Rheinbahn

Düsseldorfs Silberpfeile - die teuerste Reparatur aller Zeiten

Foto: WNM / sergej lepke

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Düsseldorf. Kaum eine Stadt hat so viele Straßenbahnen des Modells "Combino" wie Düsseldorf. Doch so schön das Siemens-Produkt ist, so anfällig ist es auch. Schon zwölf der "Silberpfeile" mussten repariert werden. Der Grund: ein Rechenfehler.

Die Straßenbahn fährt fast so als wäre sie auf Watte gebettet. Ruhig liegt der Silberpfeil in der Kurve, er rumpelt kaum noch, neue Dämpfer an den Gelenken sorgen für ein deutlich besseres Fahrgefühl. Die Niederflurbahn mit der Wagen-Nummer 2026, rollt im Heerdter Betriebshof planmäßig vom Tieflader aufs Gleis. Es ist der letzte Zug der vom Pech verfolgten „Combino”-Baureihe, der in Europa auf der Mängelliste stand. Abgehakt.

Hans-Joachim Fischer, der Mann, der für die Reparatur von weltweit fast 500 Straßenbahnen dieses Typs verantwortlich ist, flog extra von China nach Düsseldorf, um mit heiterer Miene auch ohne Worte jedem deutlich zu machen: „Wir haben es geschafft!” Der bisher größte Sanierungsfall, der den Konzern Siemens fast eine halbe Milliarde Euro kostet, ist wenigstens auf diesem Kontinent abgeschlossen - zuletzt in Düsseldorf. Allein in die Reparatur der 51 silbernen Rheinbahn-Züge musste Siemens rund 50 Milllionen Euro investieren.

Es klang wie eine Erfolgsstory

Die Rheinbahn ist einer der größten Kunden. Nur Amsterdam (151) und Melbourne (59) hatten damals mehr Züge dieses Pannen-Typs bestellt. Als 2000 die ersten „Silberpfeile” nach Düsseldorf ausgeliefert wurden, war man sofort von der Eleganz dieses Zuges überzeugt. Es war die erste Bahn, ohne eine einzige Trittstufe! Es klang wie eine Erfolgsstory - bis zu dem Moment, als Siemens im Frühjahr 2004 eine Warnmeldung abschickte und von Rissen in Karosserien berichtete.

Hier wurden an zwölf Silberpfeilen kleine Bruchstellen entdeckt. Die Züge wurden zeitweise aus dem Verkehr gezogen, der damalige Rheinbahn-Chef Herbert Felz verstand die Welt nicht mehr: „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passieren kann.”

Der Grund war eine falsche Lasten-Berechnung bei der Planung - überspitzt gesagt: ein Rechenfehler. Die Züge waren auf Dauer nicht stabil genug. Sie ruckelten, zu starke Gegenkräfte belasteten die Karosserie.

1,5 Tonnen mehr Gewicht

Deshalb diese riesige globale Rückruf-Aktion, die hier erst im Frühjahr 2008 begann. Der Silberpfeil „2026”, der vor drei Monaten noch im Liniendienst nach Vennhausen fuhr, war der letzte, der in das Siemens-Werk nach Uerdingen transportiert und bis auf das Skelett zerlegt wurde. Die beanstandeten Schraubverbindungen wurden durch hunderte Schweißnähte ersetzt, der Rahmen der Fahrzeugkabine verstärkt, der Zug zusätzlich gefedert. Jetzt ist er 1,5 Tonnen schwerer, aber dafür hält er die nächsten Jahrzehnte.

Die Flotte wird jünger. Bis 2012 ist die Auslieferung der 76 neuen U-Bahnen abgeschlossen. Bis dahin haben die alten gelben und rot-weißen Straßenbahnen endgültig ausgedient. Zumindest hier. 28 dieser Züge wurden jetzt nach Krakau verkauft. Ein Millionengeschäft.

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