Stadtteil-Serie

Eine Gewerkschaft für die Siedlung Tannenhof

Die Anfänge: Straßenbau in der Siedlung Tannenhof. Das Foto entstand am 24. Oktober 1933. 

Die Anfänge: Straßenbau in der Siedlung Tannenhof. Das Foto entstand am 24. Oktober 1933. 

Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Düsseldorf-Vennhausen.   In der Siedlung Tannenhof in Düsseldorf-Vennhausen nehmen die Anwohner ihre Interessen selbst in die Hand.

Auf dem ehemaligen Sumpfgebiet im heutigen Stadtteil Vennhausen entstand vor fast 90 Jahren eine neue Siedlung. Die Bewohner finden sich heute regelmäßig zusammen, um das Gemeinschaftsgefühl im Viertel zu fördern. Sie haben sogar eine eigene Interessensvertretung.

Der erste Weltkrieg war gerade eine Dekade vorüber, da erwartete die Weltbevölkerung schon die nächste Katastrophe. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 beraubte zahllose Menschen ihrer Arbeit und infolgedessen auch ihrer Wohnung. Die Mieten waren für viele schlicht nicht mehr zu bezahlen.

Mieten zu teuer: Auch in Düsseldorf mussten Lösungen her

Auch in Düsseldorf waren viele Bewohner betroffen, Alternativen mussten her: Die Gründung der Siedlung Tannenhof im heutigen Stadtteil Vennhausen war eines der Resultate.

Die Stadt Düsseldorf stellte das „Gut Tannenhof“ aufgrund der akuten Notlage für Siedlungszwecke zur Verfügung. Ab 1930 wurde das morastige Gebiet bebauungsfertig gemacht und die ersten Siedler errichteten ihre Unterkünfte ein Jahr später. Dabei bauten alle gemeinsam an den Häusern und die verschiedenen Parzellen wurden schließlich ausgelost. „Damit bei allen gleich gut gebaut wird“, erklärt Roswitha Pohlmann mit einem Lächeln.

Grundideen werden auch nach 90 Jahren fortgesetzt

Pohlmann ist seit 14 Jahren Vorsitzende der Interessengemeinschaft Tannenhof (IG Tannenhof) und schon seit 1980 Mitglied. Die IG setzt, auch fast 90 Jahre nach der Gründung der Siedlung, die Grundideen und -überzeugungen der ersten Siedlergemeinschaften fort. Solidarität, gegenseitige Unterstützung in allen Lebensbelangen, sind die Hauptaufgaben der IG.

So können sich die etwa 1100 Mitglieder Vertikutierer oder andere Gartengerätschaften ausleihen, bei Streitigkeiten untereinander vermitteln lassen oder Unterstützung, etwa bei Amtsgängen, in Anspruch nehmen. Aktuelle machen vor allem Raser Probleme, die mit ihren Autos gefährlich schnell über eine Spielstraße fahren. Außerdem der steigende Grundwasserspiegel im Viertel.

Die IG vertritt die Interessen der Mitglieder auch gegenüber der Stadt oder der Bezirksvertretung, stellt Anfragen und Anträge an ebendiese. Pohlmann kennt das Spiel mit den Bezirksvertretern und Behörden gut, war sie doch selbst 15 Jahre lang Mitglied der Bezirksvertretung.

Doch nicht nur Probleme gehen die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Interessengemeinschaft an. Auch um ein gemeinschaftliches Miteinander bemühen sie sich. Neben dem jährlichen Familienfest treffen sich Nachbarn jeden Mittwoch in der Geschäftsstelle, um bei Kaffee und Kuchen zu klönen und Karten oder Rummikub zu spielen. Ebenso gemütlich können die Mitglieder beim monatlichen Kinoabend zusammenkommen. Wer es sportlicher mag geht zur Sitzgymnastik oder trifft sich zum Boule-Spiel auf dem Platz des FC Tannenhof.

Im Eingangsbereich der Geschäftsstelle der Interessengemeinschaft kann man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Bilder an den Ausstellungswänden zeigen den Tannenhof schon kurz nach der Gründung des Wohngebietes und die Entwicklung bis vor einigen Jahren. „Jetzt fehlt uns allerdings der Platz für weitere Bilder“, erklärt Pohlmann die Lücke bis zum Jahr 2018.

Auf Dauer kann in der Stadtentwicklung viel vom Charme der Ursprünglichkeit verloren gehen. Doch die Solidarität in der Not, aus der heraus der Tannenhof entstand, lässt die IG bis heute hochleben.

Das ist es, was Pohlmann an ihrem Stadtteil so besonders gefällt: Die Gemeinschaft, das familiäre.

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