Wohnprojekt

Eltern bauen in Düsseldorf Behinderten-WG für die Tochter

Elke da Silva Barroca und Tobias Schiefer am Rather Kreuzweg, wo Wohnungen für junge Menschen mit Betreuungsbedarf entstehen sollen. Foto:Julia Brabeck

Elke da Silva Barroca und Tobias Schiefer am Rather Kreuzweg, wo Wohnungen für junge Menschen mit Betreuungsbedarf entstehen sollen. Foto:Julia Brabeck

Im Düsseldorfer Stadtteil Rath entsteht ein Wohnhaus speziell für behinderte Menschen. Die Eltern einer jungen Frau bauen dort mit Förderung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Düsseldorf. Lea ist eine lebhafte junge Frau. Die 21-Jährige geht täglich zur Arbeit, trifft sich gerne mit ihren Freunden und wohnt noch zu Hause. Das soll sich aber bald ändern, denn Lea will mit ihren Freunden zusammenziehen. Aber einfach eine Wohnung anmieten und eine Wohngemeinschaft gründen, wie das andere Menschen in Leas Alter tun, ist nicht ohne weiteres möglich, denn Lea und ihre Freunde haben das Down Syndrom, sind deshalb im Alltag auf Begleitung angewiesen.

„Ich habe vor zwei Jahren angefangen, nach einer Wohnform für meine Tochter zu suchen. Mir ist es ein Anliegen, dass meine Tochter selbstbestimmt und selbstständig leben kann“, sagt Elke da Silva Barroca. Unabhängig davon kam zu dieser Zeit bei Leas Eltern die Frage auf, was mit einer Bauruine geschehen soll, die ihnen und ihrem Neffen Tobias Schiefer gehört. Dabei handelt es sich um die ehemalige Bäckerei Piscoping am Rather Kreuzweg, die im Krieg zerbombt wurde. Nur das Erdgeschoss blieb verschont und wurde nach Aufgabe der Backstube1995 auf vielfältige Weise, etwa als Motorradwerkstatt und Atelier, genutzt.

Fördervorgaben sind ziemlich kompliziert

„Um das Haus wieder aufzubauen, fehlte uns das eigene Kapital. So entstand die Idee, gefördert zu bauen und damit gleichzeitig das Wohnproblem für Lea zu lösen“, sagt Tobias Schiefer. Seit zwei Jahren wird nun das Projekt geplant und vor allen Dingen viel Papierkram erledigt. „Die Fördervorgaben sind recht kompliziert und deren Erfüllung nachzuweisen ist mit einem hohen Bürokratismus verbunden“, sagt Schiefer. Er lobt aber das Düsseldorfer Wohnungsamt, das sich sehr für die Umsetzung des Wohnprojektes engagieren würde.

Dieses soll bald ausgeschrieben werden. Der Bezug soll möglichst schon 2020 sein. Geplant ist, die Bauruine abzureißen und einen fünfgeschossigen Neubau mit neun behindertengerechten, 50 Quadratmeter großen Appartements mit Balkonen, Gemeinschaftsräumen und einer Betreuerwohnung zu errichten. „Jeder Bewohner wird mit uns einen eigenen Mietvertrag und mit der Hephata einen Betreuungsvertrag abschließen. Das ist eine evangelische, in der Behindertenarbeit tätige Stiftung“, sagt Schiefer.

Kaum möglich, eine Wohnung zu finden

Unterstützung werden die Bewohner immer benötigen, um selbstständig ihr Leben zu meistern. Jeder Bewohner hat seine eigene abgeschlossene Wohnung, kann aber auch die Gemeinschaftsräume, die auch als Therapiezimmer dienen können, mitbenutzen. „Das ist wichtig, damit niemand vereinsamt.“ Bislang wollen vier Freunde von Lea mit einziehen. „Das war einer der Gründe für dieses Wohnprojekt. Für fünf Freunde gleichzeitig ist es wohl kaum möglich eine Wohnung zu finden.“ Einmal im Monat treffen sich die zukünftigen Nachbarn, dann kommen auch andere Interessiert zum Kennenlernen dazu.

Denn dass die Hausgemeinschaft sehr gut zusammenpasst, ist wichtig. „Wir gehen davon aus, dass die Mieter viele Jahre, beziehungsweise bis zu ihrem Lebensende wohnen bleiben werden.“

Die Stadt sammelt Pluspunkte – ein Kommentar von Stephan Wappner

Lea – das ist die im Artikel beschriebene junge Frau mit Down Syndrom – kann sich glücklich schätzen, solche Eltern zu haben. Die nämlich ermöglichen ihrer Tochter, ein selbstbestimmtes Leben zu führen – trotz ihrer Beeinträchtigung und trotz der Tatsache, dass sie hier und da auf fremde Hilfe angewiesen ist. Viele so genannte Helikoptereltern, die ihre Kinder möglichst noch bis in die Sekundarstufe II zur Schule fahren, sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Los lassen lernen.

Leas Eltern haben nun also aus anfänglichen Eigennutz ein tolles Projekt angeschoben, sie wollen eine Wohnhausgemeinschaft ins Leben rufen. Gut ist, dass das städtische Wohnungsamt diesen Leuten nicht mehr Steine in den Weg legt als nötig.

Der bürokratische Wahnsinn ist auch so schon groß genug.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben