Altweiber

Düsseldorf steht für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit

Venetia Jula schneidet Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel seine Kravatte ab.

Venetia Jula schneidet Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel seine Kravatte ab.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Im und am Rathaus wurde fröhlich gedisst, geschunkelt, getrunken. Und beim Zoch soll ein Zeichen für eine offene Gesellschaft gesetzt werden.

Thomas Geisel schafft es nicht, pünktlich zu sein. Nicht mit dem Privatjet, nicht an Altweiber auf dem Rathausbalkon. Es war – nach Weltuhr – eigentlich schon 11.12 Uhr, als der mit Zylinder behütete Oberbürgermeister – umrahmt von seiner Gattin Vera und Venetia Jula – in die Menge auf dem Marktplatz rief: „Mädels, wir haben noch ein paar Sekunden! Aber ihr könnt’ auch unten bleiben, da ist es doch so schön!“ Nichts da, die Macht der Weiber war so groß, dass sich das Stadtoberhaupt auch zum diesjährigen Auftakt des Straßenkarnevals ergeben musste. Geisel zählte runter: 10, 9, 8, 7… Und mit geringer Verspätung stürmten die Möhnen das Rathaus.

Zuvor hatte Michael Laumen vom Balkon aus eine ernste Botschaft ans närrische Volk verkündet. Der Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) stand noch unter dem Einfluss der Tat in Hanau. „Ich sage nochmal, dass wir für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit sind“, so Laumen. Das CC verzichtete bewusst auf eine Schweigeminute. Man werde an Rosenmontag in Form eines Mottowagens Flagge zeigen.

Im Jan-Wellem-Saal wurde der Schlips von Geisel dann in Sekundenschnelle ein paar Zentimeter kürzer gemacht. Und auch ansonsten bekam der OB einiges ab. Seine Lieblingserzfeindin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kam als Umweltspur verkleidet. Sie ist eine erbitterte Gegnerin dieser Maßnahme. „Strazi“ machte mit ihrem Umhang – „eine alte Kinderspieldecke“ – und ihrem Verkehrschaos-Hut viel her. „Ich habe auch rote Augen, aber die sind nicht geschminkt, die habe ich vom ganzen Weinen wegen dieser Umweltspur, und jetzt kommt auch noch ein Privatjet dazu“, sagte die OB-Kandidatin angesichts der noch frischen „Privatjet-Affäre“ ihres Kontrahenten. Tätää!

Trash-Attacke von der CDU

Martialisch traten die CDU-Kollegen auf. Pavle Madzirov und André Simon verteilten – mehr oder weniger gelungene – Schwarz-Weiß-Kopien mit dem Titel „The Big Fight for Düsseldor (das F hat es nicht mehr auf die Kopie geschafft) – CDU vs. Geisel“, auf der die beiden Ratsherren mit Box-Handschuhen und ein K.O.-geschlagener Geisel abgebildet waren. Für Fotos nahmen sie dann den OB-Kandidaten Stephan Keller (als Steampunker kostümiert) sowie Weltall-Girl Angela Erwin in die Mitte. Das verlieh dem Ganzen deutlich mehr Glanz.

Apropos Glanz: Besonders ausgefallen wieder die Kostümidee des Grünen-OB-Kandidaten Stefan Engstfeld, der als „Frohe Natur“ kam. Seine Gattin, Ex-OB-Sprecherin Kerstin Jäckel-Engstfeld, zeigte sich – ganz in Weiß statt in Grün – als Kindermädchen Mary Poppins. Und tatsächlich musste sie an diesem Tag noch Babysitten. „Ich soll auf eines der Kinder der Jolly Family aufpassen während deren Auftritt“, sagte Jäckel-Engstfeld.

Einen Seitenhieb Richtung Brauerei-Chef Peter König kam vom Düsseldorfer Gleichstellungsbüro. „No Sexism“ hatte die Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart und ihr Team auf ihren Schärpen stehen. Vor den Gesichtern trugen sie – na klar – Fuchs-Masken.

Während also oben im Rathaus fröhlich gedisst und trotzdem zusammen geschunkelt wurde, feierten unten tausende Narren bei Musik von den Swinging Funfares, De Fetzer und den anderen üblichen Verdächtigen auf der Bühne bei immer besser werdenden Wetter. CC-Sprecher Hans-Peter Suchand brachte es auf den Punkt: „Der Auftakt des Straßenkarnevals ist gelungen, besser geht es nicht.“

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