Ein Haus voller Geheimnisse

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ARCHÄOLOGIE. Die Restaurierung von Haus Unterbach und dem Weyhe-Park fördert immer neue Überraschungen zu Tage.

ERKRATH. Haus Unterbach ist noch immer für Überraschungen gut - obwohl die ehrenamtlichen Archäologen des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege es zu kennen glaubten: Das Herrenhaus ist im Kern nicht, wie angenommen, im 19. Jahrhundert gebaut worden. Zwar wird der Ort bereits seit rund 1000 Jahren besiedelt. Doch das aktuelle Herrenhaus wurde auf das 19. Jahrhundert datiert - bislang.

Als bei den aktuellen Sanierungsarbeiten der Putz abgeklopft wurde, kam zur Verblüffung der Fachleute ein mittelalterliches Ständer-Fachwerk zum Vorschein. Gaby und Peter Schulenberg, die zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe Düsseldorf/Kreis Mettmann das Haus seit 1992 betreuen, erläutern, was das bedeutet: Mehrere senkrechte lange Eichenbalken tragen das Haus, die Geschosse werden daran aufgehängt. Eine weitere Überraschung: Im Inneren des Hauses, das derzeit nicht bewohnt ist und nur zur Sanierung betreten werden kann, wurden barocke Fußböden freigelegt. Einiges von Haus Unterbach als sicher Geglaubtes muss nun neu geschrieben werden.

Der Beschluss, dem von Weyhe geplanten Park sein ursprüngliches Gesicht zurückzugeben, hat zu einer Reihe weiterer Funde geführt. Gartenarchitekt Maximilian Weyhe (1775 bis 1846) hat ein ausgeklügeltes Wassersystem erdacht. Nach und nach legen die Archäologen es nun frei - sie können nur in der kalten Jahreszeit arbeiten, respektieren die Brutzeit der Vögel. "Die Teiche waren zugewuchert und völlig verschattet, biologisch tot", erläutert Peter Schulenberg. Nun, nach zwei Jahren Arbeit, nach Entschlammung und etlichen Fällungen, siedelt sich wieder Leben hier an. Doch das alte System funktioniert noch nicht perfekt. Teile des Wassergrabens sind nach wie vor trocken, es liegt noch viel Arbeit an.

Um die Gräben entschlammen zu können, wurde der Wasserspiegel gesenkt. Zum Vorschein kamen Anlagen, die in Vergessenheit geraten waren - und die noch immer tadellos funktionieren. Ein steinernes Brücken-Stauwehr ist gerettet, weil der sanierende Gartenarchitekt rechtzeitig den Bagger stoppte: Er hatte es auf Weyhes Plan aus dem Jahr 1817 entdeckt und vorsichtig freigelegt. Es ist zum Teil aus Steinplatten gebaut, die aus der ehemaligen Burg stammen. Man ging sparsam mit Baumaterial um, seinerzeit. Ein Grundablass aus Eichenholz, samt Verschluss, vergleichbar mit dem Stöpsel in einer Badewanne, sitzt noch nach 180 Jahren dicht. Wird er gezogen, laufen Teile des Grabesystems leer. Ein zweites Stauwehr aus Feldbrandziegeln tauchte auf, ebenfalls funktionstüchtig.

Der Schlamm des Burggrabens erwies sich für die Archäologen als Goldgrube: Sie fanden Keramikbruch aus der Zeit zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert. Besonders spannend für die Forscher: ein Siegburger Trichterhalsbecher mit den Wappen der Margarete Quad zu Wickrath und Schwanenberg und des Johann Wilhelm von Harff zu Alsdorf und Geilenkirchen. Margarete und Wilhelm heirateten 1481, es muss sich um individuell in Auftrag gegebenen Hochzeitsbecher handeln. Das Ehepaar lebte nicht in Haus Unterbach, dafür aber die Verwandschaft, die Familie Quad.

Trotz vieler interessanter Funde, es fehlt die Kapelle. Hans Brors hat 1910 in seiner "ortsgeschichtlichen Plauderei" eine Stelle im südlichen Gelände markiert, "Kapelle, 1809 abgebrochen".

Das lässt den Archäologen keine Ruhe. Ein Glöckchen, das jetzt die Giebel des Herrenhauses ziert, trägt die Zahl 1444. Brors hatte die Theorie, dass die Glocke zur Kapelle gehörte und 1444 geweiht wurde. Sie taucht immer wieder einmal in alten Papieren auf - das älteste ist eine Urkunde von 1484. Doch ihre Spuren sind bis heute aus Papier. Die Hoffnung, mit der Restaurierung des Parks auch das Fundament der Kapelle zum Vorschein zu bringen, hat sich bis heute nicht erfüllt. Die Suche nach der kleinen Kapelle geht weiter.

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