Soziales

Die stillen Stifter

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Früher, sagt der Unternehmer Erich Bethe, habe er immer nur für den Profit gearbeitet. Ein Manager ist er auch heute noch, ergebnisorientiert und realistisch. Keineswegs ein Sozialromantiker. Nur die Ziele des 69-Jährigen haben sich grundlegend geändert.

Denn seit zwölf Jahren lässt er sein stattliches Vermögen in einer Stiftung arbeiten und unterstützt damit todkranke und misshandelte Kinder. „Denn die”, so sagt er nüchtern, „haben es besonders nötig.”

Roswitha und Erich Bethe können sich alles leisten, wovon andere nur träumen. Aber das interessiert sie nicht. „Wir legen keinen Wert auf Luxus”, sagt das Ehepaar, das sich vor zwölf Jahren zu einem radikalen Schritt entschloss und die eigene „Bethe-Stiftung” gründete.

Sie wird heute zu den größten Sozialstiftungen in Deutschland gerechnet. Es sei äußerst ungewöhnlich, dass sich die Stifter zu Lebzeiten von einem so großen Teil ihres Privatvermögens trennen, bestätigt Rechtsanwalt Markus Heuel vom Deutschen Stiftungszentrum (Essen), wo die Stiftung betreut wird. Trotz Finanzkrise schüttet sie jährlich Beträge in Millionenhöhe aus. Geld, das sinnvoll und segensreich wirkt und zugleich andere anstiftet, dem guten Beispiel zu folgen.

Vor allem im Kinderhospiz Regenbogenland wurden die Bethes zum Retter in der Not. Das Haus sei eine Zeit lang ihr Sorgenkind gewesen, räumen die Bethes ein: „Aber die Arbeit mit den Kindern, ihren Geschwistern und Eltern war immer hervorragend.”

Die Eheleute treten nur ungern ins Licht der Öffentlichkeit. Erich Bethe, gelernter Industriekaufmann, hat als Unternehmer viel Geld verdient. Roswitha Bethe, Grundschullehrerin, hat soeben ihren Magister in Sinologie (Chinakunde) gemacht. Die beiden Kinder sind erwachsen.

Sein beträchtliches Vermögen will das Ehepaar „nicht wie üblich” einfach vererben. „Wir wollten etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit tun. Denn mit ins Grab nehmen kann man nichts.” So wurde mit ihrer Hilfe in Olpe das erste Kinderhospiz gegründet. Andere folgten, auch das Regenbogenland in Düsseldorf. Das jüngste Haus für die schwer kranken Kinder entstand gerade in Erfurt. So steht der Name Bethe heute für die Kinderhospiz-Bewegung in Deutschland. „Und wir sind längst zu Spezialisten geworden”, schmunzelt Erich Bethe und berichtet, dass soeben in Düsseldorf die „Bundesstiftung Kinderhospiz” gegründet wurde.

Geschick und Erfahrung beim Handel mit Hotelimmobilien kommen dem Geschäftsmann heute zugute. Denn: „Als Stifter nur Geld verteilen, das ist nicht unsere Art. Wir kontrollieren die Projekte, schauen uns die Therapien der Kinder genau an und prüfen die Zahlen.”

Eine Idee, auf die beide stolz sind, ist die Verdoppelungs-Aktion: „Dabei verdoppeln wir jede Spende von anderen, und sei sie noch so klein.” Auch viele gefährdete Projekte wurden mit ihrer Hilfe gerettet. „Wenn sinnvolle Einrichtungen keine öffentliche Unterstützung mehr erhalten, schalten wir uns ein.” So wurde Bethe zum Profi beim Kampf gegen Ablehnungsbescheide. In manchen Amtsstuben ist er heute deshalb gefürchtet.

Schwerpunkt der Bethe-Förderung sind 160 Projekte für Kinder, die seelische oder körperliche Gewalt erfahren mussten. Auch Düsseldorfer Initiativen profitieren davon. „Mit Vorliebe unterstützen wir kleine Einrichtungen, die kaum eine Lobby haben.”

Der Unternehmer, der im Berufsleben knallhart verhandeln konnte, freut sich heute ganz besonders über die Begegnung mit Ehrenamtlern, weil sie „so angenehme Gesprächspartner” sind.

Unvermeidlich: das Bundesverdienstkreuz. Das hat er längst, und das hängt, umrahmt von einem Kunstobjekt, im Foyer seines Hotels „Art Fabrik” in Wuppertal an der Wand. Die Bethes bauten dort ein riesiges Fabrikgebäude der Familie Engels, in dem vor 150 Jahren Metall-Ösen gefertigt wurden, zu einem ungewöhnlichen Hotel um. 30 Künstler haben einen Teil der Zimmer gestaltet, jedes ist ein Unikat. Natürlich gibt es auch eines, in dem das „Kapital” auf dem Nachttisch liegt. Denn Friedrich Engels, der an der Fabrik mit zehn Prozent beteiligt war, hat mit dem Geld großzügig seinen Freund Karl Marx unterstützt.

„Genau genommen wurde mit dieser Fabrik der Weltkommunismus finanziert”, sagt Bethe. Auch dieses Kunst- und Übernachtungshaus ist zum wichtigsten Zentrum der Hospiz-Bewegung geworden. Denn für die Ehrenamtler sind die Tagungsräume kostenlos. Und die Erlöse aus Hotelbetrieb und Kunstverkäufen fließen direkt nach Düsseldorf - ins Regenbogenland.

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