Gewalt

Frauenhäuser in Düsseldorf sind komplett überlastet

Frauen im Frauenhaus: Ein Vorhaben der Landesregierung sieht ab 2019 vor, dass Einrichtungen pro neu geschaffenem Platz 7000 Euro bekommen sollen.

Frauen im Frauenhaus: Ein Vorhaben der Landesregierung sieht ab 2019 vor, dass Einrichtungen pro neu geschaffenem Platz 7000 Euro bekommen sollen.

Foto: Katharina Kemme

Düsseldorfer Frauenhäuser müssen ständig Hilfesuchende ablehnen, weil die Kapazitäten fehlen. Die Landesregierung will neue Plätze finanzieren.

In Düsseldorf gibt es zwei Frauen- und ein Mädchenhaus. Viel zu wenig, denn die Kapazitäten sind begrenzt. Nicht jede Frau kann aufgenommen werden. Im Internet können Schutz- und Hilfesuchende auf der Seite der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser (LAG) in NRW nach Frauenhäusern suchen – und bekommen gleich anzeigt, ob noch Plätze vorhanden sind. Schnell wird klar: Die roten Häuschen bedeuten nichts Gutes. Die Plätze sind belegt.

Es müssen immer wieder Frauen abgewiesen werden. „Im Oktober hatten wir 27 Anrufe – 19 Frauen mussten wir absagen“, so Silvia Röck, Einrichtungsleiterin des Internationalen Frauenhauses der Awo in Düsseldorf. Im September waren es 16 Anrufe – und 15 Absagen. Denn selbst wenn eine Frau aus einem Frauenhaus auszieht, weil sie eine Wohnung gefunden hat, bleiben die Plätze nicht lange frei, sagt Birgit Rossdeutscher, Geschäftsführerin des Vereins Frauen helfen Frauen.

Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung

Bei Müttern mit Kindern kommen zudem keine anderen Frauen mit ins Zimmer, so Rossdeutscher. Auch kann es sein, dass eine Frau zu stark traumatisiert ist. „Das wäre für eine weitere Frau belastend. Wir fragen immer nach, ob es in Ordnung ist, mit einer anderen Frau das Zimmer zu teilen.“

Als einen, wenn auch kleinen, Schritt in die richtige Richtung sieht Rossdeutscher ein Vorhaben der Landesregierung. Das sieht ab 2019 vor, dass Einrichtungen pro neu geschaffenem Platz 7000 Euro bekommen sollen. Gleichzeitig kritisiert Rossdeutscher, dass damit ein Platz nicht durchfinanziert sei und man für das Geld auch niemanden einstellen könne. Auch Röck erkennt zwar den Anstoß an, es sei jedoch keiner, „der Qualität sichert“.

Das Problem sei auch, dass es immer nur Förderungen sind, es aber keinen gesetzlichen Anspruch darauf gebe, so Rossdeutscher. „Man kann sich also nicht immer darauf verlassen.“

Unfreiwillig langer Aufenthalt

Die LAG begrüßt zudem, dass die Landesregierung zugesichert hat, die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für gewaltbetroffene Frauen zu beschleunigen. Denn die Aufenthaltsdauer in Frauenhäusern orientiert sich an dem Schutz- und Unterstützungsbedarf der Betroffenen und ist nicht auf eine bestimmte Zeit begrenzt. Immer wieder kommt es aber zu Situationen, in denen Frauen und ihre Kinder unfreiwillig lange im Frauenhaus bleiben müssen, weil sie keine Wohnung finden.

Denn das Problem mit dem bezahlbaren Wohnraum ist im Internationalen Frauenhaus allgegenwärtig. „Es wäre eine deutliche Entlastung für uns, wenn uns die Stadt bei Wohnungsbauüberlegungen integriert“, so Röck. Oftmals seien die Wohnungen aber viel zu teuer für die Frauen. „Es wird nicht für die Zielgruppe gebaut, die von Arbeitslosengeld II lebt.“ Zudem sind in Düsseldorf auch Studenten auf der Suche nach günstigem Wohnraum. „Die werden dann auch eher von Vermietern berücksichtigt als afrikanische Frauen oder Frauen mit Kopftuch“, meint Röck.

Frauen sollen nötige Zeit bekommen

Damit eine Frau aber überhaupt aus dem Frauenhaus ausziehen kann, bedarf es vor allem Eines: viel Zeit. Das Land hatte versucht, die Aufenthaltsdauer zu reglementieren. Das wurde aber zurückgenommen. „Es geht uns darum, dass diese Personengruppe nicht geächtet wird. Das sind teilweise schwerst traumatisierte Frauen. Bei manchen ist das Aufenthaltsrecht noch in der Schwebe, viele können noch nicht so gut deutsch. Das dauert eben länger“, so Röck weiter. Sie will auch sensibilisieren, Prävention leisten.

Dass die Situation schwierig ist, ist auch der Düsseldorfer Gleichstellungsbeauftragen Elisabeth Wilfart bewusst. Daher ist jede Diskussion und jeder Schritt umso wichtiger. Gerade die MeToo-Debatte habe zusätzlich dafür gesorgt, dass Themen wie sexueller Missbrauch und Gewalt gegen Frauen vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, so Wilfart.

So werden bundesweit rund 100.000 Frauen Opfer von Gewalt. 2015 seien 335 Frauen sogar von ihrem Partner ermordet worden. „Die Folgekosten von häuslicher Gewalt weltweit belaufen sich auf acht Billionen Dollar“, so Wilfart. Dieses Geld könne man besser für die Prävention nutzen.

>>> INFO: Zahlen aus dem Gleichstellungsausschuss

Wie ernst die Lage ist, zeigen Zahlen aus dem Gleichstellungsausschuss Anfang des Jahres. So musste das Internationale Frauenhaus in Düsseldorf 2013 insgesamt 181 Frauen ablehnen, 2014 und 2015 jeweils 170, 2016 noch 148 sowie 2017 insgesamt 138 Frauen. Denn das Haus verfügt über gerade mal zwölf Plätze (in der Regel acht Frauen und vier Kinder). Beim Frauenhaus des Vereins Frauen helfen Frauen waren es im vergangenen Jahr 122 Frauen, 136 in 2016, 101 in 2015 sowie 96 in 2014 und 60 in 2013. Das Frauenhaus bietet 17 Betten in sechs Zimmern und zwei Notbetten in einem Durchgangszimmer an.

Damit stehen in den beiden Düsseldorfer Frauenhäusern insgesamt 29 Plätze und zwei Notbetten (Frauen und Kinder) im Verhältnis zu 635 704 Menschen (Stand 31.12.2016).

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