Coronavirus

Corona: Düsseldorfs OB Geisel gegen den Rest der Welt

Sieht sich auch als Krisenmanager: OB Geisel auf dem Weg zur einer Pressekonferenz im Rahmen der Coronakrise.

Sieht sich auch als Krisenmanager: OB Geisel auf dem Weg zur einer Pressekonferenz im Rahmen der Coronakrise.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Düsseldorf.  Düsseldorfs OB Thomas Geisel hat sich mit einem Beitrag zur Corona-Krise harsche Kritik eingehandelt. So reagierte die Politik auf die Aussagen.

Seit einigen Tagen stagnierten in Düsseldorf die Zahlen bei den Infizierten. Vielleicht ein Grund, warum sich Oberbürgermeister Thomas Geisel in einem Gastbeitrag der Rheinischen Post weit aus dem Fenster gelegt hat.

Der Rathauschef hat vor einem Generationenkonflikt in der Corona-Krise gewarnt und eine Lockerung der Kontaktverbote angemahnt. „Ich befürchte, lange wird unser Land einen nahezu vollständigen Shutdown nicht überstehen“, schrieb Geisel am Mittwoch in dem Beitrag und wies auf die enormen wirtschaftlichen Folgen – und die offenbar kalkulierbaren Gefahren des Corona-Virus hin:

„Es geht nicht, dass wir auf unabsehbare Zeit das gesamte öffentliche Leben stilllegen und die Bevölkerung in Quarantäne nehmen. Wir müssen gezielt diejenigen schützen, für die eine Infektion mit dem Virus gefährlich ist“, sagte Geisel weiter. Zudem warnte der OB vor einem Konflikt der Generationen. Es sei zu befürchten, dass junge Menschen zunehmend gegen die Maßnahme rebellierten.

Kritik an Thomas Geisel: Eines OBs „nicht würdig“

Sein Vorstoß schlägt hohe Wellen in den politischen Kreisen. Der Düsseldorfer CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Lehne sagt, Geisel würde Ängste der Menschen weiter schüren und die junge Generation gegen die ältere Bevölkerung ausspielen. „Dies ist eines Oberbürgermeisters nicht würdig“, so Lehne. „Anstatt den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt Mut zuzusprechen und zu signalisieren, dass wir mit Solidarität und Zusammenhalt diese Krise meistern werden, zweifelt er die bisher von Bund und Ländern getroffenen Maßnahmen an.“

Auch der Düsseldorfer Fraktionschef Rolf Tups kritisiert den OB scharf: „Wir halten es für unverantwortlich, dass OB Geisel den Eindruck erweckt, die Situation sei harmlos. Aktuell ist wichtig, dass unser Gesundheitssystem stabil bleibt. Deshalb sollten sich alle Düsseldorferinnen und Düsseldorfer unbedingt an die Regeln halten. Die derzeitige Krise können wir meistern, wenn wir aufeinander achten, zusammenhalten und zuversichtlich bleiben.“

Linke: Probleme, wenn ein Schuljahr nicht durchgezogen werden kann

Der Kreisvorsitzende der Linke, Udo Bonn, verweist auf den „Schutz des Lebens“. Die bisherigen Maßnahmen seien gemacht worden, um eine Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Diesen Ansatz aufzugeben sei problematisch. „Ich würde es nicht wagen, dass für richtig zu halten, was der OB angesprochen hat“, so Bonn. Erst nach eingängiger Bewertung von Wissenschaftlern könne man über eine Öffnung der Maßnahmen nachdenken. Das sei aber noch nicht möglich. „Dafür hätten wir früher mit dem Durchtesten der Bürger anfangen müssen“, so Bonn.

Es sei jedoch auch problematisch wenn ein Schuljahr nicht durchgezogen werden kann. „Das geht eigentlich gar nicht. Vor allem müssen ja auch die nachwachsenden Kindern beschult werden und haben Anspruch darauf“, so Bonn weiter.

Die OB-Kandidatin und FDP-Frau Marie-Agnes Strack-Zimmermann hält es zwar für wichtig, dass die Menschen eine Perspektive haben. „Es ist eine hohe Belastung für die Menschen, so weit teile ich das“, so Strack-Zimmermann. Dennoch sei der Zeitpunkt der OB-Aussage vollkommen falsch gewählt. „Die Kontaktsperre gilt erst wenige Tage, und wir verlangen allen Disziplin ab. Da kann es nicht sein, dass der OB die Pandemie relativiert und ihm das jetzt schon alles lästig ist“, so Strack-Zimmermann. Für die Zukunft vorstellbar sei jedoch laut Strack-Zimmermann, dass die Maßnahmen nach und nach aufgehoben werden könnten. Eine Möglichkeit wäre auch, nach den Osterferien zunächst die Schüler der Oberstufen wieder in die Schule zu schicken und langsam die Maßnahmen aufzubrechen.

OB-Kandidatin: „Unmenschlich“, Bürger in Gruppen aufzuteilen

Gleichzeitig sei es auch „unmenschlich“, so die FDP-Frontfrau die Bürger in Gruppen aufzuteilen. „Wer will das entscheiden, wer zuhause bleiben soll und wer nicht Wer will die Risikogruppen genau identifizieren?“

Kurz und klar fasst sich Stefan Engstfeld, der OB-Kandidat der Düsseldorfer Grünen: „Wer in solchen Zeiten versucht, Alt gegen Jung auszuspielen, spielt mit dem Feuer. Wir kommen nur gemeinsam aus der Krise, nicht mit einem gespaltenen Land“, so Engstfeld.

Die Fraktion Tierschutz/Freie Wähler hat den OB gar zum Rücktritt aufgefordert. Deren Geschäftsführer Torsten Lemmer fragt: „Ist für ihn der Schutz aller Düsseldorfer, insbesondere derer, die vor erkrankt sind unwichtiger, als die wirtschaftlichen Folgen?“ Geisel haber sich „als Chef der Verwaltung von rund 10.000 Bediensteten und erster Bürger von rund 640.000 Düsseldorfern disqualifiziert“.

Coronavirus: 289 Düsseldorferinnen sind infiziert

Mit Stand Mittwoch, 25. März, 16 Uhr, gibt es insgesamt 289 Düsseldorferinnen und Düsseldorfer, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert wurde. Davon werden (Stand: 8 Uhr) 37 in Krankenhäusern behandelt, davon zwölf auf Intensivstationen, rund 400 Menschen befinden sich noch in häuslicher Quarantäne. Am Mittwoch wurden zudem 113 Abstriche im Diagnostikzentrum vorgenommen, hinzu kommen 19 mobile Abstriche. Im Drive-In-Testzentrum wurden am zweiten Einsatztag bis 16 Uhr insgesamt 79 Abstriche vorgenommen

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