„Düsseldorf ist geschmackssicher“

Nachmittags, im Café Kausal am Dorotheenplatz. Es ist ein Treffen im Nomen-est-Omen-Universum, denn die Bedeutung des Namens umschreibt das Arbeitsgebiet der Trendforscherin Andrea Grudda. Kausalität steht für die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Quasi ein Ort, passend wie der Bart zum Hipsterkinn, um mit ihr zwischen Müsli und Ingwertee über Ursache und Wirkung des Zeitgeist, die Befindlichkeit der Städte, den modernen Menschen und das Leben im allgemeinen zu sprechen. Die Autorin und Coach für Lifestyle-Thematik hat jetzt ein weiteres Aufgabengebiet übernommen. Sie arbeitet als Dozentin an der Europäischen Medien- und Business Akademie (EMBA) und unterrichtet das Studien-Modul Trendmanagement. Die Akademie ist ein Ableger der Uni Weimar und hat Dependancen in Hamburg, Berlin und Düsseldorf.

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Nachmittags, im Café Kausal am Dorotheenplatz. Es ist ein Treffen im Nomen-est-Omen-Universum, denn die Bedeutung des Namens umschreibt das Arbeitsgebiet der Trendforscherin Andrea Grudda. Kausalität steht für die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Quasi ein Ort, passend wie der Bart zum Hipsterkinn, um mit ihr zwischen Müsli und Ingwertee über Ursache und Wirkung des Zeitgeist, die Befindlichkeit der Städte, den modernen Menschen und das Leben im allgemeinen zu sprechen. Die Autorin und Coach für Lifestyle-Thematik hat jetzt ein weiteres Aufgabengebiet übernommen. Sie arbeitet als Dozentin an der Europäischen Medien- und Business Akademie (EMBA) und unterrichtet das Studien-Modul Trendmanagement. Die Akademie ist ein Ableger der Uni Weimar und hat Dependancen in Hamburg, Berlin und Düsseldorf.

Leben in Oberbilk

Ist die Trendforscherin eigentlich eine Trendsetterin? In Oberbilk wohnt Andrea Grudda seit Jahrzehnten. Also bereits, als es noch nicht als „Viertel mit kreativem Potential gehandelt“ wurde. Sie fühle sich dort, wie in einem Dorf, sagt sie. Ihre kleine, gemusterte Hündin Wilma gehört zu einer Rasse, die erst seit neuem als très chic angesehen wird. Die Böhler-Werke hat sie schon vor mehreren Jahren als alternativen Messeplatz vorgeschlagen – was von den Modemachern damals als unrealisierbarer Standort, weil viel zu weit entfert vom Fashion-Epizentrum, abgetan wurde. Inzwischen ist das Areal Böhler etabliert. Andrea Grudda wirkt wie eine Frau die den Ausweg findet, weil sie weiß, wo es lang geht. Sie ist eine, wo eins immer das erweiterte andere ergibt.

Sensibilisiert durch Weltreisen

Zunächst hatte die gebürtige Augsburgerin Ende der 1980er Jahre an einer Schauspielschule in New York studiert. Später folgte ein längerer Italien-Aufenthalt. Zurück in Deutschland erforderte die Finanzierung ihrer Theater-Produktionen Jobben in der Gastro. Die 46-Jährige gehört zu denen, die sensibilisiert durch viele Weltreisen, sehenden Auges durchs Leben geht. Grudda hat dabei ein feines Gespür für gesellschaftliche Schwingungen entwickelt. Seit sie acht Jahre alt ist, liest sie ständig, quer durch alle Genres. „Wenn man viele verschiedene Dinge aufgreift, viele verschiedene Sachen macht, bekommt man ein Gespür für die Zukunft“, benennt sie ihre These.

Ist Düsseldorf eine trendige Stadt? „Düsseldorf ist sehr gesettelt, wohlhabend und geschmackssicher“, lautet ihre Definition. Die Stadt sei vom Status her mit Frankfurt vergleichbar. Frankfurt habe die Banken, Düsseldorf den Modesektor. Und seit man hier wisse, dass man den mittleren DOB-Markt bediene, funktioniere auch alles. Natürlich empfindet sie Berlin als die spannendste Stadt der Republik, aber es sei eben auch spartenabhängig. „München hat eine Filmszene, Mannheim eine gute Musikszene“, fügt Andrea Grudda als Beispiele an. Aber die Saturiertheit Düsseldorfs habe auch Nachteile. „Wirtschaftliche Verknappung sorgt für Kreativität“ präzisiert sie ihre Gedanken.

Trendige Menschen sind gut vernetzt

Woran sind eigentlich trendige Menschen zu erkennen? Andrea Grudda wägt ihre Worte ab. Kurz. Hipster sein ist jedenfalls out. „Sie sind extrem gut vernetzt,“ führt sie als ersten Punkt an. Desweiteren hätten sie ihre Identität via Social Media und lebten dort ein idealisiertes Selbst. Mode sei Teil ihres Identitätsmanagements. Zur Zeit sei es schick, sich hässlich zu kleiden, beispielsweise alle Teile von einer Marke zu wählen. Wie definiert die Dozentin und Vortragshaltende denn ihre Kleidung? An diesem Nachmittag trägt sie eine schlichte hellblaue Bluse, deren Ärmel einer unsichtbaren Bügelfalte gleich längs geschlitzt sind.

Eher Kleidung als Mode

„Sie ist nicht aufregend aber mit viel Zeitgeist“. Aha. Und wie würde sie das beschreiben, was wir tragen? Einen Wimpernschlag lang ist zu sehen, wie sie in ihrem Kopf nach den passenden Worten greift. Dann sagt die Trend-Erkennerin gelassen: „Es ist eher Kleidung als Mode.“ Und wir, angezogen mit eingewohnter Jeans und langärmeligem T-Shirt ohne besondere Kennzeichen, tragen diese wohlwollende Definition mit Heiterkeit und großer Zustimmung.

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