Zauberei

Düsseldorfer Zauberkünstler „Felix“ verblüfft sein Publikum

„Felix“ spielt in seinem Zauberzimmer in Düsseldorf-Grafenberg mit dem Feuer

„Felix“ spielt in seinem Zauberzimmer in Düsseldorf-Grafenberg mit dem Feuer

Foto: Paul Stawinoga

Düsseldorf.   Der 57-jährige Achim Hollenberg war schon als Kind von magischer Unterhaltung begeistert. Jetzt hat er sein Hobby zum Beruf gemacht.

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Bereits beim Betreten seines Arbeitszimmers in seiner Grafenberger Wohnung fällt auf, dass der Achim Hollenberg (57) kein normaler Berufsmensch ist. Zwar muss er noch eifrig seine letzte Mail zu Ende schreiben, um einen Geschäftstermin, wie man ihn sich normalerweise vorstellt, geht es dabei aber nicht.

Beim Umschauen im „Büro“ fallen einem einige auffällige Gegenstände ins Auge: Klassisch anmutende Sitzmöbel aus Leder, ein Regal voller alter seltsamer Zauberbücher und ein eleganter Zauberkasten mit Hut und Zauberstab. Achim Hollenberg, der sich „Felix“ (der Glückliche) nennt, ist Zauberer.

Eine wiederentdeckte Leidenschaft

Die Zauberei ist für ihn eine wiederentdeckte Leidenschaft: Schon mit 13 Jahren übte er seine ersten Tricks mit dem Zauberkasten, den ihm seine Oma zu Weihnachten schenkte – sein erster Auftritt im Altenheim brachte ihm 20 DM ein, von denen er, so wünschte es seine Mutter, die Hälfte an die Kirche spenden sollte: Danach war seine Mutter nie wieder bei einem Auftritt dabei. Mit der Pubertät sank sein Interesse an den Zauberkünsten etwas: „Da waren Mädels und Mopeds wichtiger“, so Hollenberg.

Felix musste als „Zauberschüler“ Geschichte lernen

Als BWL-Student chronisch knapp bei Kasse, brauchte Hollenberg eine Studienfinanzierung – was lag da näher als dem „Magischen Zirkel von Deutschland“ beizutreten, einen Lehrmeister an die Seite zu bekommen und ein Jahr eifrig für die Aufnahmeprüfung zu lernen, um sich mit der Magie etwas dazu zu verdienen. Für die Prüfung müssen nicht nur Zaubertricks vorgeführt, sondern auch Wissen über die Geschichte der Zauberei gepaukt werden.

Dass er davon noch immer einiges auf dem Kasten hat, beweist er: Er erzählt vom Westcar-Papyrus, den mehr als 3000 Jahre alten Schriftrollen aus Ägypten, auf denen von Zauberei zu lesen ist und den mittelalterlichen Gauklern, die auf Marktplätzen das Volk unterhielten. Eine Ära, die eher als „Blütezeit der Zauberkunst“ bezeichnet, hat es ihm aber besonders angetan: das 19. Jahrhundert, in dem Adel und Großbürgertum sich gern vom eleganten Zauberer im Frack unterhielten ließen. Viele seiner heute noch erfolgreich angewendeten Techniken stammen aus dieser Zeit. „Ich selbst trete immer im Frack auf – nur so kann ich in meine Rolle schlüpfen und mich dabei wohlfühlen. Ich mag den Retro-Style“, so beschreibt sich Hollenberg selbst, der sich der Zauberertradition verpflichtet fühlt.

Zauberer – Menschen wie du und ich

Nach den anderen Zauberern des Zirkels gefragt, von denen es laut Hollenberg 2200 in Deutschland gibt, sagt er: „Die Zauberer sind Menschen wie du und ich. Sie kommen aus allen Berufsgruppen“ Obwohl Frauen schon seit 1950 Mitglieder werden können, sind sie deutlich in der Unterzahl, es handele sich um eine Männerdomäne. Eine mögliche Erklärung, die Hollenberg parat hält, lautet so: „In jedem Manne steckt ein Kind, in jedem Zauberer stecken zwei.“

Nach dem Studium war es für Hollenberg vorbei mit der Zauberei: „Ich startete eine bürgerliche Karriere und war 16 Jahre lang Geschäftsführer einer Werbeagentur“ – ein Job, der ihn teils mit 12-Stunden-Tagen belastete. „Vor ein paar Jahren stand ich mit Mitte 50 kurz vor dem Burn-Out. Meine Frau überzeugte mich, wieder mit dem Zaubern anzufangen.“

Von der Werbeagentur zum Berufszauberer

So kam es, dass Hollenberg 2016 sogar seine Arbeit hinschmiss und sich hauptberuflich der Zauberartistik zuwandte. Beim Arbeitsamt war man damals sehr erstaunt: „Vom Beruf des Zauberkünstlers hatten die da noch nichts gehört.“ Seine betriebswirtschaftliche Vorgeschichte halt ihm dabei, einen Business-Plan zu erarbeiten und sich Existenzfördermittel für die Selbstständigkeit zu sichern. Seitdem verzaubert Felix bei etwa 60 Auftritten im Jahr sein Publikum – etwa auf Firmenfeiern, runden Geburtstagen und Hochzeiten. „Wenn ich in meine Rolle schlüpfe, lege ich den Schalter um. Danach fühle ich mich jedes Mal wie ein Weltmeister, egal wie es mir vorher ging.“ Zwischen ihm selbst und seinem Alter Ego zieht Felix viele Parallelen: „Ich bin immer optimistisch, freundlich und kommunikativ. Vor Publikum bin ich aber eher die aktive Rampensau, während ich im Privaten auch gern mal ein ruhiger Zuhörer bin.“

Auf der großen Bühne fühlt sich Felix wohl

Auf die Frage, was ihn von anderen Zauberern unterscheide, erläutert er, wie sehr der Erfolg seine Shows auf Schlagfertigkeit und Wortwitz beruhen – immer im Dialog, angepasst an das spezifische Publikum. „Einmal wurde ich von einem Kollegen sogar als Thomas Gottschalk der Zauberkunst bezeichnet.“

Nach seinen Geschichten führt Hollenberg, nun in seiner Rolle als Felix, einige Zauberstücke vor: Mehrmals weiß er, ohne hinzuschauen, in welcher Hand Geldstück und in welcher Geldschein versteckt ist und welche Augenzahl unter dem Becher ausgewürfelt wurde – Trefferquote 100 Prozent. Wie er all das macht, kann er nicht verraten, nur dass es mit viel Übung und Geschicklichkeit verbunden ist: „Um das Becherspiel, bei dem kleine Kugeln und Früchte wie von Zauberhand unter einem Becher auftauchen und verschwinden, sicher zu meistern, brauchte ich mehrere Jahre.“

Geheimhaltung der Tricks vor Muggeln

Kern der „magischen Gemeinschaft“ ist die Geheimhaltung der Techniken vor Nicht-Eingeweihten, die Felix, wohl in Anlehnung an die Harry-Potter-Romane, „Muggel“ nennt – Veranstaltungen, Zeitschriften und passwortgeschützte Onlineseiten sind exklusiv den Mitgliedern des Zirkels zugänglich, nur selten dringt etwas nach außen.

Freude über Opas Zaubertricks

Heute lebt Felix seinen Künstlernamen voll und ganz: Sein Mehr an Freizeit verbringt er am liebsten mit der Familie. Er genießt, wie sich seine Enkeltochter jedes Mal über Opas Zaubertricks freut. Seinen alten Beruf vermisse er nicht: „Ich habe den Schritt null bereut.“

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