Kriminalität

Düsseldorfer Polizei streicht Drogen-Einsatztrupp

Kontrollen soll es im Bahnhofsviertel weiter geben. Die Einsatztrupps der Inspektionen Mitte und Süd übernehmen die Arbeit des Drogen-ETs.

Kontrollen soll es im Bahnhofsviertel weiter geben. Die Einsatztrupps der Inspektionen Mitte und Süd übernehmen die Arbeit des Drogen-ETs.

Foto: Gerhard Berger

Düsseldorf.  Der zuletzt achtköpfige Einsatztruppe wird zum 1. September aufgelöst, bestätigt die Düsseldorfer Polizei. Sie verweist auf Umstrukturierungen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Michael Hilgers dem Polizeipräsidenten für den Einsatz der Kripo im sogenannten Maghreb-Viertel (hinter dem Hauptbahnhof in Oberbilk) gedankt. Der Hausbesitzer und seine Mieter fühlten sich vor einem Jahr sicherer, seit der Einsatztrupp der Drogenfahndung und die Brennpunkt-Einheit Prios sich regelmäßig im Quartier rund um den Lessingplatz bewegen.

Brief an Polizeipräsident und Innenminister

Doch damit ist jetzt Schluss. „Gerade hat sich die Situation ein bisschen verbessert, da wird der ET 21 aufgelöst“, schrieb Hilgers jetzt an Norbert Wesseler und auch an Innenminister Herbert Reul, mit der Bitte „die für das Viertel verhängnisvolle Entscheidung zu überdenken“, die Drogenhändlern „grünes Licht für ihre kriminellen Machenschaften“ gebe.

Der zuletzt achtköpfige (zwei Stellen waren schon voriges Jahr eingespart worden) Ensatztrupp wird zum 1. September aufgelöst, bestätigt Polizeisprecher Andreas Czogalla und verweist auf notwendige Umstrukturierungen. „Die Aufgaben des ET 21 werden von den Einsatztrupps der Polizeiinspektion Mitte und Süd mit übernommen.“

Löcher in der Personaldecke können nicht gestopft werden

Das Datum ist ein zentrales in der Personalplanung der Polizei, denn an diesem Tag werden die neuausgebildeten Beamten ihren Behörden zugewiesen. Und die werden auch dieses Jahr nicht reichen, um die Löcher in der Personaldecke zu stopfen. Bis zum 1. September 2020 gehen jedenfalls mehr Polizisten in den Ruhestand als jetzt neue anfange. Genaue Zahlen hat man noch einmal im Präsidium, die künftigen Kollegen stecken noch in ihren Prüfungen. Und längst nicht bei jedem ist klar, dass er auch besteht. 17 Prozent heißt es, fallen durch oder beenden die Ausbildung aus anderen Gründen.

Auf das zu knappe Personal kommen aber immer mehr Aufgaben hinzu. Der Staatsschutz wird aufgestockt, und auf Weisung des Innenministers sollen im Kriminalkommissariat für Sexualdelikte doppelt so viele Beamte arbeiten wie bisher, um sich im Kampf gegen Kinderpornografie zu stärken. „Das ist gut und wichtig“, sagt Petra Reichling von der Deutschen Polizeigewerkschaft DPolG. „Aber eigentlich brauchen wir überall mehr Leute. Nur die gibt es eben nicht.“ Zwar bildet das Land seit 2017 jährlich 2300, ab diesem Herbst sogar neue Polizisten aus. Aber die Ausbildung dauert drei Jahre, die Durststrecke ist lang. Reichling findet die Streichung des ET 21 zwar auch „bedenklich“, sieht aber derzeit keine Lösung.

Haben sich wieder Rauschgift-Händler in Oberbilk breit gemacht?

In Oberbilk wird bereits seit einiger Zeit gemunkelt, dass in den alten Ecken um den Lessingplatz sich wieder Rauschgifthändler breit gemacht hätten. Das hat auch Dietmar Wolf, Ratsherr der Grünen und stellvertretende Bezirksbürgermeister, schon gehört und will die Auflösung des Einsatztrupps am Montag schon im Polizeibeirat zum Thema machen.

Denn es gibt ein weiteres Problem: Die ETs der Inspektionen Mitte und Süd haben schon jetzt viel zu tun. Nicht zuletzt auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs, wo die Anlieger der Friedich-Ebert- und Charlottenstraße immer wieder über das massive Auftreten von Drogenhändlern und Abhängigen klagen.

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