Trockenheit

Düsseldorfer Böden: Nur noch 30 Prozent Wassergehalt

2018 waren die Auswirkungen der Hitze überall in Düsseldorf deutlich zu sehen wie hier am Rhein. Deses Jahr drohen ähnliche Bilder.

2018 waren die Auswirkungen der Hitze überall in Düsseldorf deutlich zu sehen wie hier am Rhein. Deses Jahr drohen ähnliche Bilder.

Foto: Foto: Martin Gerten / dpa

Düsseldorf.  Die Natur in Düsseldorf ächzt unter lang anhaltender Trockenheit. Auch in Zukunft soll es nicht besser werden.

Kein Regen, viel Sonne: Worüber sich mancher Düsseldorfer dieser Wochen freut, ist für die Natur alles andere als gut. „Die Natur leidet unter dem Dürrestress seit letztem Jahr“, so BUND-Sprecher und Geschäftsleiter in NRW, Dirk Jansen. So befinden sich Bäume konstant im Stress. Zwar hat sich in den Wäldern der Grundwasserspiegel auch bereits stark abgesenkt, aber vor allem Stadtbäume leiden unter der Trockenheit. Jansen appelliert daher an die Bürger, fleißig zu gießen.

Gegenwärtiger Zustand soll nicht Normalfall werden

Der BUND-Geschäftsleiter prognostiziert jedoch auch keine rosige Zukunft, sondern eher weiterhin derartige Trockenperioden. Umso wichtiger sei es, den Klimawandel zu bekämpfen, damit „das nicht zum Normalfall wird“. Denn wenn nichts getan wird, werden die Unterschiede zwischen den nördlichen Breiten und dem Äquator immer geringer. Die Luftzirkulation werde abgeschwächt, so Jansen. „Hochdruckgebiete bleiben dann einfach hängen“, so der Sprecher weiter. Gleiches könne jedoch auch mit Tiefdruckgebieten passieren.

Daher sei es umso wichtiger, dass die Stadt konkrete Schritte zum Klimaschutz unternimmt. Denn Städte sind vor allem „Hitzeinseln“. „Mit Begrünung kann man aber schon etwas dagegen tun“, so Jansen. Doch auch sonst beobachtet Jansen überall Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit. „In der Urdenbacher Kämpe ist kaum Wasser mehr. Das schadet dann auch den Tieren.“ Es sei zwar schon immer zu Schwankungen in solchen Feuchtgebieten gekommen, aber weniger extrem.

Gartenamt forciert Bewässerung

Um das Stadtgrün gegen die Trockenheit zu schützen, sind momentan die Mitarbeiter des Gartenamtes im Dauereinsatz und forcieren die Wasserversorgung der Vegetation in allen Stadtbezirken. So wurden einige ältere Baumbestände bereits bewässert, sagt ein Stadtsprecher auf Anfrage. An sensiblen Baumstandorten, wie an Tunneldecken oder Tiefgaragen, werde mit zusätzlichen Wässerungen begonnen. „Selbstverständlich werden auch die Jungbäume, die in den letzten Jahren gepflanzt wurden, gewässert“, so der Sprecher. Für die Bewässerungen seien mehrere Fahrzeuge des Gartenamtes mit Tanks ausgerüstet; an anderen Stellen pumpen die Stadtgärtner das kostbare Nass direkt aus Hydranten oder Brunnen an die Wurzeln.

Auch den Landwirten bereitet die Trockenheit wie schon im Vorjahr große Sorgen. Zwar liefere die Gerste, die momentan geerntet werde, einen guten bis durchschnitten Ertrag, in zwei bis drei Wochen wird jedoch der Weizen geerntet und dort müsse man sehen, was der Ertrag bringt, so Andrea Hornfischer, Sprecherin der Rheinischen Bauern. Auch Mais und Zuckerrüben, die etwa Mitte September geerntet werden, benötigen noch viel Wasser. „Nach Messungen des Wetterdienstes war es im Rheinland in den letzten 38 Jahren noch nie so trocken wie jetzt“, so Hornfischer weiter. In den oberen 60 Zentimetern des Bodens lege der Wassergehalt nur bei 30 bis 50 Prozent. Am besten sei jetzt ein zwei Wochen anhaltender Regen, so die Sprecherin.

Landwirt von Holtum: „Lebensmittel müssen teurer werden“

Landwirt Joachim von Holtum bereitet das ebenfalls Sorgen. „Das Grünland wächst gar nicht mehr.“ Eigentlich würde der Landwirt düngen, doch das geht ohne Regen nicht, die Emissionen wären zu hoch. Sein Gemüse muss er wie im Vorjahr beregnen lassen – und das immer intensiver. Er selbst hat dafür die nötigen Maschinen. Doch einige Kollegen hätten im Vorjahr beim Kauf solcher Beregnungsmaschinen gezögert, nun seien sie aber überall ausverkauft. Und selbst wenn das Gemüse beregnet wird: „Der Boden hält selbst viel Wasser fest, er muss sich quasi auch erstmal aufrichten“, so von Holtum. Seine Prognose für die Zukunft? „Die Landwirtschaft muss flexibler werden. Wir müssen uns auf immer andere Fruchtfolgen einstellen: Mal kann jenes ausgesät werden, mal was anderes“, so von Holtum. Gleichzeitig müssen auch die Lebensmittel teurer werden. „Sonst herrscht Chaos und viele Betriebe müssen dicht machen.“

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