Konzert

Entfesseltes Heimspiel der Toten Hosen mit klassischer Note

Auf den Bildschirmen im Hintergrund von Sänger Campino wurden neben Live-Aufnahmen auch alte Fotos aus der Bandgeschichte gezeigt. Auch in jüngeren Jahren waren die Shows ein Stimmungs-Spektakel.   

Auf den Bildschirmen im Hintergrund von Sänger Campino wurden neben Live-Aufnahmen auch alte Fotos aus der Bandgeschichte gezeigt. Auch in jüngeren Jahren waren die Shows ein Stimmungs-Spektakel.   

Foto: Lars Tenorth

Düsseldorf.   Die Toten Hosen brennen ein abwechslungsreiches Feuerwerk im ausverkauften Rather Dome ab, garniert mit Streichinstrumenten und Dudelsäcken.

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Der Innenraum erzittert. Die Masse tobt. Kraftvolle Gitarren-Riffs fegen durch die Halle, Stephen Ritchie, bekannt als Vom Ritchie, malträtiert sein Schlagzeug mit purer Energie. Fahnen von Fortuna Düsseldorf und der DEG werden geschwenkt: Passend schmettert Toten-Hosen-Sänger Campino die Zeilen von „Urknall“ in die Menge: „Die verlorenen Söhne sind wieder in der Stadt“.

Die Toten Hosen aus Düsseldorf haben am Freitagabend auf ihrer Album-Tour „Laune der Natur“ ein entfesseltes erstes Heimspiel im ausverkauften Rather Dome abgefackelt. Das zweite folgte bereits einen Tag später am Samstag. Als Unterstützung stimmte „Feine Sahne Fischfilet“, eine Punkband aus Mecklenburg-Vorpommern, mit Trompeten und Feierlaune auf den Hauptakt ein: Sänger Jan Gorkow ließ häufiger Bier-Fontänen auf die Zuschauer rieseln.

Kampf gegen den Rechtsruck

Ähnlich wie die Toten Hosen kämpft die 2007 gegründete Konstellation gegen den wachsenden Rechtsruck in Deutschland. Auch bei den Toten Hosen ist das am Konzertabend ein Thema. Als das Publikum „Nazis raus“ skandiert, dankt Campino dem Chor.

Doch das ist nur ein kleiner Teil. Vor allem sorgen Campino und Co. mit ihrer eigenen Art und musikalischer Abwechslung für eine durchgehend kochende Stimmung: „Die neuen und alten Lieder waren super“, schwärmt Besucher Christian Helms. Bei dem Mutmacher-Stück „Steh’ auf, wenn du am Boden bist“, flößt Campino Menschen, die vor der endgültigen Selbstkapitulation stehen, bewegend neue Hoffnung ein. Er fordert das Publikum vor dem Lied konsequent auf, sich hinzusetzen.

Erst als nach und nach alle Zuschauer der Aufforderung folgen, beginnt er die erste einfühlsame Strophe. Das Publikum ruht und ruht. Bis im Refrain mit „Steh’ auf“ der totale Ausbruch einsetzt: Die Besucher springen entschlossen auf und verwandeln den Saal in einen positiven Hexenkessel - nicht das einzige Mal Ekstase. Immer wieder bebt die ganze Halle, auch bei dem neuen Radio-Dauerbrenner „Unter den Wolken“ oder dem kritischen Klassiker „Hier kommt Alex“, der das roboterhafte Funktionieren ohne Menschlichkeit anprangert.

Statt Altbier gibt es Pils

Für Julia Rosenberg war das ruhige „Nur zu Besuch“ ein absoluter Höhepunkt. Ihre Freundin Anna-Lena Theunissen fand „alles geil“, dazu zählen auch die Besonderheiten: Rot-weißer Konfetti-Regen, leuchtende Wunderkerzen, liebevolle Düsseldorf-Gesänge oder eine ausufernde Masse im Hüpf-Modus – alles war dabei. Sogar Dudelsack-Musik der Band „The Rhine Area Pipes und Drums“, gegründet im Stadtteil Flingern oder Streicher, die mit Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ klassische Töne in die Menge zauberten, bereicherten den Abend.

Nach drei Zugaben und fast drei Stunden unglaubliche „Hosen-Energieladung“ war die beeindruckende Vorstellung zu Ende. Doch eine kleine Überraschung verursachte bei Christian Helms ein leichtes Kopfschütteln: Besucher konnten beim Heimspiel in Düsseldorf kein Alt-Bier im Innenraum der Halle kaufen, sondern nur Pils...

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