Zuflucht

Düsseldorfer Frauenhäuser haben keine Kapazitäten

In Frauen- und Mädchenhäusern können Frauen Zuflucht finden – vor häuslicher Gewalt oder Zwangsheirat.

In Frauen- und Mädchenhäusern können Frauen Zuflucht finden – vor häuslicher Gewalt oder Zwangsheirat.

Foto: Peter Steffen/dpa

Düsseldorf.   Vereine müssen Frauen ablehnen, da keine Plätze frei sind. Es gibt aber Signale, dass Räume geschaffen werden sollen. Problem: die Finanzierung.

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Sie sind oftmals die letzte Zufluchtsstätte: Frauen- und Mädchenhäuser. Doch ihre Zahl und die Plätze sind begrenzt, nicht jede Frau kann aufgenommen werden. Das wird auch deutlich bei einem Blick ins Internet, auf die NRW-Karte der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser (LAG). Dort gibt es grüne, gelbe und rote Häuschen – rot bedeutet, dass das jeweilige Frauenhaus vollständig belegt ist – wie es etwa auch in Düsseldorf der Fall ist.

Wie oft jedoch Frauen in der NRW-Landeshauptstadt abgelehnt werden, lässt sich nicht mehr auf den Fall genau belegen, seit es die Karte der LAG gibt, erklärt Birgit Rossdeutscher, Geschäftsführerin des Vereins Frauen helfen Frauen, der eines der beiden Frauenhäuser in Düsseldorf betreibt.

Frauenhäuser müssen Frauen auch ablehnen

Dennoch gibt es genug Anfragen von Frauen, die nicht erfüllt werden können. So musste das Internationale Frauenhaus in Düsseldorf 2013 181 Frauen ablehnen, 2014 und 2015 jeweils 170, 2016 noch 148 sowie 2017 insgesamt 138 Frauen. Beim Frauenhaus des Vereins Frauen helfen Frauen waren es im vergangenen Jahr 122 Frauen, 136 in 2016, 101 in 2015 sowie 96 in 2014 und 60 in 2013. Es kann jedoch zu Doppelzählungen kommen, da Frauen bei Vollbelegung in mehreren Frauenhäusern anrufen.

Nicht immer sind alle Plätze belegt

Wenn kein Platz frei ist, wird versucht zu vermitteln. In den Einrichtungen des Vereins Frauen helfen Frauen gibt sechs Zimmer mit maximal 17 Plätzen. Nicht immer sind alle Plätze belegt, das hat Gründe. „Wenn eine Frau mit ihrem Kind oder mit den Kindern zu uns kommt, kommt keine Fremde mit auf das Zimmer“, erklärt Rossdeutscher. Die Zimmer wiederum seien alle belegt. Das Internationale Frauenhaus hat zwölf Plätze (in der Regel acht Frauen und vier Kinder).

Da der Bedarf aber ungebrochen hoch ist, stehen Frauenverbände momentan in regen Austausch mit dem Ministerium. „Es gibt durchaus Signale, dass neue Kapazitäten geplant und geschaffen werden sollen“, sagt Rossdeutscher. Doch bisher wisse man nicht, wie man das umsetzen soll. Die Finanzierung sei das große Problem. „Es müssen neue Gebäude geschaffen oder genutzt werden können, damit eine Einrichtung entstehen kann – und dann braucht es noch die Ausstattung und das Personal.“

Wohnraum, der bezahlbar ist, finden

Auch der Gleichstellungsbeauftragen Elisabeth Wilfart ist die Problematik bewusst. Dabei sind es nicht unbedingt Düsseldorferinnen, die in der Landeshauptstadt Zuflucht suchen. „Die Frauen wollen weiter weg untergebracht werden“, so Wilfart. So können Frauen, die etwa Zwangsheirat oder häusliche Gewalt erlebt haben, besonderen Schutz erfahren. Schwierig wird es auch, wenn die Frauen das Haus verlassen und sich eine Wohnung suchen wollen. „Es ist schwierig, adäquaten Wohnraum zu finden, der für die Frauen bezahlbar ist“, so Wilfart weiter.

Positiv hingegen ist für die Gleichstellungsbeauftragte die Eröffnung des Mädchenhauses von „Pro Mädchen“ in 2018, einer anonymen Zufluchtsstätte für Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und 21 Jahren. Sieben Mädchen können dort untergebracht werden, drei sind es momentan, wie Projektkoordinatorin Sarah Pastor sagt. Das Projekt ist so wichtig, da es nicht nur die Frauenhäuser entlastet, sondern auch eine andere und speziellere Betreuung bietet. Die Startfinanzierung kam vom Land und der alten Landesregierung, ab Mai werde man mit der neuen Landesregierung über Zuschüsse neu verhandeln. Pastor ist optimistisch: „Bisher ist keiner abgeneigt vom Projekt.“ Schließlich ist das Mädchenhaus neben dem in Bielefeld das einzige in NRW.

>> ANLAUFSTELLEN FÜR FRAUEN UND MÄDCHEN

Zu den Anlaufstellen für Frauen in Düsseldorf gehören die Frauenberatungsstelle, zu erreichen unter 0211/ 686 854, sowie das Frauenhaus Düsseldorf (Notfalltelefon unter 0211/ 710 34 88) und das Internationale Frauenhaus der Awo (0211/ 600 255 88).

„ProMädchen - Mädchenhaus Düsseldorf e.V.“ ist telefonisch zu erreichen unter 0211-48 76 75.

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