Coronakrise

Düsseldorf stellt mehr Notunterkünfte für Obdachlose bereit

Ein Mann schläft auf einer Bank in einem Park.

Ein Mann schläft auf einer Bank in einem Park.

Foto: Martin Gerten / dpa

Düsseldorf.  Die Coronakrise trifft die Schwächsten besonders hart. Düsseldorfs OB Geisel schafft nun zusätzliche Kapazitäten für obdachlose Menschen.

Die Corona-Krise trifft auch besonders die Schwächsten in der Gesellschaft. Geschlossene Tafeln und Hamsterkäufer machen Armen das Leben schwer. Aber auch die Frage nach der Unterbringung von Obdachlosen braucht jetzt eine Lösung. „Wir brauchen jetzt praktische Hilfe für alle, die sowieso bereits am Rande der Gesellschaft sind“, betont Oliver Ongaro vom Straßenmagazin Fiftyfifty. Man überlege gerade, wie man den Menschen am besten helfen könnte, sagt er.

„Wir könnten Lebensmittel verteilen oder den Menschen Einkaufsgutscheine geben“,so Ongaro weiter. Auch die Unterbringung der Menschen beschäftigt Fiftyfifty. „Wir haben schon Räumlichkeiten bei uns für die medizinische Versorgung von Obdachlosen abgegeben und haben einen Aushang angebracht mit Informationen, wo es noch etwas zu essen gibt“, berichtet Ongaro. „Aber wir müssen natürlich etwas neues etablieren, was langfristig für sechs bis acht Wochen genutzt werden kann, damit wir uns nicht alle 48 Stunden umorientieren müssen. Wir wollen ja auch harten Fällen helfen können“, sagt er.

Notunterkünfte werden eingerichtet

Auf einer Pressekonferenz kündigte Oberbürgermeister Thomas Geisel am Mittwochnachmittag an, zusätzliche Kapazitäten zur Unterbringung von Obdachlosen bereit zu stellen. So sollen weitere Notunterkünfte eingerichtet werden. Die zwischenzeitlich geschlossenen Einrichtungen am Vogelsanger Weg und an der Aldekerkstraße werden daher wiedereröffnet. Auch in einem Hotel hat die Stadt, nach Angaben des OB, 47 Zimmer reserviert.“

Der Düsseldorfer Linken-Chef Udo Bonn fasst neben den Hotels auch die Jugendherbergen ins Auge. „Leerstehende Häuser könnte man ebenfalls vorübergehend beschlagnahmen. Die Stadt hat da ja Zugang zu den Besitzern. Wir sind gerade in einer Notsituation, in der rechtliche Dinge in Frage gestellt sind“, sagt der Linken-Chef. „Es gibt tiefe Eingriffe in unser soziales Leben, die absolut notwendig sind. Aber der Staat muss jetzt auch ähnliche Maßnahmen bereithalten, um den Menschen zu helfen“, fordert er.

Drogeriemarkt rationiert bestimmte Artikel

„Die Versorgung der Obdachlosen ist ein Riesenproblem“, sagt Udo Bonn weiter. „Die Stadt könnte Lebensmittel aufkaufen und verteilen, oder Einkaufsgutscheine verteilen. Da ist dann nur die Frage, nach welchen Kriterien die verteilt werden“, so Bonn. „Das ist doch möglich, das hinzubekommen.“

Angesichts der vielen Hamsterkäufe, müsse man auch darüber nachdenken, notwendige Lebensmittel zu rationieren, schlägt Bonn vor. „Dieses Horten von Lebensmitteln ist dermaßen unsozial“, sagt er. „Wer nicht so mobil ist, der ist jetzt benachteiligt.“ Der Drogeriemarkt DM würde bereits bestimmte Artikel rationieren, berichtet er. „Wenn das in einem kleinen Laden wie DM möglich ist, dann geht es auch anderswo. Wir müssen da auch an das Verhalten der Leute appellieren“, meint Udo Bonn.

Grüne richten Blick auf Frauen, die von Gewalt betroffen sind

„Ich bin sicher, dass die Stadt alles unternimmt, um alle Menschen zu unterstützen, die Hilfe brauchen“, sagt die Düsseldorfer Grünen-Chefin Paula Elsholz. „Das betrifft nicht nur Obdachlose, sondern auch Frauen, die von Gewalt betroffen sind oder Kinder, die in Obhut genommen werden müssen“, so Elsholz weiter. „Die freie Wohlfahrt ist da Partner und muss das auch sein. Wir haben in Düsseldorf die Mittel, um viel zu machen“, betont sie.

„Die Verwaltung hat sicher auch im Blick, welche Räumlichkeiten und Immobilien genutzt werden können, um Menschen unterzubringen“, sagt Elsholz. „Wir sind als Grüne konstruktiv und wollen gemeinsam mit den Verantwortlichen an den best möglichen Lösungen arbeiten.“

Derzeit sind in Düsseldorf 159 Menschen am Coronavirus erkrankt. 22 Menschen werden in vier Krankenhäusern betreut, sieben Menschen liegen auf Intensivstationen. Die Uniklinik teilte am Mittwoch aber auch mit, dass bislang vier Corona-Patienten das Krankenhaus gesund entlassen konnten

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