Abzocke

Falsche Polizisten ergaunern zwei Millionen

Die Polizei warnt vor falschen Kollegen.

Die Polizei warnt vor falschen Kollegen.

Foto: Martin Gerten

Düsseldorf.   Organisierte Betrüger haben Düsseldorfer Senioren vergangenes Jahr um ein Vermögen gebracht. Anrufe der falschen Polizisten häufen sich wieder.

Jeden Tag klingelt in Düsseldorf irgendwo ein Telefon, und ein Mann stellt sich als Kriminalkommissar vor. Meistens durchschauen die Angerufenen den Trick sofort. Entweder, weil sie durch die zahllosen Berichte gewarnt sind, oder auch, weil sie einfach wissen, dass die Kripo nicht am Telefon nach den Finanzen eines Bürgers fragt. Viele legen einfach auf, und immer öfter rufen sie dann auch die 110 an und landen schnell im Kommissariat von Markus Gerhards. Sein Team schätzt, dass die Zahl der misslungenen Betrugsversuche deutlich höher ist. „Für viele Leute ist die Sache mit dem beendeten Gespräch erledigt“, sagt Gerhards.

Die Angerufenen sind oft so verdutzt

Dabei kann jeder gescheiterte Versuch den Ermittlern wichtige Erkenntnisse über die Täter bringen. Beispielsweise, dass sie ihre Technik auf die Warnungen der Polizei ausrichten. Den Trick, die Telefonnummer der Polizei im Display der Angerufenen anzuzeigen, nutzen sie beispielsweise nicht mehr so oft. Stattdessen weisen sie darauf hin, dass die Nummer nicht sichtbar ist, eben weil sie „von der Polizei“ seien. Der freundliche Beamte sagt dann so etwas wie: „Ich lege jetzt auf, und wenn Sie einen Piepton höre, wählen Sie die 110, dann haben Sie meinen Kollegen dran.“ Die Angerufenen, sagt Gerhards, sind oft so verdutzt, „dass ihnen gar nicht klar ist, dass die Verbindung ja nie getrennt wurde und sie eben nicht unsere Leitstelle angerufen haben“.

Betrüger hatten bei 20 Anrufen Erfolg

750 Anrufe sind der Düsseldorfer Polizei im vergangenen Jahr gemeldet worden, bei knapp 20 davon hatten die Betrüger Erfolg – und erbeuteten allein 2018 mehr als zwei Millionen Euro. Den Großteil der Beute bringen Kuriere ins Ausland. Sie wiederum bekommen die Geldpakete von Boten, die für ein Taschengeld als Abholer fungieren. Zwei Männer, die im Dezember zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden, hatten für 500 Euro ein Paket in Düsseldorf abholen sollen, in das eine 80-Jährige mehr als 170.000 Euro gepackt hatte. Was die beiden Teenager, die im November bei einer Geldübergabe gefasst wurden, als Belohnung bekamen, wissen die Düsseldorfer Ermittler nicht. Die 16 und 17 Jahre alten Tatverdächtigen wohnen in Berlin, wurden nach dem Jugendgerichtsgesetz an die dortigen Behörden übergeben. Bei ihrer Festnahme hatten sie ohnehin geschwiegen.

Einen anderen Abholer im Dienste falscher Polizisten hat ein Düsseldorfer Richter kürzlich für zweieinhalb Jahre hinter Gitter geschickt. Für die Ermittler das richtige Signal: „Wenn das Risiko für die Boten zu groß wird, sinken die Chancen der Drahtzieher.“

Die Abholer, die eine andere Düsseldorferin um Schmuck und Geld im Wert von mehr als einer Million Euro brachten, wurden nie gefasst. Ihr hatten die falschen Polizisten erst von einem bevorstehenden Einbruch erzählt und sie so dazu gebracht, Geld und Wertsachen „zur Aufbewahrung“ an die Polizei zu übergeben. Erst als sie danach mit weiteren Legenden noch mehr Geld verlangten, hatte ein aufmerksamer Bankberater die Polizei eingeschaltet.

Weil Düsseldorf als wohlhabende Stadt gilt, versuchen es die Betrüger hier besonders häufig, aktuell verzeichnen die Ermittler wieder ein erhöhtes Anrufaufkommen. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat ein Sonderdezernat eingerichtet, das in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt auch Fälle aus dem Umland übernimmt, wenn Zusammenhänge erkennbar sind. Für die Opfer ist das alles wenig hilfreich. Manche verlieren alles, was sie für den Lebensabend gespart haben. „Das sind keine leichtgläubigen, naiven Menschen“, sagt Gerhards. „Die Täter aber sind skrupellos und sehr geschickte Manipulatoren.“

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