Straßengeschichten

Düsseldorfs längst Straße ist fast 13 Kilometer lang

Thema: Verkehrsbehinderungen durch Schneemassen auf den Straßen von NRW Straßenschild in Düsseldorf Bilder : Jakob Studnar

Thema: Verkehrsbehinderungen durch Schneemassen auf den Straßen von NRW Straßenschild in Düsseldorf Bilder : Jakob Studnar

Foto: STUDNAR, Jakob

Düsseldorf.   Straßennamen sind schon zuweilen kurios – gerade in einer so großen Stadt wie Düsseldorf gibt’s einiges zu schmunzeln.

Düsseldorf ist eine wachsende Stadt – und das macht sie auch bei den Verkehrswegen bemerkbar. Über das gesamte Stadtgebiet verlaufen gut 3439 Straßen und Plätze – so der Stand 2016. Und es werden immer mehr. Über gut 1200 Kilometer erstreckt sich das Straßen- und Wegenetz mit etwa 200 Zebrastreifen. Doch die NRW-Landeshauptstadt hat noch einiges mehr zu bieten in der Straßengeschichte – zum Beispiel in Form der Bergischen Landstraße.

Denn diese Straße besitzt die höchste Hausnummer. Das leerstehende Gebäude einer früheren Forellenzucht in Hubbelrath hat die Anschrift „Bergische Landstraße 699“. Laut Liegenschaftsamt gibt es auf der Bergischen Landstraße sogar eine noch höhere Hausnummer – die 702. Somit wäre das die höchste Hausnummer in Düsseldorf. Und nicht nur das: mit ihren gut 8205 Metern Länge ist sie immerhin die zweit längste Straße der Stadt. Übertroffen wird sie nur noch von der Münchener Straße (Zubringer von Garath bis Südring), die mit 12,9 Kilometern die mit Abstand längste Straße der Stadt ist.

Es gibt auch Straßen und Plätz ohne Hausnummern

In der Landeshauptstadt existieren auch Straßen oder Plätze ganz ohne Hausnummern. Bestes Beispiel dafür ist das Beginengässchen in Gerresheim. Der mit nur 29 Metern lange Durchgang zwischen zwei Häusern am Gerricusplatz gehört zudem sicher auch zu einer der kürzesten Straßen. Nur wenig länger ist die Helgolandstraße in Unterrath mit knapp 40 Metern.

Manche Straßen wiederum ziert eine einzige Hausnummer, die Nummer „1“. Dazu gehören der Apollo-Platz und der Gerresheimer Aloys-Odenthal-Platz.

Die ältesten Straßen- und Wegebenennungen orientierten sich etwa an sogenannten Flur- und Gewannbezeichnungen. Unter Flur verstand man zunächst das landwirtschaftlich genutzte Feld, später dann die Gemarkung, also die zu einer Gemeinde gehörenden Grundstücke. Um jedoch bestimmte Örtlichkeiten zu kennzeichnen, machte man sich besondere Merkmale der Landschaft zu nutzen. So hat die Straße „Am Krausen Baum“ in Wittlaer wohl ihren Namen einem bizarr gewachsenen Baum zu verdanken, wie Hermann Kleinfeld in seinem Buch über die Düsseldorfer Straßen und ihre Benennungen vermutet.

Kirchenreinigung gleich Ackernutzung

Zu den Straßen mit Geschichte gehört sicher auch „Am Kehrbesen“ (Wittlaer). Dieser vielleicht etwas verstaubt klingende Name, hat auch eine Bedeutung. Die Flurbezeichnung gab es bereits seit 1663 für einen Acker, dessen Nutzung derjenige zugetragen bekam, der zugleich für die Kirchenreinigung sorgte. Der Name „Am Schnepfenhof“ (Düsseltal) hingegen leitet sich nicht etwa von einer garstigen Frau ab, sondern schlichtweg vom Waldvogel.

Die rheinische Frohnatur dürfte sich wohl am Namen „Am Schabernack“ (Eller) erfreuen. Doch dieser leitet sich wahrscheinlich von „am scharpen Nacken“ ab, was wiederum für eine scharfe Krümmung steht.

Die älteste Straße ist verschwunden

Die wohl älteste Straße Düsseldorfs hingegen war die „Krämerstraße“ in der Altstadt, wie Benedikt Mauer, Leiter des Stadtarchivs verrät. Düsseldorf bekam 1288 das Stadtrecht, doch diese Straße dürfte bereits vorher in irgendeiner Form vorhanden gewesen sein. „Dort hatten damals Händler, Krämer und Kaufleute ihre Läden“, erläutert Mauer weiter. Auch die Markt- und Schlachthallen befanden sich dort. „Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Straße allerdings erhebliche Schäden“, sagt der Leiter. Dortige Häuserzeilen seien nicht mehr aufgebaut worden, die heutigen dort sichtbaren Backsteinhäusern wurde um 1963 erbaut und gehören der Pfarrgemeinde St. Lambertus. Letzten Ende wurde der Straßenname per Ratsbeschluss am 28. März 1968 aufgehoben.

Bemerkenswert ist aber auch die Zahl der untergegangenen Straßennamen, die etwa Um- und Neubenennungen zum Opfer gefallen sind. Davon soll es rund 600 geben.

Und noch etwas ist interessant: 27 Prozent der Straßen sind nach Männern bemannt, nur 3 Prozent nach Frauen. Die restlichen 70 Prozent sind nicht Personenbezogen.

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