Jubiläum

Düsseldorfs Kult-Bäckerei wird 125 Jahre alt

Jean Hinkel und Familie zur Silberhochzeit.

Jean Hinkel und Familie zur Silberhochzeit.

Foto: Privat

Düsseldorf.   Josef Hinkel übernahm die Bäckerei in der vierten Generation. Mittlerweile werden täglich rund 2500 Brote in der Backstube gebacken. Seine Nachfolge ist auch schon gesichert.

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Seine erste Backstube eröffnete Jean Hinkel 1891 im Herzen der Düsseldorfer Innenstadt an der Grünstraße nahe der Kö. Seitdem kann die Bäckerdynastie Hinkel auf traditionsreiche 125 Jahre Backkultur zurückblicken. Jean Hinkel war ein Fachmann im Bäckerhandwerk und bekam für sein Gebäck seit 1895 immer wieder Goldmedaillen verliehen. Das Rezept für seine Printe ist bis heute überliefert und wird inzwischen in der vierten Generation allen Liebhabern im ganzen Jahr angeboten.

1928, eine Generation weiter, machte sich der Sohn Johannes Hinkel als Bäckermeister selbstständig und wagte den Schritt in die Altstadt an den Burgplatz, wo er sich schnell einen unter den Brötchenbäckern einen Namen machte. Die Wirren des zweiten Weltkrieges verschlugen Johannes mit seiner Backstube auf die Mittelstraße, wo er eine Notbäckerei zur Ernährung der Bevölkerung einrichtete.

1956 übernahm Karl Josef Hinkel die Geschäftsstelle an der Mittelstraße und eröffnete dort seine Bäckerei der Brotfreunde. Neben der Erfindung eines Wassermischgeräts für Nachtbäcker, welches heute in moderner Form viele „Nachfahren“ bekommen hat, entwickelte Karl Josef das kleine Küken mit Brezel im Schnabel, ein Markenzeichen, dass noch heute für die Bäckerei Hinkel steht.

Hinkel wird international bekannt

1988 übernahm Josef Hinkel, der heutige Geschäftsführer, die elterliche Bäckerei und führte die Philosophie des Vaters fort: Auch er beschränkte sich auf sein Kerngeschäft, die Brotbäckerei. Diese Entscheidung öffnete die Türe für eine Fülle von Brotspezialitäten, wie man es sich kaum vorstellen kann. Bereits Anfang der 1990er Jahre findet die Bäckerei der Brotfreunde ihren Weg in internationale Reiseführer. Fachleute aus aller Welt, Mitglieder von bedeutenden Königshäusern und hochrangige kirchliche Vertreter besuchen die Backstube und lassen sich inspirieren.

Die beiden Läden Hinkels in der Innenstadt sind nie leer – und samstags rappelvoll. Dann stehen Kunden aus Düsseldorf geduldig in der Schlange, um Brot von Hinkel zu kaufen: „Ich stehe mit dem Herzen zu meinem Produkt“, sagt der Bäckermeister aus der vierten Generation.

Deutschland war schon immer für die Vielfalt von Broten bekannt: „Wir sind traditionell ein Schmelztiegel von Kulturen und Völkern gewesen und das spiegelt sich heute in unserer Brot-Vielfalt wider“, erzählt der Traditionsbäcker. Das Angebot ist riesig, bis zu 60 verschiedene Brot-Sorten produziert die Altstadt-Bäckerei. Rund 30 Bäcker arbeiten mittlerweile in der Backstube an der Hohestraße , täglich verbacken sie 2,5 Tonnen Mehl. Daraus entstehen neben zahlreichen Brötchen und groben Kuchensorten wie der bekannte Streuselkuchen, allein 2500 Brote, am liebsten mit kräftiger Kruste.

Die Zukunft der Bäckerei ist gesichert

Konditor-Ware wie feine Kuchensorten oder Torten sucht man in Hinkels Laden vergeblich. Auch belegte Brötchen und den neudeutschen „Coffee to go“ gibt es dort nicht. Bewusst verzichtet der Düsseldorfer Jung auch auf weitere Filialen. Josef Hinkel, der Obermeister der Düsseldorfer Bäckerinnung Denn Hinkel konzentriert sich auf das Wesentliche: Brot backen! „Die Kunst beim Backen ist, jeden Tag eine geile Leistung zu bringen“, erzählt Hinkel.

Vergangenes Jahr kündigte Tochter Sophie Hinkel an, den elterlichen Betrieb übernehmen zu wollen und studiert derzeit BWL. Auch unter ihren jüngeren Geschwistern gibt es Interessierte. So oder so – Für die Bäckerei der Brotfreunde wird es also auch in der fünften Generation eine Zukunft in Düsseldorf geben.

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