Fotograf und Filmemacher. Seinen Bachelor-Abschluss in Kommunikationsdesign hat er mit diesem Herzensprojekt abgeschlossen. Er und der 82-Jährige van Iersel kennen sich von den Dolphins, Düsseldorfs schwul-lesbischen Schwimmverein. Für deren Kalender hat Leick ein Foto von van Iersel gemacht, über Jahre ist eine Freundschaft entstanden – und schnell merkte Leick auch, dass er da eine Geschichte gibt, die man erzählen muss. Und mit Unterstützung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld konnte das Filmprojekt in die Tat umgesetzt werden.

Bestraft nach dem Paragrafen

Dabei war es nicht immer einfach. Denn die beiden mussten gegen eine Ungerechtigkeit kämpfen, die Schultze widerfahren ist: dem Paragrafen 175 (in Österreich Paragraf 209). Nach diesem Paragrafen wurden Homosexuelle strafrechtlich verfolgt. Schultze ist einer von über 140 000 Männern.

1961 wollte der heute 79-Jährige in Wien ein Semester Medizin studieren. Schon am zweiten Tag lernte er einen jungen Mann kennen, die beiden zogen sich auf eine Toilette zurück, tauschten Zärtlichkeiten aus – bis die Polizei an der Tür klopfte und über die Kabine spähte. Schultze musste für 35 Tage in Haft. Ein Ereignis, das ihn bis heute prägt – und von dem er nicht gerne spricht.

Verfolgte Männer und das Leid bis heute

„Männer, die nach diesem Paragrafen verfolgt wurden, leiden noch heute dadrunter und es wird nicht darüber gesprochen“, so Moritz Leick. Diese Bestrafung hat weitreichende Folgen.

Auch das musste Schultze leidvoll erfahren. Als er sich später auf eine Stelle in einem Krankenhaus bewirbt, wird er abgelehnt, „wegen meines Lebenswandels“. „Das Krankenhaus konnte uneingeschränkte Auskunft verlangen – und so wurde ihnen auch die Sache aus Wien mitgeteilt“, so der Rentner. „Das ist ein massives Trauma für mich“, gesteht er und muss mit den Tränen kämpfen.

Schultze darf die Akte einsehen

Dass die Bestrafung ihn verfolgt, wird immer wieder deutlich. „Wenn ich irgendwo übernachten soll, wo nur ein kleines Fensterchen oben ist – das geht für mich nicht.“ Umso bewegender war für den 79-Jährigen und seinen Mann auch die Reise nach Wien für den Film.

Denn Schultze konnte dort die Akte einsehen. 72 Seiten. Ein schwerer Moment. Doch er gesteht: „Als die Akte dann zuging, war es auch so, als hätte ich mein Leben – oder zumindest einen Abschnitt davon – abgeschlossen.“

Mit Tränen in den Augen

„Wir können dankbar sein, dass wir jetzt so frei leben können. Es ist Wahnsinn, was für eine Verachtung und auch Missachtung einem früher entgegen gebracht wurde“, findet van Iersel. Für Filmemacher Moritz Leick ebenfalls ein ergreifender Moment – auch noch im Nachhinein. „Selbst beim Schneiden des Films hatte ich da wirklich Pippi in den Augen.“

Bereits Anfang Februar wurde der Film in der „Black Box“ in seiner Abschlusspräsentation gezeigt. Leick hofft nun, das Werk noch woanders zeigen zu können.

>> WORKSHOP FÜR DAS ZUKÜNFTIGE MAHNMAL

In Düsseldorf soll ein Mahnmal an die Verfolgung Homosexueller erinnern. Die Mahn- und Gedenkstätte und das „Forum Düsseldorfer Lesben-, Schwulen- und Trans-Gruppen“ laden zu einem offenen Werkstatt-Tag in die Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, ein. Am Samstag, 10. März, 11 bis 17 Uhr, sollen die Teilnehmer ihre Vorstellungen zu einem Gedenkort austauschen, an dem der während der NS-Herrschaft und in der Nachkriegszeit verfolgten Homosexuellen gedacht werden soll.

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung bis zum 9. März unter 0211/8996205 oder nicole.merten@duesseldorf.de.

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