Karriere

Düsseldorfer schaffte es vom Online-Start-up in die Drogerie

Durchbruch nach vier Jahren Tüftelei: Geschäftsgründer Frank Spiegel.

Durchbruch nach vier Jahren Tüftelei: Geschäftsgründer Frank Spiegel.

Foto: FOTO: GROTJOHANN

Düsseldorf.  Der Düsseldorfer Frank Spiegel (42) schaffte mit einer Internetfirma den Durchbruch ins Offline-Business. Bis dahin gab’s viele Höhen und Tiefen.

Die aufreibenden Arbeitstage im angemieteten Düsseldorfer Büro, die oft erst am späten Abend oder nachts endeten, angefüllt mit Brainstormings und zerplatzenden Geschäftsideen, zwischen Optimismus und Ernüchterung, hat Frank Spiegel nicht addiert – doch es waren sehr viele. „Ich musste mich zuerst durch einen Dschungel schlagen“, sagt der 42-Jährige lachend über seinen Weg zur eigenen Firma. Und erzählt gleich in seinen ersten Sätzen, was schon als Teenager sein Ziel war: „Ich wollte eigentlich immer ein Unternehmen gründen.“ Es klingt selbstbewusst, doch auch reflektiert.

Nahrungsergänzungsmittel als Produkt

„Vier Jahre habe ich gebraucht“, erinnert sich Spiegel, bis er 2016 sein erstes Produkt herausbringen konnte: Das Nahrungsergänzungsmittel „MSM Gelenke“, das hauptsächlich aus organischem Schwefel besteht und bei Gelenkbeschwerden helfen kann. Von da an ging‘s straff bergauf: Heute bietet Spiegel mit seinem Unternehmen Tauron Ventures unter der Marke „Nature Love“ per Online-Handel rund 40 verschiedene freiverkäufliche Präparate an – aus Mineralstoffen, Vitaminen und natürlichen Extrakten wie etwa Kurkuma oder Maca, einer Ginseng-Art.

Spiegel hat fast eine Million Kunden allein auf Amazon, einen Jahresumsatz in mehrfacher Millionenhöhe. Und vor kurzem wagte er den Schritt ins Offline-Geschäftsleben: „Drei unserer Produkte können Kunden seit wenigen Wochen bei DM kaufen, mit Traubenkern-Extrakt, Hyaluron und das MSM Gelenke.“ Weitere seiner Produkte sind im Online-Shop der Drogeriemarkt-Kette erhältlich.

Ein Erfolg, der absehbar war? Nein. Nach einigen Minuten Austausch, als Frank Spiegel genauer zurückblickt, ist ihm anzumerken: Die jahrelange Suche nach einer Geschäftsidee hat er mehrfach als gepfefferte Prüfung erlebt, gespickt mit Nullnummern und Rückschlägen. „Doch ich wollte meine Vision nicht über Bord werfen!“, sagt er dann und blitzt mit den Augen. Woher kommt sein früher Wille zum Unternehmertum? „Ich war immer schon ein kreativer Mensch“, sagt Spiegel. „Und das Unternehmerische kenne ich von klein auf, mein Vater ist selbständig im Bereich Zahntechnik.“

Hochmut und Nährstoff-Mangel

Ein bisschen über den Dingen habe er schon geschwebt, als er 2012, nach einem Studium zum Wirtschaftsingenieur und sieben Jahren gut dotierter Anstellung, seinen Job als Investment-Banker aufgab und sich selbstständig machte. „Ich hatte so eine Master-of-the-Universe-Mentalität“, sagt er grinsend. „Und dachte, es dauert ein halbes Jahr, bis ich eine tragfähige Geschäftsidee finde.“ Doch nichts da – eine ganze Reihe von Einfällen zündete nur in der Theorie.

Den Erfolgs-Schlüssel brachte ihm eine persönliche Erfahrung: „Ich fühlte mich abgeschlagen und matt“, erinnert sich Spiegel. Er habe das zunächst auf sein anstrengendes Brüten über Geschäftsideen von A bis Z geschoben. „Doch eine detaillierte Blutuntersuchung bei meinem Hausarzt ergab, dass ich wirklich Stoffwechsel-Probleme aufgrund eines Nährstoff-Mangels hatte. Er verordnete mir bestimmte Vitamine. Nach einigen Wochen ging es mir spürbar besser, ich war wieder fit und klar im Kopf.“

Inzwischen hat sich Frank Spiegel viel Know-how über Nahrungsergänzungs-Stoffe angeeignet und den breiten Markt von Mitbewerbern eingehend studiert, in seinem Mitarbeiter-Team sind auch zwei Biochemiker und mehrere Ernährungswissenschaftler. Bei Produkten anderer Anbieter seien Packungsgröße, Dosis und Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe für den menschlichen Organismus oft so angelegt, dass ein wissenschaftlich belegter erster Nutzen häufig den Nachkauf des Produkts erfordere und bisweilen auch grundsätzlich kritisch zu sehen sei.

Freiwillige Prüfung

Spiegel, der die Inhaltsstoffe jeder seiner Produktions-Chargen freiwillig von einem unabhängigen deutschen Labor prüfen lässt, zeigt eine mehrseitige Wirkstoff-Analyse von Nature-Love-Produkten im Vergleich zu Präparaten anderer Anbieter. Die Dosierung bei den Kapseln des Düsseldorfer Unternehmens ist fast durchweg deutlich höher. „Die hohe Dosierung, die gute Wirkstoff-Qualität und die hohe biochemische Verfügbarkeit waren uns bei der Entwicklung der Produkte ganz wichtig“, betont Spiegel. Oft reiche eine Packung mehrere Monate und sei im Vergleich zu Wettbewerbern günstig.

Natürlich wisse er, so Spiegel, dass das Anpreisen von Wohlbefinden per Kapsel von vielen Menschen auch skeptisch gesehen werde. Und auch, dass Kunden auch manchmal auf Verdacht etwa Mineralstoffe und Vitamine kaufen – ohne zu wissen, ob bei ihnen wirklich ein konkreter Mangel vorliegt. Wahllos einen bunten Cocktail von Mitteln einzunehmen, lehnt er ab: „Natürlich sollte jeder auf ausgewogenes Essen und Bewegung achten, das ist grundlegend.“ Doch wenn von einem Arzt tatsächlich zum Beispiel ein Vitamin-D-Mangel festgestellt werde, könne die Einnahme dieses Vitamins eine gute Ergänzung sein.

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