Arbeitswelt

Düsseldorfer Politiker sehen noch Potenzial beim Homeoffice

Wenn es nach Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geht, gibt es demnächst einen Rechtsanspruch auf Homeoffice.

Wenn es nach Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geht, gibt es demnächst einen Rechtsanspruch auf Homeoffice.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Düsseldorf.  Bundesarbeitsminister Heil möchte Arbeitnehmern Rechtsanspruch auf 24 Tage Heimarbeit einräumen. Düsseldorfer Politiker sind geteilter Meinung.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will möglichst allen Arbeitnehmern einen Rechtsanspruch auf mindestens 24 Tage Homeoffice im Jahr einräumen. Das Bundesarbeitsministerium hat einen Entwurf für das „Mobile-Arbeit-Gesetz“ erarbeitet. Ein Arbeitgeber soll demnach nur den Wunsch des Arbeitnehmers nach mobiler Arbeit (Homeoffice) ablehnen können, wenn es nachvollziehbare betriebliche Gründe dafür gibt. Die Düsseldorfer Politiker sind geteilter Meinung ob des Vorstoßes.

Frankreich kann als Vorbild dienen

So empfindet die Bundestagsabgeordnete und Düsseldorfer FDP-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann mehr Homeoffice erstmal als gut. Doch Heils Vorschlag schaffe leider statt mehr Homeoffice nur mehr Bürokratie. „Er springt zu kurz, weil er das Arbeitszeitgesetz gar nicht anpackt. Es geht aber um mehr Freiheit wo – und wann – man arbeitet“, so die FDP-Frontfrau. Als Vorbild könne man sich daher gut an Frankreich orientieren. Dort gebe es etwa ein modernes Arbeitszeitgesetz und keine Vorschriften für Kontrollen in Wohnungen.

Der Vorsitzende der Düsseldorfer Linke, Udo Bonn, weiß hingegen von manchen Arbeitnehmern, die aus dem Homeoffice heraus „gebettelt haben, mal wieder in den Betrieb“ zu kommen. „Wenn man im Betrieb arbeitet, dann arbeitet man anders“, so Bonn. Dieselben Arbeitnehmer können sich jedoch vorstellen, einmal die Woche im Homeoffice zu sein. Das Konzept des Arbeitsministers sei jedoch zu unausgegoren, meint Bonn. „Warum möchte er eine Beschränkung auf 24 Tage?“ fragt sich der Linke. Er vermutet, dass die SPD damit ein Signal an die Arbeitnehmer senden möchte à la „Wir tun was für euch“. Gleichzeitig findet Bonn, dass man nicht immer alle Abläufe ins Homeoffice verfrachten kann – gerade etwa in der Stadtverwaltung. „Manchmal braucht es den persönlichen Kontakt – gerade zum Bürger.“

Thomas Jarzombek (CDU): „Pflicht nicht zielführend“

Für den Düsseldorfer CDU-Chef und Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek ist die Idee ein „alter Hut“. Die Corona-Pandemie beschleunige das Homeoffice, dennoch sei es nicht zielführend, das als „Pflicht“ einzuführen. „Arbeitgeber machen schon viel, um den Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten.“

Der Düsseldorfer SPD-Chef und Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus hält den Heil-Vorschlag für eine gute Initiative. „Die Pandemie hat gezeigt, dass Homeoffice geht.“ Es brauche weiter Regeln und Klarheit, um die Arbeitnehmer dort zu unterstützen. Gleichzeitig werde durch das Homeoffice die Umwelt entlastet, da weniger Verkehr auf den Straßen unterwegs wäre.

Auf jeden Fall unterstützenswert findet Mirja Cordes, Düsseldorfer Grünen-Chefin, die Idee. Zudem sei die gegenwärtige Situation ein guter Anlass, um generell über die Gestaltung der Arbeitswelt nachzudenken. Braucht man noch Büroräume? Wie kann man mobiles Arbeiten leichter machen? All das seien Fragen, die man sich momentan stellen müsse, so Cordes. Gleichzeitig dürfe der Arbeitnehmerschutz nicht zu kurz kommen.

Angst, den sozialen Austausch zu verlieren

Für die DGB-Regionsgeschäftsführerin Sigrid Wolf sind Digitalisierung und mobiles Arbeiten schon länger Themen, die auf der Agenda stehen. Sie unterstützt zudem, dass ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden muss – und begrüßt, dass der Minister Tarifverbände und Betriebsräte involviert. Grundsätzlich sieht sie aber auch, dass nicht jeder Beruf für Homeoffice geeignet ist – wie etwa der Pflegebereich. Da müsste möglicherweise ein Ausgleich geschaffen werden. Auch seien noch ein paar Fragen zu klären, wie es etwa um Versicherungen steht. Kritisch sieht sie zudem, dass die Gefahr bestehen könnte, den sozialen Kontakt und den Austausch der Mitarbeiter untereinander zu verlieren.

Bei Verdi möchte man sich noch nicht zu dem Vorschlag äußern, so Stephanie Peifer, Geschäftsführerin im Verdi-Bezirk Düssel-Rhein-Wupper. „Wir wollen uns alle Vorschläge ansehen und sie in Ruhe bewerten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben