Zirkus

Ein Zirkus kämpft in Düsseldorf ums Überleben

Silvano Neigert (15) führt in der Manege des Zirkus Altano als Jongleur eine beeindruckende Nummern auf. Der Zirkus ist bis Sonntag, 4. März, auf dem Schützenplatz an der Gerresheimer Landtraße in Unterbach zu Gast.    

Foto: Linda Wiethaus

Silvano Neigert (15) führt in der Manege des Zirkus Altano als Jongleur eine beeindruckende Nummern auf. Der Zirkus ist bis Sonntag, 4. März, auf dem Schützenplatz an der Gerresheimer Landtraße in Unterbach zu Gast.     Foto: Linda Wiethaus

Düsseldorf.   Der Zirkus Altano hat die Zelte in Düsseldorf-Unterbach aufgeschlagen. Chef Karl Neigert erzählt von den Sorgen, die Familie durchzubringen.

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Es ist ein täglicher Kampf um die Existenz: Der Wanderzirkus Altano ist seit fünf Generationen im Besitz der Familie Neigert und versucht sich bei steigenden Kosten für Vorstellungsplätze über Wasser zu halten.

Die ganze Familie arbeitet mit

„Ich wollte nie etwas anders machen, ich hänge an meinem Zirkus“, sagt Karl Neigert, „jeden Tag im Büro sitzen, das wäre nichts für mich“. Er ist im Zirkus groß geworden, hat von seinen Eltern alles mit auf den Weg bekommen und gibt es jetzt auch an seine Kinder weiter.

Der älteste Sohn Christian (32) ist Feuerschlucker, Tochter Justine (19) führt artistische Darbietungen auf, Silvano (15) ist Jongleur und koordiniert die Tiervorstellungen und der Jüngste, Richie (12), arbeitet mit den Clowns zusammen. Karl Neigert (48) und seine Frau turnen gemeinsam am Trapez. Früher präsentierte er in der Manege auch akrobatische Tricks wie Handstände und Saltos, aber heute nicht mehr: „Dafür bin ich zu alt.“

25 Leute arbeiten an der bunten Show

Zusätzlich engagiert die Familie Artisten und Akrobaten über eine Agentur. Insgesamt arbeiten 25 Leute an der bunten Show, die nachmittags in der Manege aufgeführt wird. Das Programm wird von der Familie abwechslungsreich gestaltet. „Wir ändern jeden Tag etwas“, so Karl Neigert. Zwei bis drei Mal im Jahr denken sie sich ein komplett neues Programm aus, mit dem sie dann durch Deutschland reisen.

Mobile Schule für Zirkuskinder

Die Zirkusleute sind so gut wie immer unterwegs, das macht es für die Kinder schwer, in die Schule zu gehen. „Ich bin immer da zur Schule gegangen, wo wir gerade mit dem Zirkus waren, das war für mich sehr schwer“, erinnert sich Karl Neigert. Bei seinen Kindern sieht das schon ganz anders aus: In NRW und in Hessen, wo die Familie ursprünglich her kommt, gibt es eine mobile Schule für Zirkuskinder, gefördert von der evangelischen Kirche. Mit einem Schulmobil fahren die Lehrer zu den Kindern und unterrichten sie vor Ort: „Das funktioniert sehr gut. Sie sind sehr flexibel, wenn bei uns etwas dazwischen kommt.“ Alle Kinder machen oder haben so einen Hauptschulabschluss gemacht.

Insgesamt spürt Karl Neigert eine große Veränderung im Zirkusgeschäft. „Viele der kleinen Zirkusse sterben in letzter Zeit aus“, sagt er. Das hat seiner Meinung nach zwei Gründe: Die hohen Kosten und Proteste von Tierschützern gegen die Tiere in der Manege.

Geld für neue Fahrzeuge fehlt

Mit den alten Lastwagen vom Zirkus Altano darf man in manche Städte wegen der ausgewiesenen Umweltzonen gar nicht erst hineinfahren. Aber Geld für neue Fahrzeuge hat die Familie Neigert auch nicht.

Hinzu kommen die steigenden Kosten für Veranstaltungsorte. „Wenn die Leute von der jeweiligen Stadt mich kennen, weil wir dort schon öfter gespielt haben, ist es leichter, einen Platz zu kriegen“, meint Neigert. Aber auch die Konkurrenz mit den großen Zirkussen ist belastend. Mit dem Schützenplatz in Unterbach hat es diese Probleme nicht gegeben: „Der Schützenverein war sehr großzügig, sie haben uns auch ohne Probleme an Wasser und Strom angeschlossen.“

Tierschützer machen „das Leben zur Hölle“

Ein ganz anders Problem für den Zirkus Altano sind die vielen Tierschützer, die finden, dass Tiere im Zirkus nicht artgerecht leben können. „Damit machen sie einem das Leben zur Hölle“, so Neigert. In seiner Show hatten sie früher auch Schimpansen, jetzt geht das nicht mehr: „Viele Städte wollen Zirkusse, die Wildtiere im Programm haben nicht auftreten lassen, Düsseldorf zum Beispiel auch nicht.“ Zum Zirkus Altano gehören Ponys, Hunde, Tauben, Ziegen und ein Lama. „Ohne die Tiere geht der Zirkus kaputt“, meint Neigert.

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