Ohoven-Stiftung

Achitektur-Studenten aus Düsseldorf bauen Häuser im Senegal

Ab in die Höhe heißt es für die neuen Häuser.

Ab in die Höhe heißt es für die neuen Häuser.

Foto: Magnus Sijakovic

Düsseldorf.  Aus einem Slum in Dakar wird das neue Stadtviertel „La Baraka“. Neun Architektur-Studenten der Hochschule Düsseldorf haben die Häuser entworfen.

Es war schon eine „ungewöhnliche Aufgabe, so früh im Studium“ für die neun Studenten der Architektur an der Hochschule Düsseldorf: Für das Stadtviertel „La Baraka“ im Senegal sollten sie Häuser entwerfen, damit rund 1400 Menschen aus einem Slum dort wohnen können.

Slum sollte eigentlich aufgelöst werden

Denn eigentlich sollte der Slum, in dem Flüchtlinge vieler westafrikanischer Länder leben, aufgelöst und an den Rand der Stadt verlegt werden. Die Befürchtung bei der Unesco, die seit Jahren „La Baraka“ in Dakar betreut: dass die Flüchtlinge in andere Länder Europas fliehen. So entstand die Idee auf dem Grundstück des Slums eine neue Stadt zu errichten. Unterstützt wird das Projekt von der Unesco-Sonderbotschafterin und Gründerin der „YOU Stiftung – Bildung für Kinder in Not“ Ute-Henriette Ohoven. Sie ist auch Honorarkonsulin des Senegals. Sie konnte Senegals Präsidenten Maki Sall davon überzeugen, dass Grundstück nicht zu verkaufen.

Gleichzeitig kam Ohoven auf der Suche nach Architekten 2015 auf den Bund Deutscher Architekten (BDA) zu. Der BDA Düsseldorf schrieb daraufhin unter der Leitung von Bruno Braun einen Wettbewerb aus. So konnte Jochen Schuster, Professor der Peter Berends School of Arts (PBSA) an der Hochschule Düsseldorf begeistert werden.

120 Studenten haben an Ausschreibung teilgenommen

An der Ausschreibung nahmen rund 120 Studenten teil, neun Sieger gingen schließlich aus diesem städtebaulichen Wettbewerb an der Hochschule Düsseldorf hervor. Doch damit ging es für die jungen Leute erst los. 2016 reisten sie zum ersten Mal nach Dakar. Alle Schritte für Baugenehmigungen wurden geprüft, ein „städtebaulicher Masterplan erarbeitet“, so Braun. Zurück in Düsseldorf arbeiteten die Studenten weiter an den Plänen und machten sie genehmigungsfähig.

Doch nicht nur Behördengänge samt Bürokratiewahnsinn waren nahezu neu für die Studenten. Vielmehr mussten sie sich in die Kultur und das Leben der Menschen vor Ort reindenken. Denn sie wollten ihnen „auf jeden Fall was Gutes tun“, so Jens Lawrinowycz. Bisher waren die Hütten aufs Minimum reduziert, lediglich drei Wasserstellen standen zur Verfügung, sanitäre Anlagen waren nicht vorhanden.

Bei den neuen Wohnungen stehen hingegen pro Person sechs Quadratmeter zur Verfügung, jede Wohnung hat eine Dusche, ein WC und eine Küche. So steht einer zehnköpfigen Familie eine 60-Quadratmeter-Wohnung zur Verfügung. Es scheint wenig, doch auch hierzulande sei das „Standard für Wohnungen für Flüchtlinge“, so Braun. Bei der Aufteilung der Wohnungen musste ebenfalls einiges berücksichtigt werden. So dürfen etwa Jungen und Mädchen in dem muslimisch geprägten Land nicht in einem Zimmer schlafen.

Orte der Kommunikation geschaffen

Finanziell unterstützt wird das Projekt neben der YOU Stiftung auch durch den ägyptischen Investor Samih Sawiris mit seiner Firma Orascom. Laut Braun habe das Projekt ungefähr vier Millionen Euro gekostet. Während die Bewohner zu den Besitzern der Wohnungen werden und nur einen symbolischen Preis zahlen müssen, bekommt Investor Sawiris einen Randteil des Grundstücks. Dort kann er selbst Immobilien errichten, so Braun.

Doch nicht nur die Wohnungen zu entwerfen stellte die Studenten vor Herausforderung. Auch der „sozial-ökonomische Aspekt“ musste bedacht werden, so Studentin Gina Böhmer. Denn die Häuser erstrecken sich über mehrere Geschosse in die Höhe. Die Menschen waren jedoch ein Leben „nebeneinander, Tür an Tür“ gewohnt. Daher sei es umso wichtiger, „Orte der Kommunikation“ zu schaffen, so Bruno Braun. Das habe man durch „Hofbildungen“ erreicht. Gleichzeitig besteht für die Menschen weiterhin die Möglichkeit Werkstätten oder Stände aufzubauen.

Bürgerversammlung vor Ort

Um ein bessere Gefühl für das Leben im Senegal zu bekommen, haben die Studenten bei ihren zwei Besuchen Gespräche gesucht. Auch eine Bürgerversammlung gab es. Die Resonanz auf das Vorhaben seien durchweg positiv ausgefallen, resümiert Student Till Grützner. „Die Leute haben oft gesagt: ‘Wir wollen auch so wohnen wie die.’“ Mit „die“ waren die Senegalesen gemeint.

Und bald ist es auch für die Slum-Bewohner so weit: der erste Bauabschnitt für 700 Bewohner ist fast fertig. Der zweite Bauabschnitt soll nächstes Jahr fertig werden. Und das Fazit von Professor Schuster? „Es ist wichtig für die Studenten zu sehen, dass man als Architekt etwas bewegen kann.“ Gleichzeitig habe das Projekt Auswirkungen auf das Denken der Studenten und ihre Sicht auf Flüchtlinge.

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