Jubiläum

Gelbe Hand gegen Rechts

Foto: WAZ FotoPool

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Düsseldorf. Es ist schon beinahe ein Zynismus des Zeitgeschehens, dass der Anti-Rassismus-Verein „Mach meinen Kumpel nicht an!“ (kurz: Kumpelverein) ausgerechnet in diesen Tagen sein 25-jähriges Jubiläum feiert.

Die aktuellen Berichte über terroristische Umtriebe aus der rechten Szene zeigen: Die Arbeit von Institutionen wie dem Kumpel-Verein scheint notwendiger denn je zu sein.

1986 entstand der Verein mit dem Logo der „Gelben Hand“ – in Anlehnung an die französische Anti-Rassismus-Bewegung – aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) heraus. Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Ungleichbehandlung von Menschen in der Arbeitswelt zu verhindern gehört seitdem zu den erklärten Zielen. Ungleichbehandlung im Arbeitsalltag ist nach wie vor ein Thema, zeigt sich bisweilen aber nur sehr subtil, weiß Vereinsvorsitzender Giovanni Pollice: „Jugendliche mit Migrationshintergrund haben es besonders schwer, eine berufliche Ausbildung zu erhalten.“ Laut der Schulabgängerbefragung des Bundesinstituts für Berufliche Bildung müssen junge Migranten deutlich länger auf eine Ausbildungsstelle warten, als Jugendliche ohne Migrationshintergrund – bei gleicher Qualifizierung: Bundesweit hatten 32 Prozent lernbereiter Migranten mit mittlerem Abschluss demzufolge 2010 eine Ausbildungsstelle, bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund waren es 50 Prozent.

Songs oder Kollagen

Anfang der 90er Jahre habe das Thema Rassismus nach einigen schlagzeilenträchtigen braunen Verbrechen an Präsenz verloren, so Pollice: „Man hat die rechte Szene unterschätzt, wie sich angesichts der aktuellen Ereignisse zeigt“. Umso wichtiger sei es, menschenverachtendes Gedankengut schon früh einzudämmen. „Das fängt bei Jugendlichen an“, erklärt Pollice. „Deshalb gehen unsere Mitarbeiter an Schulen und Ausbildungsstätten und leisten Aufklärungsarbeit.“ Motivation ist dabei das A und O, weiß Geschäftsführerin Klaudia Tietze: „Unser Wettbewerb ,Die gelbe Hand’ zum Beispiel richtet sich explizit an Berufsschüler und Auszubildende, die sich in Form von Kurzfilmen, Songs oder Kollagen kreativ mit der Thematik Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung auseinandersetzen“.

So erreiche man Engagement nicht nur auf dem Papier, sondern durch Taten. Es gehe dem Verein keinesfalls nur darum, Finger in Wunden zu legen. „Wir wollen auch positive Beispiele aufzeigen“, sagt Vorstandsmitglied Bernd Vallentin. „Die Azubis der Rheinbahn etwa befassen sich im Rahmen ihrer Ausbildung mit der Thematik und nehmen regelmäßig an unserem Wettbewerb teil.“ Auch bei anderen Betrieben spielt das Thema eine Rolle, wie Christian Mansfeld, Jugendsekretär der IG Metall Düsseldorf, weiß. Als ehemaliger Jugendvertreter von Siemens hatte der junge Mann mit Betriebs-Azubis Besuche der KZ-Gedenkstätte in Ravensbrück und Ende September ein Seminar zum Thema „Fremdenfeindlichkeit“ initiiert. So etwas sei genau der Schritt in die richtige Richtung, findet Klaudia Tietze: „Wenn wir in einer weltoffenen Gesellschaft leben wollen, dann müssen wir handeln!“

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