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Erster Runder Tisch gegen Obdachlosigkeit

Ein Obdachloser schläft in Decken und Schlafsäcke gehüllt unter einem Verbotsschild.

Ein Obdachloser schläft in Decken und Schlafsäcke gehüllt unter einem Verbotsschild.

Foto: Tobias Hase

Düsseldorf.   Stadtverwaltung bittet zum Runden Tisch gegen Obdachlosigkeit. Bürgerstiftung begrüßt Schritt. Grüne zählen Maßnahmen im Vier-Punkte-Plan auf.

Rund 150 bis 250 Menschen leben laut einer aktuellen Zählung des Amtes für Migration und Integration dauerhaft auf der Straße, die Stadtverwaltung verzeichnet immer mehr Zwangsräumungen von privaten Wohnungen und unlängst sorgte der Umzug von einigen Obdachlosen vom NRW-Forum in städtische Häuser für Gesprächsstoff. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche lädt nun Experten am Mittwoch, 15. Mai, zum ersten „Runden Tisch gegen Obdachlosigkeit“ ins Rathaus ein.

Sofortmaßnahmen und Lösungen diskutieren

„Wir haben verschiedene Gremien, bei denen die Verwaltung mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe oder mit der Politik zusammen sitzt. Ziel des Runden Tisches muss es sein, dies zusammenzuführen und sowohl Sofortmaßnahmen als auch langfristige Lösungen gemeinsam zu diskutieren“, erklärt Stadtdirektor und Sozialdezernent Burkhard Hintzsche. Das Thema Obdachlosigkeit dürfe uns nicht nur während der kalten Jahreszeit umtreiben, sagt Hintzsche, der einen steigenden Bedarf an Hilfen erkennt.

Die Grünen unterstützen die Initiative der Stadtverwaltung für den Runden Tisch. „Das Ziel muss die vollständige Vermeidung von Wohnungslosigkeit in Düsseldorf sein“, kommentiert Angela Hebeler, Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion. Denn das Recht auf Wohnen sei ein Menschenrecht. „Wir müssen für alle Menschen, die ohne Wohnung in Düsseldorf leben, eine Lösung finden“, so Hebeler weiter.

Grüne: Bezahlbare Wohnungen erhalten

Dabei sollten auch die Menschen verstärkt Beachtung finden, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind oder in Düsseldorf keine passende und bezahlbare Wohnung finden können, fordert Hebeler. Verschiedene Gruppen dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden, betont auch die Düsseldorfer Grünen-Chefin Paula Elsholz. Die Grünen haben die nötigen Maßnahmen in einem Vier-Punkte-Plan zusammengefasst.

Wichtigster Punkt: Bezahlbare Wohnungen erhalten. Dazu müsse man die Möglichkeiten des Baurechts nutzen, wie etwa mit einer Schutzsatzung gegen spekulativen Leerstand und gegen die Umnutzung von Ferienwohnungen. Weitere Punkte: Prävention gegen Wohnungslosigkeit, Erhalt und Neubau städtischer Unterkünfte sowie mehr geförderter Wohnungsbau.

Ein Austausch von Erfahrungen

Auch die Bürgerstiftung Düsseldorf wird am 15. Mai mit dabei sein. Sie erhoffen sich eine bessere Vernetzung der Organisationen, „damit Hilfen besser funktionieren und Maßnahmen besser gebündelt werden können“, so die Vorstandsvorsitzende Sabine Tüllmann. Oft arbeiteten Vereine an der gleichen Idee, aber wissen nichts voneinander, so Tüllmann weiter. Daher sei es gut, wenn sich alle an einem Tisch mal kennenlernen um Erfahrungen auszutauschen.

Denn das man sich kümmert ist wichtig. Am NRW-Forum, wo im Winter die Obdachlosen bei der Säulenhalle kampiert hatten, sind nach deren Umzug neue „eingezogen“. Die Linken wünschen sich nun, dass sich die Stadtverwaltung auch um Wohnungen für diese Obdachlosen bemüht, so Udo Bonn, Vorsitzender der Düsseldorfer Linken. „Die Stadtverwaltung hat bis jetzt richtig gehandelt. Ich hoffe, dass sie sich weiter bemüht.“

Bonn: „Wohnungslose in leerstehende Anlageobjekte“

Fiftyfifty habe der Stadt mit dem Projekt „Housing First“ den Weg gewiesen. Von den Düsseldorfer Politikern fordert er einen verantwortlichen Umgang mit den Wohnungslosen: „Was CDU und FDP bisher zur Situation der Wohnungslosen am NRW-Forum geäußert haben, war Klassenkampf von oben.“ Die Menschen am NRW-Forum lebten auf der Straße, weil dieses Wirtschaftssystem Armut produziert, statt Wohlstand zu verteilen, so Bonn. „Gerecht fände ich, wenn die Wohnungslosen in leerstehende Anlageobjekte wie das Andreasquartier einziehen.“

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