Glaube

Düsseldorfer finden Söders Kreuz-Pflicht „peinlich“

Markus Söder, sein Schatten und das Kreuz: Für die FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat diese Darstellung mehr was von einem „Teufelsaustreiber“.

Markus Söder, sein Schatten und das Kreuz: Für die FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat diese Darstellung mehr was von einem „Teufelsaustreiber“.

Foto: Peter Kneffel/dpa

Düsseldorf.   Bayrisches Kabinettsurteil löst in Düsseldorf nur Kopfschütteln aus. Söder möchte in allen Behörden Kreuze aufhängen.

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Soll es eine Kreuz-Pflicht für die Behörden geben? Darüber ist in Bayern ein Streit entbrannt. Auf Initiative von Markus Söder, Horst Seehofers Nachfolger im Amt des bayrischen Ministerpräsidenten, wurde das vergangene Woche im dortigen Kabinett beschlossen. Das stieß nicht nur im Freistaat bei anderen Politikern und Kirchenverbände auf wenig Gegenliebe, auch in Düsseldorf findet man die Aktion vor allem „peinlich“, so etwa die Düsseldorfer FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

„Wir diskutieren gerade darüber, wie man gegen Antisemitismus vorgehen kann und das dieser immer noch ein Problem ist und im gleichen Atemzug hängt Söder Kreuze auf“, so die FDP-Frau. Das sei einfach unsensibel und überflüssig. Zudem ist im Grundgesetz die Glaubensfreiheit fest verankert.

Dass Söder das Thema nun aufgreift, sei vor allem dem Wahlkampf zu den Landtagswahlen in Bayern in diesem Jahr geschuldet. „Das ist Populismus in Reinkultur, ein Populismus, der von Söder quasi erfunden wurde und Unruhe in die Gesellschaft bringt“, so „Strazi“ weiter. Für die FDP-Frau ist die „Zeit der Kreuzzüge vorbei“.

Mehrere Religionen anerkannt

Für den Düsseldorfer SPD-Chef und Bundestagsabgeordneten Andreas Rimkus ist es sinnvoll, Staat und Religion zu trennen. „In Deutschland sind mehrere Religionen anerkannt“, so Rimkus. Söder werde nur von „zweifelhaften Aktionismus“ getrieben. Dass er dafür die christliche Symbolik benutzt, ist für den SPDler „eine Frechheit“. „Das dient nur dazu, einer kruden Masse die Stimmen abzujagen.“

Der Düsseldorfer CDU-Chef Thomas Jarzombek findet, dass man nun erstmal gucken sollte, ob das überhaupt „verfassungsfest“ sei. Jarzombek hält es allerdings auch für eine falsche Entscheidung, dass Kreuze aus den Klassenzimmern abgehangen wurden. Dennoch: Zwar sei die Mehrheit der Bevölkerung Christen, „es darf aber nicht ausgegrenzt werden“. Kreuze müssen nicht in jedem Büro sein, „man sollte das nicht übertreiben“.

Kardinal stärker bei der Gesellschaft als die CSU

Parteikollegin Sylvia Pantel hält das Kreuz für ein „gutes Bekenntnis“. „Damit zeigt er, dass wir ein christliches Land sind, das Religionsfreiheit zulässt . Unsere Gesetze basieren auf den christlichen Werten“, schreibt Pantel auf ihrer Facebook-Seite.

Linken-Fraktionssprecher Udo Bonn spricht sich klar gegen religiöse Symbole in Schulen und Behörden aus. Die Partei sei da auf der Seite von Kardinal Reinhard Marx, der Söder für die Kreuzpflicht ebenfalls schon kritisiert hat. „Der Kardinal ist mit seiner Ansicht viel stärker bei der Gesellschaft als die CSU“, so Bonn. Für Bonn will sich Söder mit der CSU im Vorwahlkampf ein Wettrennen mit der AfD leisten. Zudem habe für den Linke die Kreuzpflicht eine „Bekenntnishaftigkeit“ an sich. „Am Arbeitsplatz bedeutet das, dass ich mich zu einer Religion zugezogen fühlen muss, zu der ich eigentlich nicht will.“

Missbrauch von Symbolik

Auch für die Düsseldorfer Grünen-Sprecherin Paula Elsholz verstößt der Söder-Vorstoß gegen die Religionsfreiheit. „Das ist vollkommen missbräuchlich, was er da macht“, so Elsholz. Das passe nicht zu einem freiheitlichen, liberalen und unabhängigen Staat.

Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde, erzählt, dass als er 1965 nach Deutschland gekommen sei, in Schulen überall noch Kreuze hingen. „Das hat mich nie gestört, die Symbolik ist für mich nie ein Problem gewesen.“ Vielmehr spricht sich Szentei-Heise gegen ihren Missbrauch aus. „Söder geht es nicht um die christliche Prägung,sondern um die vorsätzliche Ausgrenzung des Islams.“

Kreuz als „Element der Trachtenkultur“

Der Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM) befürwortet „religiöse Symbole in der Öffentlichkeit“ und hat „kein Problem mit Kreuzen“. „Wir folgen da den Äußerungen und der Argumentation des Kardinal Marx. Wenn Kirchen dies verlangt hätten, würden wir dies ebenfalls unterstützen“, so Sprecher Redouan Aoulad-Ali. „Wenn aber der Freistaat das von oben diktiert, möchten wir uns da den Aussagen von Herrn Kardinal Marx anschließen.“

Synodalassessor Heinrich Fucks der evangelischen Kirche Düsseldorf attestiert Söder das Kreuz als Accessoire zu benutzen. „Davon halten wir nichts viel, das ist inhaltsleer und beinahe schon ein Element der Trachtenkultur“, so Fucks. Zudem werde es zur Ausgrenzung genutzt und der christliche Gedanke sei ja ein inklusiver.

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