Ein Ort des Segens und der Hoffnung

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NEUERUNG. Auf dem erweiterten evangelischen Friedhof in Reusrath sind pflegearme Bestattungsformen möglich.

LANGENFELD. Ein Ort des Schreckens? Endstation? Oder ein Ort der Hoffnung? - Welche Bedeutung hat ein Friedhof? Pfarrer Volker Raettig und Besucher beteten gestern dafür, dass die gerade erst erweiterte Anlage der evangelischen Kirche an der Reusrather Straße mit ihrem neuen Kolumbarium "ein Ort des Segens" sein möge. Rund 456 000 Euro hat die Gemeinde dafür aufzubringen. "Fördergelder bekommen wir nicht", erklärte Gemeindeamtsleiter Klaus Manz, "wir müssen dafür Grundstücke verkaufen." Das Areal, auf dem sich die neu angelegten Grabarten befinden, war früher eine Wiese. "Heidschnucken standen hier", erzählte Pfarrer Christof Bleckmann. Mit der Erweiterung bekommt der Friedhof nicht nur mehr Raum, sondern auch neue Möglichkeiten der Bestattung. Die Bauarbeiten begannen im Oktober 2007 und werden sich noch voraussichtlich bis Ende diesen Jahres hinziehen. Ein Betriebshof ist geplant. "Als Übergang benutzen wir einen Container für die Gerätschaften", erläuterte Manz.

Veränderungen in der Gesellschaft spürbar

Die Bäume auf der einstigen Weide sind stehen geblieben. Die Leichlinger Architektin Ilse Proksch hat sie in ihre Planungen integriert. Der Erweiterung ging ein langjähriger Werdegang voraus. Etliche Genehmigungen mussten vorliegen. Heidi Voerste berichtete: "Zwei Anläufe haben wir gebraucht. Ungefähr zehn Jahre hat das gedauert." Auch wenn auf der bisherigen Anlage keine Freiräume mehr zur Verfügung stehen - "wegen fehlender Kapazitäten war eine Erweiterung nicht zwingend notwendig", stellte die Sachbearbeiterin für den Friedhof klar. Anliegen war vielmehr, dass die evangelische Kirche neue Bestattungsformen anbieten wollte.

Das sind: 40 Urnenreihen- und 24 Urnenwahlgräber sowie 234 Urnengräber und etwa 36 Erdgräber, beide Möglichkeiten mit Dauerpflege. Hinzu kommt das Kolumbarium mit 104 Urnenkammern.

Diese Bestattungsform führte in Langenfeld als erster der Friedhof an der Richrather Straße ein. Die Nachfrage steigt, auch für das Kolumbarium auf dem evangelischen Friedhof in Reusrath liegen laut Voerste schon Anfragen vor. Die Expertin: "Eine Urnenkammer ist bereits vergeben."

Pfarrer Bleckmann stellt fest: "Die Friedhofskultur in Deutschland ist in erkennbarer Veränderung." Wo keine großen Familien mehr existieren, seien auch große Grabstätten nicht mehr angemessen. Ergo suchen die Menschen nach alternativen Bestattungsarten. Dabei kommt dem Pflegeaufwand ein großes Augenmerk zu. Nicht nur Alleinstehende stellen sich die Frage: "Wer kümmert sich nach meinem Tode um mein Grab?" Diese Sorge bringt die Menschen dazu, sich für pflegearme Grabarten zu entscheiden. "Zu den Veränderungen trägt die Mobilität der Gesellschaft erheblich bei", weiß Pfarrer Bleckmann. Der Aufwand der Grabpflege steige, wenn Angehörige eine lange Anreise zum Friedhof haben.

Verwaltung übernimmt Betreuung der Gräber

Beim Kolumbarium entfällt die Aufgabe, die Bepflanzung in Ordnung zu halten. Die Kammern haben einheitliche Schmuckplatten, in die die persönlichen Daten des Verstorbenen graviert werden.

Die Grabstellen für Urnen benötigen weniger Platz als Erdbestattungen im Sarg und bringen folglich weniger Pflegeaufwand mit sich. Manz erläuterte: "In Wahlgräbern können bis zu vier Urnen beigesetzt werden, in Reihengräbern ist es nur eine Urne." Hinterbliebene haben auch die Möglichkeit, die Betreuung an die Friedhofsverwaltung abzugeben. "Bei den Urnenreihengräbern mit Dauerpflege wird auf der Fläche Rasen eingesät, um den wir uns für die Dauer der Ruhefristen kümmern", so Manz. Er unterstrich, dass es sich bei dieser Bestattungsform keinesfalls um eine anonyme Beisetzung handelt: Auf einer Säule werden die Namen der Verstorbenen eingraviert. Die Reihengräber mit Dauerpflege sollen später Bodendecker zieren, die Grabplatten hat die Friedhofsverwaltung bereits gelegt. Auf dem evangelischen Friedhof in Reusrath können laut Klaus Manz auch problemlos Katholiken ihre letzte Ruhe finden.

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