Gefängnisseelsorge

Dominikaner Pater Wolfgang verlässt den Knast in Düsseldorf

Wolfgang Sieffert ist Mitglied der Dominikaner  und über 30 Jahre in der Gefängnisseelsorge tätig. Jetzt hört der Pater auf.

Wolfgang Sieffert ist Mitglied der Dominikaner  und über 30 Jahre in der Gefängnisseelsorge tätig. Jetzt hört der Pater auf.

Foto: Pascal Conrads / NRZ

Die JVA Düsseldorf zu verlassen, fällt dem Pater nicht leicht. Doch er kritisiert die zunehmende Bürokratie und hört deshalb im Gefängnis auf.

Viele Jahre hat er im Gefängnis verbracht – über 32, wenn man den Anfang in Westfalen mitzählt. Jetzt will er die Zeit hinter Gittern abschließen: Wolfgang Sieffert arbeitete über 29 Jahre als Gefängnisseelsorger in der Ulmer Höh’, so nennt er die JVA Düsseldorf noch immer. Er freut sich schon auf ein Leben in der Freiheit.

In den vergangenen Jahren hat sich die Arbeit im Gefängnis stark verändert, erzählt der Dominikaner-Pater: „Ich finde es ja generell gesetzeswidrig, dass da Leute inhaftiert sind, die klar resozialisiert werden sollen, ohne gleichzeitig genug Personal zur Resozialisierung zu stellen.“ Der Geistliche kritisiert, dass viele Gefangene nichts zu tun haben. „Es gibt nicht genug Arbeit im Knast und es gibt nicht genug Schulungsangebote“, sagt er. So habe ein Insasse versucht, sich für einen Deutsch-Alphabetisierungskurs anzumelden, um überhaupt irgendetwas machen zu können. Die Anmeldung wurde abgelehnt, der Mann ist überqualifiziert: Deutsch-Muttersprachler mit Hochschulabschluss.

Zu viele Gefangene – zu wenig Mitarbeiter in Düsseldorf

Auch die Bürokratie habe in den Haftanstalten zugenommen „Ich muss immer mehr über Knackis schreiben, die ich immer weniger kenne“, resümiert Sieffert. „Oft weiß man gar nicht mehr, was hinter der Zellentür passiert.“ Und so gehe es nicht nur mit den Insassen, sondern auch den Wärtern. „Je größer so ein Knast ist, desto weniger kriege ich die Resonanz auch von den Wärtern mit.“ Deswegen hört der Düsseldorfer auf.

Vor zwei Wochen hatte der Dominikaner seinen letzten Sonntagsgottesdienst: „Der Sonntag gefällt mir immer am besten, weil ich da meinen normalen Knast habe-Die Gefängnisleitung ist dann nicht im Haus.“ Wolfgang Sieffert ist nicht der Typ für eine Kanzel. Er legt viel Wert auf Augenhöhe, mag die direkte Ansprache – und er mag Menschen.

Der Gefängnisalltag ermöglicht ihm immer weniger, mit Menschen, die auf diese Art der Hilfe angewiesen sind, in Kontakt zu treten. Es gibt schlicht zu wenig Beamte, um die Vollzugsinsassen zu den Angeboten zu bringen. „Wir brauchen andere Strukturen im Knast und wir brauchen mehr Stellen, nicht nur drei oder vier, sondern 30 bis 40 Stellen mehr“, sagt der mittlerweile 61-Jährige.

Eigentlich Naturwissenschaftler

Pater Wolfgang wollte eigentlich immer Naturwissenschaftler werden, schnell promovieren in Pharmazie, weil das dort schneller gehe als in Chemie. Als er schon während seiner Wehrpflicht noch den Dienst verweigerte. Während des Studiums war er dann sehr aktiv in den Pfadfindergruppen, fuhr nach England und lernte dort einen alten Dominikaner kennen. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er ein halbes Jahr später dem Orden beitrat.

„Die Dominikaner überraschten mich mit ihrer Offenheit und den demokratischen Grundsätzen. Es gibt auch eine hohe Wertschätzung der Individualität.“ Trotzdem bliebe die Gemeinschaft auch wichtig. Der Konvent an der Andreasstraße ist für den Pater eine Familie.

Erholung in Israel

Doch jetzt sei er ziemlich erschöpft, meint er, freue sich auf drei Monate in einem französischsprachigem Konvent in Israel. Von seinem Prior, dem Vorsitzenden des Konvents, wurde er dazu angehalten, die Zeit zur Erholung zu nutzen. Sieffert hofft, das auch durchhalten zu können. Denn vor Jahren war er auch beruflich in Israel unterwegs. Seine alten Kontakte versucht er möglichst nicht wieder aufleben zu lassen, um nicht wieder für Etwas verantwortlich zu sein.

Wenn der Geistliche kurz vor Weihnachten zurück nach Düsseldorf kommt, wird er sich der Armenküche und der Gemeindearbeit widmen. Er freut sich auf mögliche Taufen, die vielleicht vor ihm liegen. „Taufen sind schöner als Hochzeiten. Bei Taufen sind alle entspannt. Bei Hochzeiten muss immer alles hollywoodreif sein, alle sind angespannt.“

Altstadt ist seine Heimat

Mit der Gefängnisseelsorge, die Gefangenenzeitung „Ulmer Echo“ und auch mit dem katholischen Gefängnisverein wird Sieffert dann abgeschlossen haben. Froh ist er aber, in Düsseldorf, in der Altstadt bei den Dominikanern zu bleiben. „Das ist meine Heimat, das ist mein zu Hause. Hier will ich nicht weg“, sagt der Pater mit drückender Stimme.

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