Gleichberechtigung

Frauen reden im Düsseldorfer Stadrat zu wenig

Die Konstituierende Sitzung des Stadtrates im Rathaus.

Die Konstituierende Sitzung des Stadtrates im Rathaus.

Foto: Ingo Lammert

Düsseldorf.   Die Redeanteile weiblicher Ratsmitglieder sind geringer als die Sitzverteilung vermuten lässt.

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Heute diskutieren Düsseldorfer Politiker wieder im Stadtrat über die Geschicke der Landeshauptstadt. Leidenschaftlich gestritten wird dabei über Themen von Verspätungen und Ausfälle der Rheinbahn, den umstrittenen neuen Werbenamen der Rather Arena bis zur Planung einer neuen Openair-Fläche auf dem Messe-Parkplatz.

Nichtmal 30 Prozent Redeanteil für Ratsfrauen

Nach einer Untersuchung der Düsseldorfer Gleichstellungsbeauftragten Elisabeth Wilfart werden dabei voraussichtlich Männer den Großteil der Redezeit besetzen. Wilfart stoppte die Zeit bei den Ratssitzungen am 14. Juni und 12. Juli. Das Ergebnis war eindeutig: So diskutierten in der Juli-Ratssitzung die Politiker für etwa 3 Stunden. Frauen kamen dabei für nur knapp 50 Minuten zu Wort. Dabei besetzen Frauen im Stadrat mit 31 Sitzen immerhin knapp 40 Prozent der Plätze.

Im Düsseldorfer Stadtrat reden Frauen also weniger, als sie eigentlich könnten. „Wenn Frauen im Parlament sitzen, ist es damit nicht getan“, betont die Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart: „Es gibt viele Diskussionen, da geht es um reine Polemik. Viele Frauen mache da nicht mit.“

Mehr weibliche Redezeit bei FDP und Linke

Noch gravierender werden die Ergebnisse, schlüsselt man sie nach Fraktionen auf: Für die CDU nutzten im Juli acht Prozent der Redezeit Frauen, einen Monat zuvor nahmen sogar ausschließlich Männer an der Diskussion teil. Dabei sind bei den Konservativen ein Viertel der Ratsmitglieder Frauen. Auch bei Grünen und SPD sind die Redeanteile für Frauen geringer, als das Verhältnis in den Fraktionen vermuten lässt. Allein bei Linke und FDP ist das anders.

Elisabeth Wilfart macht das an den weiblichen Schlüsselfiguren der Parteien fest: „Das hängt vor allem damit zusammen, dass Frau Kraft-Dlangamandla und Frau Strack-Zimmermann jeweils die Fraktionsführerinnen sind. Damit reden sie am meisten.“ Hinter diesen Führungspersonen sollen sich laut Wilfart die weiblichen Ratsmitglieder trotzdem zurückhalten.

Weniger Respekt als Minderheit

Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2012 bestätigt die Zahlen. Tali Mendelberg und Chris Karpowitz fanden heraus, dass Frauen deutlich weniger Reden, wenn sie in Gruppen die Minderheit darstellen. Die Probanden mussten eine festgelegte Menge Geld möglichst sinnvoll unter sich aufteilen. Frauen wurden häufiger unterbrochen, ihre Lösungsvorschläge öfter ignoriert. „Ihnen wurde aktiv der Respekt verweigert“, bewerteten die Forscher ihre Ergebnisse.

Die Düsseldorfer Gleichstellungsbeauftragte hält die Problematik für aktueller denn je: „Im Moment sinkt der Frauenanteil in Parlament von Bund und Ländern. Und diese großen Parlamente speisen sich ja auch aus den Vertretern der Städte. “

Die Studie von Mendelberg und Karpowitz zeigt, dass so ein Zustand der Politik schaden könnte. Denn mit einem größeren Anteil Frauen in der Gruppe wurden die präsentierten Lösungen deutlich konstruktiver und innovativer.

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