Stadtrundgang

Düsseldorfer Greeter bieten Stadtrundgang für Freunde

Die Rheinmetropole ist immer ein Spaziergang wert: hier das Düsseldorfer Stadttor und links daneben der Rheinturm, Im Hintergrund liegt der Stadtteil Unterbilk.

Die Rheinmetropole ist immer ein Spaziergang wert: hier das Düsseldorfer Stadttor und links daneben der Rheinturm, Im Hintergrund liegt der Stadtteil Unterbilk.

Foto: Hans Blossey

Düsseldorf.  „Komm als Gast, geh’ als Freund“ – nach diesem Motto führen die Ehrenamtlichen durch die Rheinmetropole – und schließen obendrauf Freundschaften.

Die Landeshauptstadt ist eine große und wachsende Stadt: Mehr als 642.000 Menschen lebten im Jahr 2018 hier. Doch jeder Einwohner, ob groß oder klein, alt oder jung, hat so seine ganz eigenen Lieblingsecken und seinen ganz eigenen Blick auf die Ecken der Metropole. Die Düsseldorf-Greeter bieten an sich über seine Stadterkundungen auszutauschen und gemeinsam die Landeshauptstadt neu zu entdecken.

„Komm als Gast, geh’ als Freund“ heißt das Motto des neu gegründeten Netzwerks. Greeter, das sind Ehrenamtliche, die ganz einfach ihren Blick auf die Stadt zeigen. Regina ist eine von derzeit fünf Ehrenamtlichen; sie hat einen Spaziergang, Greet genannt, durch Unterbilk angeboten. „Wir sind keine klassischen Stadtführer, wir wollen die Menschen kennen lernen. Im besten Fall hat man am Ende einen guten Freund gefunden“, erklärt sie das System.

Vater bietet Greets in Bremen an

Regina kommt gebürtig aus Bremen – ihr Vater bietet dort auch Spaziergänge an. Greeter duzen immer. „Es geht ja um das Persönliche“, so die Ehrenamtliche. „Wir fragen immer Interessen ab und gestalten entsprechend die Route.” Regina wählt heute die passende Strecke; Treffpunkt ist die Bilker Kirche: „Stört es dich, wenn ich mein Rad mitnehme?“ fragt Regina. Stört natürlich nicht. Über die Kirche erzählt sie nicht, wann sie gebaut wurde. Stattdessen erzählt sie von ihrem Sohn, der dort einen Kindergottesdienst besucht hat und sich vor den ganzen Kreuzen an den Wänden gruselte. Der persönliche Austausch ist wichtig. Der Spaziergang ermöglicht, die Stadt ein Stück weit durch die Augen des Anderen kennen zu lernen.

Regina fragt, ob Interesse am Rauchen besteht, sie würde in dem Fall rechts einbiegen. Ihr Mann raucht Zigarre: Zu Weihnachten gab es einen Adventskalender mit 24 unterschiedlichen Zigarren drin. Sie erfährt über ihren Begleiter, dass Pfeifentabak angenehm riecht, das sind Kindheitserinnerungen, weil der Großvater einen immer in den Tabakladen mitgenommen hat – 2017 ist der Opa mit 65 im EVK an Lungenkrebs gestorben. Regina und ihr Begleiter, sie lernen sich kennen.

Da aber niemand raucht, steuert Regina einen ganz anderen, besonderen Antiquitätenladen auf der Friedenstraße an. „Das Geschäft ist der Hammer”, sagt die Greeterin. Sie flaniert durch den Antiquitätenladen wie durch ein Museum und staunt. Regina macht darauf aufmerksam, dass alles ganz genau zusammen passt. „Guck mal”, sagt sie plötzlich und zeigt auf ein altes Schild, ganz grün und aus Pappe: „Neue Rhein Zeitung – Annahmestelle” steht drauf. „40 Euro, ist halt alt”, antwortet die Verkäuferin. Trotzdem eine einmalige Gelegenheit.

Ein besonderer Blick

Die Spaziergänge sind ihr Hobby, erklärt die Ehrenamtliche, so wie andere eben Sport machen. Die Greeter sind neugierig auf neue Leute, deswegen sind die Greets auch maximal mit Gruppen bis sechs Personen möglich: „lieber weniger”, sagt Regina. Eine Runde zum Stadttor: „Eigentlich müsste die Straße überirdisch etwas länger sein, um das Stadttor besser sehen zu können, wenn man drauf zu fährt“, sagt sie. Zwischen dem Stadttor und dem nebenliegenden Gebäude drängt sich der Rheinturm, der sich in der Glasfassade spiegelt. „Das ist doch ein interessantes Fotomotiv“, sagt die Greeterin.

Im Medienhafen angekommen, erzählt sie, was ihr aufgefallen ist, wie sich Bremen und Düsseldorf ähneln und wie gerne sie in Unterbilk gelebt hat. Mittlerweile wohnt die ausgebildete Lehrerin in Vennhausen.

Und noch was ist ihr aufgefallen: „Die Säulenheiligen stehen alle irgendwie anders“, ist sie sich sicher. Die Figuren auf den Litfaßsäulen wurden einmal abgenommen, neu angestrichen und wieder aufgestellt. „Seitdem finde ich manche Figuren nicht mehr wieder“, erklärt Regina.

Greeter – sie bieten eine Stadtführung mit vielen Gesprächen und persönlichen Anekdoten – auf der Suche nach neuen Kontakten und guten Freunden.

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