Gericht

Flughafen in Düsseldorf trägt Hauptschuld am Brand

Das Archivfoto vom 15.12.1999 zeigt das Medienaufgebot am ersten Tag des Prozesses zum Brand am Düsseldorfer Flughafen. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Das Archivfoto vom 15.12.1999 zeigt das Medienaufgebot am ersten Tag des Prozesses zum Brand am Düsseldorfer Flughafen. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

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Düsseldorf. Der Flughafen Düsseldorf trägt eine größere Schuld an dem Flughafenbrand im Jahr 1996 als die Baufirma, deren Schweißarbeiten das Feuer auslösten. Zu dieser Einschätzung kam das Oberlandesgericht. 17 Menschen waren damals gestorben.

Der Flughafen in Düsseldorf hat eine größere Schuld an dem verheerenden Flughafenbrand 1996 als die Baufirma, deren Funken das Feuer auslösten. Diese vorläufige Einschätzung gab Dienstag der 23. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf in einem Prozess um die Haftungskosten bekannt.

Am 11. April 1996 lösten Schweißarbeiten an einer Zwischendecke das schreckliche Brandunglück aus. Durch Funken fing das Styropor in einer Dehnungsfuge der Decke Feuer. Flammen und Rauch verbreiteten sich schnell im ganzen Gebäude. Bald waren zahlreiche Menschen in Innenräumen eingeschlossen. 17 Menschen starben, 88 wurden verletzt. Große Teile des Gebäudes mussten abgerissen oder saniert werden.

Strafverfahren gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt

Die Strafverfahren gegen die Beteiligten wurden 2001 gegen die Zahlung von Geldauflagen eingestellt. Doch die Schuldfrage ist weiter in Zivilverfahren relevant. Die Versicherungen, die damals die Kosten für Schäden übernahmen, fordern diese von Flughafen und Baufirma zurück. Und die streiten um die Aufteilung. Insgesamt hatten die Versicherungen rund 150 Millionen Euro an Fluglinien, Mietwagenfirmen und Geschäfte für Schäden, Verdienstausfälle und Mehrkosten gezahlt.

Im aktuellen Fall geht es um die Zahlung von rund 30 Millionen Euro an mehrere Versicherungen. Die Baufirma will völlig von diesen Zahlungen freigestellt werden. Das Landgericht entschied 2009, sie müssten je zur Hälfte von Baufirma und Flughafen getragen werden, weil beide grob fahrlässig handelten. Beide Seiten gingen in Berufung, nun muss das Oberlandesgericht entscheiden.

Der Vertreter der Baufirma hielt dem Flughafen vor, mit dem Einbau des brennbaren Styropor eine „Zeitbombe“ gelegt zu haben, nur um Kosten zu sparen. Der Airport habe „unmäßige Mengen illegalen Materials“ verbaut, nämlich 7200 Quadratmeter Styropor.

Gegenseitige Vorwürfe

Vom Anwalt des Flughafens wurden erneut die Vorwürfe der ungenügenden Sicherung der Schweißarbeiten erhoben. Die Baufirma hätte prüfen müssen, ob Feuergefahr bestehe, und zur Sicherheit die Schweißarbeiten abdecken müssen.

Der Senat des OLG hält das Verhalten beider Seiten ebenfalls für grob fahrlässig. Er sieht aber die Haftung zu 75 Prozent beim Flughafen, zu 25 Prozent bei der Baufirma. Er wird alle Argumente noch mal prüfen, das endgültige Ergebnis am 11. Januar verkünden.

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