Feuerwehr

Düsseldorfer Rettungsdienst sucht dringend Personal

Rettungswagen fahren nicht von alleine: Doch es fehlt an nötigen Fachkräften – auch bei den Hilfsorganisationen kann nicht jeder Rettungswagen besetzt werden.

Rettungswagen fahren nicht von alleine: Doch es fehlt an nötigen Fachkräften – auch bei den Hilfsorganisationen kann nicht jeder Rettungswagen besetzt werden.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Der Rettungsdienst soll zwölf neue Fahrzeuge bekommen. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch schon jetzt kann nicht jeder RTW besetzt werden.

Wenn die Politik der Feuerwehr neue Autos verspricht oder gar bestellt, dann wird das in der Belegschaft meistens gefeiert. Die Ankündigung der Dezernentin, den Rettungsdienst gleich um zwölf Fahrzeuge zu verstärken, hat aber eher für Unmut gesorgt. Zum einen, weil diese Änderung des Rettungsdienstbedarfsplans, den im Dezember der Rat beschließen soll, bei den Mitarbeitern noch völlig unbekannt war.

Feuerwehrleute fürchten mehr Überstunden

Und zum anderen, weil schon jetzt rein rechnerisch nicht jeder vorhandene Rettungstransportwagen (RTW) besetzt werden kann. Zumindest nicht in der regulären Wochenarbeitszeit. Die Feuerwehrleute fürchten noch mehr Überstunden, als sie bereits leisten müssen. „Das geht an die Substanz“, sagt einer, „es ist ja auch nicht gerade ein anspruchsloser Job.“

Zwar sind auch die Praktiker sicher, dass die Aufstockung des Rettungsdienstes dringend nötig sei. Aber auf die Diskrepanz bei der Personalstärke weise man bislang vergeblich hin, heißt es aus Kreisen der Mitarbeiter weiter.

Tatsächlich hatte Feuerwehrchef David von der Lieth schon kurz nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr erklärt. das nicht nur Fahrzeuge fehlten. „Wir suchen händeringend Feuerwehrleute“, sagte er damals im Interview. Heute hat sich daran nicht viel geändert. Arbeitslose Feuerwehrleute, die wie in Düsseldorf gefordert, zugleich Notfallsanitäter sind, gibt es noch immer nicht – zu viele Berufsfeuerwehren konkurrieren mit den Hilfsorganisationen um gute Fachkräfte. Aber immerhin hat in Düsseldorf gerade der stärkste Ausbildungsjahrgang der Geschichte angefangen, im April sollen noch einmal 60 Azubis eingestellt werden.

Einsätze seit 2013 um 40 Prozent gestiegen

Vorerst aber, bleibt’s eng im Düsseldorfer Rettungsdienst, dessen Einsätze seit 2013 um fast 40 Prozent häufiger wurden (und auch damals hatten sie mit 116.556 bereits ein Allzeit-Hoch erreicht). „Wir möchten die Überstunden bei der Feuerwehr unbedingt reduzieren“, heißt es aus dem Rathaus. „Doch bis wir alle freien Stellen besetzen können, wird es noch einige Zeit dauern“ –schlimmstenfalls eben, bis die neuen Azubis Ende 2021 ausgelernt haben.

Zum eigenen Personalengpass – nach Informationen unserer Redaktion sind derzeit 30 Stellen nicht besetzt – kommt die der Partner. In Wersten muss die Feuerwache derzeit einen RTW mit besetzen, der laut Organisationsplan von den Maltesern betreut wird. Doch auch den Hilfsorganisationen fehlen Leute.

Seit Monatsanfang ist dieser RTW nun ganz im Verantwortungsbereich der Feuerwehr, die Überstunden fährt, oder, wie es bei der Stadt heißt, „den Personalmangel kompensiert“. Das sei nur möglich, weil sich die Düsseldorfer Feuerwehrleute ihrer Verantwortung bewusst seien und großes Engagement bewiesen, so ein Stadtsprecher. Gleichwohl bemühe man sich um eine Lösung, auch mit den anderen Partnern.

Rettungsdienst ganz rekommunalisieren?

Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariterbund, Johanniter und Malteser sind fest eingeplant im Düsseldorfer Rettungswesen. Auch bei den zwölf zusätzlichen RTW, deren Beschaffung so schnell wie möglich erfolgen soll, sind sie gefragt. Nur vier davon sollen im 24-Stunden. Einsatz der Berufsfeuerwehr fahren, die Besetzung der anderen acht im Tagesdienst wird in einem Vergabeverfahren ausgeschrieben. Wie groß das Interesse der Hilfsorganisationen ist, wenn ihnen schon jetzt qualifiziertes Personal fehlt, ist offen.

„Wir stehen in ständigem und vertrauensvollen Dialog mit allen Partnern im Rettungsdienst“, sagt der Stadtsprecher, räumt aber auch ein, dass die Erhöhung der feuerwehreigenen RTW womöglich erst der Anfang ist. Die Unternehmensberatung Moonroc, die die Feuerwehr auf Herz und Nieren checkt, hatte nämlich angeregt, den Rettungsdienst ganz zu rekommunalisieren. Mit den empfohlenen Maßnahmen, so der Stadtsprecher, stehe die „Erhöhung der Aufgabenwahrnehmung der Feuerwehr im Einklang“.

Die Helfer brauchen Hilfe, meint unsere Autorin. Denn auch die Änderung der Ausbildungsvorschriften bringt die Hilfsdienste in Nöte.

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