Ausbildung

Düsseldorf hat das erste Azubi-Wohnheim weit und breit

Die Kartons müssen noch ausgepackt werden. Robert Tarlinski (19) in seiner Azubi-Bude an der Dorotheenstraße.

Die Kartons müssen noch ausgepackt werden. Robert Tarlinski (19) in seiner Azubi-Bude an der Dorotheenstraße.

Foto: Stephan Wappner

Düsseldorf.   Start eines Großprojekts in der NRW-Landeshauptstadt: Im Stadtteil Flingern leben Lehrlinge aus dem Umland ab sofort in einer Wohngemeinschaft.

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Robert Tarlinski sitzt in seinem WG-Zimmer auf dem Bett. Neben dem 19-Jährigen stehen Umzugskartons, nicht viele, aber immerhin so viele, dass es fürs Erste reichen muss. Der Velberter beginnt heute beim Benrather Antriebstechnik-Unternehmen Walther Flender seine Ausbildung zum Technischen Produktdesigner. Drei Jahre dauert die Lehre, und drei Jahre wird Tarlinski seine kleine Wohnung auf der dritten Etage in dem Haus an der Dorotheenstraße 39 haben. „Ich bin sehr froh, dass das hier geklappt hat“, sagt der junge Mann. „Es war nicht leicht. Ich habe im Vorfeld viele Telefonate geführt und E-Mails verschickt.“

200 Einheiten sollen in den nächsten Jahren entstehen

Tarlinski ist Teil eines Düsseldorfer Projekts mit Vorbildcharakter für ganz NRW und weit darüber hinaus. Die Stadt hat das erste Wohnheim für Auszubildende geschaffen, in nur kurzer Zeit sind an der Dorotheenstraße in Flingern – direkt über dem städtischen Kinderspielhaus – zwölf Wohneinheiten entstanden. Die Mieten sind günstig, 250 Euro (warm), die Zimmer mit 12 bis 18 Quadratmeter zwar nicht groß, aber es gibt Gemeinschaftsflächen, WG-Küchen, Abstellräume oder Nasszellen (Frauen und Männer getrennt).

Angesichts des drohenden Fachkräftemangels – in Düsseldorf sind aktuell 1600 Lehrstellen unbesetzt – sprach Axel Fuhrmann, Geschäftsführer der Handwerkskammer, von einem „positiven Signal“ und einem „guten Tag für die Unternehmen in der Stadt“. Berufliche Bildung dürfe keine Sonntagsveranstaltung sein, so Fuhrmann. „Bislang gab es in Düsseldorf rund 1000 Wohnungen für Studenten, null für Auszubildende, und das war ungerecht.“

Weitere Projekte in Heerdt und Mörsenbroich

Das Wohnheim in Flingern soll deshalb nur ein Startschuss für ein neues Düsseldofer Modell sein. In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen nach Willen von Stadtdirektor Burkhard Hintzsche bis zu 200 Wohneinheiten für Azubis entstehen. Die nächsten Projekte sind geplant an der Aldekerkstraße in Heerdt (Gebäude im Besitz der Stadt) und an der Ludwig-Beck-Straße in Mörsenbroich (Gebäude von der Stadt angemietet). „Wir können nicht davon ausgehen, dass die Mieten so niedrig wie in Flingern bleiben, aber sie werden nicht explodieren“, sagt Hintzsche.

Die Nachfrage ist jedenfalls groß. Für das Azubi-Wohnheim in Flingern gab es rund 150 Bewerbungen. Jetzt wohnen dort Tür an Tür eine angehende Hotelfachfrauen, ein Koch, eine Erzieherin, ein Automobilkaufmann und, und, und. 140 000 Euro haben Kernsanierung und Umbau der Einheiten gekostet. Vermieter ist das Jugendamt. „Dass das alles so schnell geklappt hat, nämlich innerhalb von nur zehn Wochen. ist toll“, so Jugendamtsleiter Johannes Horn. „Das ist sehr viel Schweiß geflossen.“ Die Mietverträge laufen so lange, wie die Ausbildung dauert. Wer in künftigen Wohneinheiten als Vermieter und/oder Investor in Erscheinung tritt, sei im Einzelfall zu klären, heißt es.

Wirtschaftsstandort wird langfristig profitieren

Vor drei Jahren wurde die Task Force mit Vertretern der Stadt, der Gewerkschaften und der Wirtschaft gegründet, um das Azubi-Wohnen in der Landeshauptstadt voranzutreiben. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Ausbildungsstellen nicht besetzt werden“, sagt Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft. Von diesem Projekt werde Düsseldorf als Wirtschaftsstandort daher langfristig profitieren. Zumal laut aktuellen Erhebungen rund die Hälfte aller Lehrlinge nicht aus Düsseldorf, sondern aus dem Umland kommen. „Bisher hatten Azubis, die von weiter her kamen, große Probleme, in Düsseldorf eine bezahlbare Wohnung zu finden“, sagt auch DGB-Regionsgeschäftsführerin Sigrid Wolf. Das werde sich jetzt entzerren. Dieses Projekt sei ein „gutes Beispiel dafür, was für positive Effekte es hat, wenn alle an einem Strang ziehen“.

Übrigens: Zum 1. September sind im Azubi-Wohnhaus für Nicht-Düsseldorfer an der Dorotheenstraße 39 vier weitere Einheiten bezugsfertig. Der zentrale Anlaufpunkt für alle Mietinteressenten (Angebot für Azubis von 18 bis 25 Jahre) ist das Jugendinformationszentrum „zeTT“, Willi-Becker-Allee 10 (Bertha-von-Suttner-Platz), 0211/89 22033, Mail: zett@duesseldorf.de.

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